Mit gelebten Traditionen und neuen Ideen zukunftsfit bleiben

CHEFINFO: Ihr Unternehmen ist 93 Jahre alt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Barbara Koits-Wiesmayr: Kundenservice, Beratung und Qualität zu einem guten Preis – das zieht sich wie ein roter Faden von Anfang an durch unsere Geschichte und das hält uns zukunftsfit. Es ist in der heutigen Schnelllebigkeit und dem Riesenangebot an Produkten auch ein wichtiger Pluspunkt. Hier findet gerade auch eine Rückbesinnung statt – die Leute sind bereit, für Beratung und Service wieder etwas mehr zu zahlen, weil es das sonst so nicht mehr gibt.

CHEFINFO: War für Sie immer klar, dass Sie ins Familienunternehmen einsteigen möchten?

Koits-Wiesmayr: Nein, ich wollte früher eigentlich nie in die Firma einsteigen. Ich wollte etwas anderes sehen und erleben und habe für zwei große internationale Konzerne gearbeitet. Als meine Mutter in Pension gegangen ist, hat sie mich gefragt, ob ich nicht doch ins Unternehmen kommen möchte. Und dann haben mein Bruder und ich vereinbart, die Bereiche aufzuteilen, denn jeder braucht etwas, das er selbstständig gestalten kann. Klaus kümmert sich um die Büromaschinen und den EDV-Bereich und ich habe den Papier-, Büro- und Schreibwarenbereich. Das funktioniert super. Ich habe mir das sukzessive angeeignet, und es war auch gut, dass ich durch meine vorherige Erfahrung neue Impulse von außen einbringen konnte.

CHEFINFO: War es für Sie eine große Umstellung nach der Arbeit in einem Konzern?

Koits-Wiesmayr: Die größte Herausforderung war, alles selbst entscheiden zu dürfen. Das Risiko ist natürlich viel größer, wenn man nicht mehr nur eine kleine Ameise im großen Haufen ist, sondern das Zugpferd vorne, das die Verantwortung trägt für jeden Schritt, den man setzt. Ein Beispiel sind die Schultaschen. Wir hatten vorher nur Schul- und Bürobedarf im Angebot und haben uns hier ins kalte Wasser geworfen und mit ganz geringen Stückzahlen angefangen. Und jetzt schaffen wir bald die 700. Schultasche in einer Saison. Das verdanken wir vor allem auch unserem Personal, das sich wirklich mit der Materie auskennt und die Eltern mit viel Know-how und Geduld berät.

Barbara Koits-Wiesmayr

CHEFINFO: Ihr Vater war ja am Anfang eher skeptisch …

Koits-Wiesmayr: Er ist durch das Geschäft gegangen und hat gemeint: „Barbara, überall, wo man hinschaut, nur mehr Schultaschen!“ Aber man muss Semmerl verkaufen, wenn Semmerl nachgefragt werden. Der Schulbedarf ist extrem gewachsen. Mein Vater hat dann das viele positive Feedback mitbekommen und gesehen, wie gut sich der Bereich entwickelt hat, das hat ihn überzeugt.

CHEFINFO: Geben Eltern heute für den Schulbedarf mehr Geld aus als früher?

Koits-Wiesmayr: Das Thema Gesundheit für das Kind spielt eine extrem große Rolle bei den Schultaschen. Da wird vorab auch genau recherchiert. Wir sprechen hier aber auch von teureren Modellen, die dafür aber auch ergonomisch sind, extrem viele Features haben und vor allem auch mitwachsen. Da braucht es auch viel Beratung und Know-how. Unser längster Schultascheneinkauf hat über drei Stunden gedauert.

CHEFINFO: Wie kann man sich gegen den Online-Handel durchsetzen?

Koits-Wiesmayr: Einerseits eben durch Service und Beratung. Und bei uns kann man alles ausprobieren, nicht nur die Schultaschen, sondern auch rund 50 Füllfedern. Was wir beobachten, ist, dass Eltern auch immer öfter ein Einkaufserlebnis mit ihrem Kind für den ersten Schultag haben wollen. Da gehen sie mit dem Kind und einer Verkäuferin an der Seite durch das Geschäft und die Liste wird Punkt für Punkt abgearbeitet und am Ende gibt es ein Foto vom ersten Schuleinkauf. Da kommen auch öfter einmal die Großeltern und die Patentante mit. Auch in Punkto Preisgestaltung stehen wir anderen Angeboten in nichts nach, die Arbeiterkammer hat uns letztes Jahr zum vierten Mal in Folge getestet und wir gehören in Oberösterreich zu den günstigsten beim Schuleinkauf. Das glaubt fast keiner, aber Fachhandel muss nicht teuer sein.

CHEFINFO: Gibt es in der Familie auch manchmal Konflikte, wenn es ums Unternehmen geht?

Koits-Wiesmayr: Ein Vorteil bei einem Familienunternehmen ist, wenn große Entscheidungen zu treffen sind, dann setzen wir uns alle an einen Tisch zusammen. Auch wenn man manchmal anderer Ansicht ist, findet man am Ende doch immer zusammen, weil wir alle zusammen ein gutes Team sind und jeder das Beste für das Unternehmen will. Meine Eltern sind nach wie vor in der Firma tätig und sind nicht wegzudenken. Die blicken auf sehr viel Erfahrungswerte zurück. Dieses Konstrukt aus mehreren Generationen ist einfach ein Konglomerat aus Erfahrungen und Stärken, auf dem man aufbauen kann. Ein Jungunternehmer hat oftmals niemanden an der Seite, der einem gute Ratschläge gibt und vor riskanten Situationen warnt. Aber manchmal - so wie bei den Schultaschen - muss man schon auch auf Eis gehen und schauen, ob man drauf laufen kann.

Autor: Cordula Meindl, 24.06.2021