Gigantischer Betrug: Handy-Mafia täuscht Millionen Käufer
- Europaweite Razzia: Großschlag gegen die Handy-Mafia
- Gebrauchte Bauteile als Neuware: Die ausgeklügelte Fälscher-Masche
- Millionenschaden und Steuerhinterziehung über Briefkastenfirmen
- Sicherheitsupdates fehlen: So prüfen Käufer ihre Smartphones
Ermittlern der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) ist unter dem Codenamen „Operation Troja“ ein Ermittlungserfolg gelungen: Bei einer europaweiten Razzia wurde ein weltumspannendes Netzwerk zerschlagen, das gebrauchte Smartphones als fabrikneue Originalgeräte verkauft hat. Mehr als eine Million Konsumenten wurden Opfer von diesem millionenfachen Betrug, der einen Gesamtschaden von über 330 Millionen Euro verursachte.
Europaweite Razzia: Großschlag gegen die Handy-Mafia
Knapp 1.800 Polizisten, Zöllner und Steuerfahnder durchsuchten in einer koordinierten Aktion mehr als 160 Objekte in 19 Ländern, darunter auch in Österreich und Deutschland. In Österreich schlug das heimische Amt für Betrugsbekämpfung zu. Insgesamt wurden sieben Hauptverdächtige verhaftet – vier in Deutschland, zwei in Österreich und eine Person in Spanien. Unter den Festgenommenen befinden sich auch die beiden mutmaßlichen Köpfe der kriminellen Organisation.
Allein in einer Lagerhalle im deutschen Krefeld stellten die Fahnder schätzungsweise 10.000 bis 15.000 gefälschte Mobiltelefone sicher. Den Verdächtigen werden neben gewerbsmäßigem Betrug auch Markenrechtsverletzungen, Einfuhrschmuggel, Mehrwertsteuerhinterziehung und die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
Gebrauchte Bauteile als Neuware: Die ausgeklügelte Fälscher-Masche
Die Hintermänner kauften seit mindestens 2018 im großen Stil Altgeräte und gebrauchte Bauteile in Asien und im arabischen Raum auf. In Spezialwerkstätten in Hongkong und Dubai wurden vor allem gefragte Smartphones namhafter Hersteller wie Samsung zerlegt, aus alten Originalkomponenten neu zusammengesetzt, gründlich gereinigt und in täuschend echte Verpackungen inklusive gefälschter Werkssiegel verpackt.
Über Frachtrouten gelangte die Mogelware über die Niederlande in europäische Zentrallager. Von dort aus wurden die Geräte über bekannte Online-Marktplätze wie Amazon vertrieben. Da für die Fälschungen fast ausschließlich originale Gebrauchtteile verwendet wurden, war der Betrug optisch selbst bei genauerem Hinsehen nicht zu erkennen.
Millionenschaden und Steuerhinterziehung über Briefkastenfirmen
Der reine Schaden für die getäuschten Konsumenten wird auf mindestens 300 Millionen Euro beziffert. Dieser berechnet sich aus der Differenz zwischen dem gezahlten Neupreis und dem tatsächlichen Restwert der zusammengewürfelten Altgeräte. Hinzu kommt ein massiver Steuerschaden von rund 30 Millionen Euro, der den europäischen Finanzbehörden entgangen ist.
Um die Gewinne zu maximieren, nutzte die Bande ein Netz aus Briefkastenfirmen in mehreren EU-Staaten – darunter auch in Österreich – sowie in der Schweiz. Sie wandten fälschlicherweise die Differenzbesteuerung an, die nur für gebrauchte Artikel gilt. Da die Handys jedoch als Neuware deklariert wurden, hätte die volle Mehrwertsteuer auf den gesamten Verkaufspreis abgeführt werden müssen.
Sicherheitsupdates fehlen: So prüfen Käufer ihre Smartphones
Für viele Käufer begann das böse Erwachen erst Monate nach der Anschaffung. Oft traten nach anfänglich normalem Betrieb plötzlich Systemabstürze auf, die Akkus verloren rapide an Leistung oder wichtige Sicherheitsupdates ließen sich nicht installieren. Gewissheit brachte meist erst der Herstellersupport, wenn ein angebliches Neugerät laut Datenbank bereits Jahre zuvor registriert worden war.
Wer den Verdacht hegt, ein solches Fake-Gerät erworben zu haben, kann die Echtheit schnell überprüfen: Über den Tastencode #06# im Telefon-Wahlfeld lässt sich die individuelle 15-stellige IMEI-Nummer anzeigen. Mit dieser Nummer kann beim Kundenservice des Herstellers der Status und das erste Aktivierungsdatum abgefragt werden. Bei erhärtetem Verdacht sollten Rechnungen, Kartons und Versandbelege aufbewahrt, der Plattform-Betreiber informiert und Anzeige erstattet werden.