Wo die Lehre hoch im Kurs steht

Das österreichische Familien­unternehmen Fronius hat mit 51 neuen Lehrlingen heuer das erste Mal die 50er-Marke geknackt. Damit hält Fronius bei einem neuen Höchstwert von insgesamt 160 Lehrlingen, die sich gleichzeitig in Ausbildung befinden. 16 Lehrberufe sind es, in denen Fronius ab sofort wieder neue „Future Talents“ ausbildet: von der Elektronik und Elektrotechnik über kaufmännische Berufsbilder bis hin zu Mechatronik und Metalltechnik. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt einen deutlichen Aufwärtstrend bei den Lehrlingszahlen. Waren es 2017 noch 92 zukünftige Fachkräfte, die sich in Ausbildung befunden haben, so sind es mit dem heurigen Lehrstart bereits 160 junge Frauen und Männer, die gleichzeitig bei Fronius lernen. Trotz der herausfordernden Wirtschaftslage setzt das Unternehmen seinen Wachstumskurs somit ungebremst fort und investiert gezielt in die Jugend. „Das Wichtigste bei der Ausbildung von jungen Menschen ist die Person, die ihnen gegenübersteht. Wir möchten unseren Lehrlingen bei Fronius ein Vorbild sein und ihnen neben dem Fachwissen vor allem auch persönliche Erfahrungen mit auf den Weg geben. Denn das ist es, was sie prägt und schlussendlich zu hervorragenden Fachkräften macht“, ist Bettina Huemer, die Leiterin der Lehrlingsausbildung, überzeugt.

Bäckerlehrlinge mit eigenem „Reich“

Lebensmitteltechnik, Backtechnologie, E-Commerce: Resch&Frisch bietet neben traditionellen Ausbildungen in Bäckerei, Einzelhandel, Kfz-Technik und Büro viele neuartige Lehrstellen. Aktuell werden 32 Lehrlinge ausgebildet, elf davon wurden heuer aufgenommen. Alle Lehrstellen konnten nicht besetzt werden, fünf Lehrplätze im Produktionsbetrieb wären noch zu vergeben gewesen. Der Lehrbetrieb sichert jedem Lehrling nach dem Abschluss eine Beschäftigung zu und verspricht vielfältige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. So bildet Resch&Frisch nicht nur die Fach-, sondern auch die Führungskräfte von morgen aus. Das oberösterreichische Familienunternehmen deckt alle Bereiche von der Herstellung bis zum Verkauf im eigenen Unternehmen ab. Lehrlinge haben zudem die Möglichkeit zur ­Lehre mit Matura sowie vielfältige Chancen zur Weiterentwicklung im Unternehmen. Mit der Lehrlingsbäckerei haben die Handwerkslehrlinge bei Resch&Frisch ihr eigenes Reich. Eine voll ausgestat­tete Handwerksbäckerei, in der in Ruhe geübt werden kann. In der hauseigenen Kfz-Werkstatt in Wels wird der Fuhrpark in Schuss gehalten, während Bürokaufleute und E-Commerce-Lehrlinge im neuen Bürogebäude in Gunskirchen ihre Fertigkeiten erlernen.

Höchststand auch bei der eww Gruppe

Mit 21 jungen Damen und Herren hat auch die Welser eww Gruppe mehr Lehrlinge als in den vergangenen Jahren aufgenommen. Die aktuelle Lehrlingszahl liegt damit bei 59, ausgebildet werden sie in sechs Berufen: Elektrotechnik und Gebäudetechnik, Installationstechnik und Gebäudetechnik, IT-Technik-Systemtechnik, Metalltechnik-Maschinenbau, Betriebslogistik und Bürokauffrau. Alle ausgeschriebenen Lehrstellen konnten besetzt werden, als „Zuckerl“ für den Nachwuchs bietet die Unternehmensgruppe ein Prämiensystem, individuelle Vorbereitung auf die Berufsschule, Förderunterricht, Outdoor-Teambildung sowie zahlreiche Sozialleistungen.

Eine Akademie für den Nachwuchs

Alle elf ausgeschriebenen Lehrstellen konnte heuer auch das Unternehmen Kellner & Kunz besetzen. Damit werden aktuell rund 30 Burschen und Mädchen in fünf Berufen ausgebildet. „Begeisterungsfähigkeit, Freude an der Entwicklung und positives Denken sind uns wichtig. Die Selbstständigkeit und Verlässlichkeit der jungen Mitarbeiter werden von Anfang an gefordert und gefördert“, erklärt Andrea Erlach vom Kellner & Kunz Personalmanagement. Nach der Lehrzeit soll der Lehrling eine breite Ausbildung haben, betriebswirtschaftlich vernetzt denken können und weiter im Unternehmen beschäftigt sein. „Und wichtig: Es darf auch gelacht werden und man darf auch Mensch sein“, sagt Erlach und verweist abschließend auf die haus­eigene „Nachwuchs-Akademie“. Dort werden sehr gut und sehr breit ausgebildete Lehrlinge dann als Fachkräfte und Abteilungsleiter weiter gefördert. Und Kellner & Kunz hat mittlerweile auch zwölf Trainees der Dualen Akademie ausgebildet oder in Ausbildung. Erlach: „Die Trainees arbeiten gemeinsam mit den Lehrlingen und das gegenseitige Lernen voneinander ist auch einer der Erfolgsfaktoren.“

Lehrlinge TroGroup

Etwas weniger Glück bei der Lehrlingssuche hatte heuer die TroGroup GmbH. Zehn Lehrlinge hätte man gerne aufgenommen, vier Lehrplätze in den Bereichen Kunststoffformgebung sowie Metalltechnik mit Hauptmodul Maschinenbautechnik blieben unbesetzt. 25 Lehrlinge befinden sich aktuell dennoch in Ausbildung, ab 2022 soll deren Zahl auf bis zu 30 anwachsen. Und dafür bietet das Traditionsunternehmen einige „Zuckerl“ an. Beispielsweise Vorbereitungskurse für die Berufsschule und Lehrabschlussprüfung. Oder Teamtrainings mit externen Trainern. Außerdem können während der Lehrzeit bis zu 13.200 Euro Lehrlingsbonus zusätzlich verdient werden, nicht zuletzt soll ab Herbst 2022 das neue WJZ Walter Just Technikum als hochmodernes Ausbildungszentrum zur Verfügung stehen. „Und wir definieren und suchen schon vor dem Ende der Lehrzeit Arbeitsplätze, die der Neigung und Eignung der Lehrlinge entsprechen“, erklärt Unternehmenssprecher Thomas Mathia.

Bei Teufelberger lockt das Ausland

Fitnessstudio im Haus, Teufelberger-­Academy, Geld für Ausflüge, Prämien für gute Berufsschulleistungen, Englischkurse, ein Sportfonds oder die Möglichkeit, in manchen Bereichen ins Ausland zu gehen – die Benefits für die Lehrlinge können sich auch beim Familienunternehmen Teufelberger sehen lassen. 29 Lehrlinge werden aktuell in sechs verschiedenen technischen und kaufmännischen Lehrberufen ausgebildet, 13 von ihnen haben im heurigen Sommer ihre Lehre begonnen. Obwohl damit alle Lehrstellen besetzt werden konnten, seien – so das Unternehmen auf Anfrage – Bewerbungen jederzeit herzlich willkommen.

Arbeiten im Rotationsprinzip

Bei TGW in Marchtrenk und Wels absolvieren derzeit 177 junge Menschen ihre Ausbildung. 48 davon sind im September 2021 neu gestartet, vier Mechatronik-Stellen konnten nicht besetzt werden. TGW bildet in den Bereichen Applikationsentwicklung, Konstruktion, Elektrotechnik, Betriebslogistik, Indus­triekaufleute, Mechatronik (Schwerpunkte Automatisierung sowie Fertigungstechnik) und Metalltechnik aus. Die Nachwuchsspezialisten arbeiten im Rotationsprinzip in den Fachabteilungen und lernen verschiedene Aspekte des Berufs kennen. Zusätzlich zur Ausbildung in den Fachabteilungen bietet TGW ein vielfältiges Weiterbildungsangebot: vom Sprachkurs über Persönlichkeitsentwicklung bis hin zu Tipps für ergonomisches Arbeiten und eine gesunde Ernährung. Monatliche Leistungsprämien dienen als Anreiz für gute Performance. Darüber hinaus profitieren Lehrlinge von einer modernen Arbeitsumgebung, firmeneigenen Fitnessstudios oder preisgestützten Menüs in den Mitarbeiterrestaurants. Zudem haben volljährige Lehrlinge die Möglichkeit, Praxiserfahrung bei Kundenprojekten in ganz Europa zu sammeln.

Autor: Andreas Schmolmüller, 12.01.2022