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Brau Union Österreich Firmengebäude in Linz mit Logo am Eingang während laufendem Kartellverfahren
Der Druck auf die Brau Union im Kartellverfahren erhöht sich.
Der Druck auf die Brau Union im Kartellverfahren erhöht sich.
APA/THEMENBILD

Brau Union: Kartellverfahren spitzt sich zu – Richterin erhöht den Druck

02.07.2026 um 10:56, Stefanie Hermann & APA, Red
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Im Kartellverfahren gegen die Brau Union steigt der Druck. Die Richterin fordert Vergleichsgespräche, neue Zeugen werden im Herbst einvernommen.

Im Herbst sollen im Brau-Union-Kartellverfahren noch die letzten dreizehn Zeugen an vier Tagen einvernommen werden. Die vorsitzende Richterin Eva Maria Vetter appellierte am Dienstag an den Braukonzern und die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), die Sommerpause für "konstruktive" Vergleichsgespräche zu nutzen. "Auch ich möchte irgendwann zu einem Ende kommen", sagte Vetter bei der Tagsatzung am Kartellgericht.

Druck auf Getränkelieferanten ausgeübt?

Bisher gab es in der Causa seit Februar 2025 insgesamt zwölf Verhandlungstage bei Gericht. Im Fokus des Kartellverfahrens steht die Zusammenarbeit der Brau Union mit Getränke-Logistikpartnern und ob wirtschaftlicher Druck auf die Getränkelieferanten ausgeübt wurde. Die Wettbewerbshüter der BWB orten "eine Einflussnahme auf die Aktivität der unabhängigen Getränkehändler" durch den Braukonzern. Die Brau Union weist die Vorwürfe zurück. Besondere Brisanz hat das Verfahren, weil das Kartellgericht Geldstrafen in Höhe von bis zu maximal zehn Prozent des Konzernumsatzes der niederländischen Brau-Union-Mutter Heineken, der zuletzt bei 34 Mrd. Euro lag, verhängen kann.

Brau Union dominiert Biermarkt

Brau Union dominiert den Biermarkt in Österreich. Knapp zwei Drittel des hierzulande produzierten Bieres entfallen auf das Unternehmen. Zum Brauereikonzern gehören Biermarken wie Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Schladminger und Edelweiss.

Richterin: Beweiswürdigender Antrag der Brau Union "unnötig"

Für Unverständnis hatte bei Kartellrichterin Vetter am Dienstag ein beweiswürdigender Antrag der Brau Union gesorgt. Der Brauereikonzern wollte mit Aussagen von bereits einvernommenen Zeugen Vorwürfe der BWB entkräften. "Diese Schriftsätze finde ich unnötig", sagte die Richterin. Sie habe sich "sehr geärgert". Auch die Wettbewerbshüter zeigten sich "überrascht" über den Antrag. Man habe "die positive Bewegung im Verfahren" nutzen wollen, sagte ein BWB-Vertreter bei dem Kartellgerichtstermin. Der Schriftsatz sei nun "ein Schritt in die andere Richtung".

Die Brau Union hatte sich im Dezember 2025 erstmals offen für Vergleichsgespräche gezeigt. Bisher haben aber noch keine Settlement-Gespräche mit der Bundeswettbewerbsbehörde stattgefunden. Ein Brau-Union-Anwalt kündigte am Dienstag vor Gericht an, im Sommer "mit ein paar konkreten Themen" auf die BWB zukommen zu wollen. Die Richterin zeigte sich über die Ankündigung erfreut. Wenn es über den Sommer eine Annäherung gebe, höre sie "immer gerne von wesentlichen Fortschritten".

Wenig Neues bei Einvernahme eines Ex-Brauereimanagers

Am Dienstagvormittag wurde ein ehemaliger Manager der Vereinigten Kärntner Brauereien als Zeuge einvernommen, der sowohl im Management der regionalen Brauerei war, als sie noch eine jeweils 50-Prozent-Beteiligung der Brau Union und der Familie Herberstein war, als auch, als sie von Österreichs größtem Brauereikonzern übernommen wurde. Sein berufliches Ausscheiden aus der Brauerei sei eine "rein persönliche Entscheidung" gewesen, es habe "keinerlei Unstimmigkeiten" gegeben, sagte er auf Nachfrage der Richterin. Vor der Komplettübernahme sei man der Brau Union "immer als Wettbewerber am Markt begegnet". Operativ sei er damals "nicht eingebunden gewesen in die Beziehung zu den Getränkehändlern".

Zeuge hat Ladung nicht erhalten

Am Kartellgericht sollte am Dienstagnachmittag ein Geschäftsführer einer größeren österreichischen Privatbrauerei als Zeuge einvernommen werden. Gericht, BWB, Anwälte und Medienvertreter warteten aber vergeblich auf den Zeugen. Nach einem Anruf der Richterin bei der Brauerei stellte sich heraus, dass der Manager die elektronische Ladung nicht erhalten hatte.

Noch vier Tage mit Zeugeneinvernahmen im Herbst

Bei der Kartellgerichtsverhandlung wurden noch Zeugen-Einvernahmetermine am 21. September, 22. Oktober, 11. November und 26. November fixiert. Die Zeugenliste wäre vorerst abgearbeitet. Sollte es keinen Vergleich geben, wird ein Urteil im kommenden Jahr damit immer wahrscheinlicher.

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