Long Covid: Was die Spätfolgen für die Arbeitswelt bedeuten

(Long) Covid wurde in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Damit ist es auch ein Fall für die AUVA. Der Linzer Landesstellenleiter Erhard Prugger erklärt, welche Unterstützung Betriebe beantragen können.
Autor: Jessica Hirthe, 08.07.2022 um 00:00 Uhr

Die Spätfolgen einer Coronainfektion belasten viele auch noch Monate nach der Erkrankung. Die WHO schätzt, dass etwa bei jedem zehnten SARS-CoV-2-Patienten Long-Covid-Folgen auftreten können. Teils geht man mittlerweile sogar von 15 Prozent aus. Kopfschmerzen, Tinnitus, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns, chronischer Husten, Brustschmerzen, Entzündung des Herzmuskels, Durchfall, Bauch- oder Muskelschmerzen, Kurzatmigkeit, immer wieder auftretendes Fieber, Vergesslichkeit oder Depressionen – die Liste der möglichen Symptome ist lang. Derzeit arbeiten Wissenschaftler daran, herauszufinden, warum es zu Spätfolgen kommt. Am häufigsten leiden Patienten unter „Fatigue“, also Erschöpfung. Lange Krankenstände Bisher gibt es bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) rund 46.000 dokumentierte Krankenstände aufgrund von Long Covid in den vergangenen zwölf Monaten. Laut ÖGK-Arbeitnehmer- Obmann Andreas Huss beträgt die durchschnittliche Dauer der Long-Covid- Krankenstände etwa 13 Tage, teils sind Betroffene bereits sechs Monate, einige bereits über ein Jahr im Krankenstand. Huss: „Darüber hinaus waren bereits Tausende in Rehabilitation und leiden teils noch immer an den Folgen.“

Belastung für Arbeitgeber

Die Erkrankung fordert also nicht nur das Gesundheitssystem, sondern hat auch enorme Auswirkungen auf das Arbeitsleben, wenn Betroffene wochenoder gar monatelang ausfallen. Dass Covid auch als Berufskrankheit anerkannt wird, war lange nicht klar. „Mittlerweile bejahen dies 18 Mitgliedsstaaten der EU – darunter Österreich“, sagt Erhard Prugger, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Linz. „(Long) Covid fällt unter die Berufskrankheitenliste und ist für die AUVA somit ein Thema.“

Frauen häufiger betroffen

Bis März wurden laut Prugger österreichweit der AUVA 26.000 Covid- Fälle gemeldet – das sind 70 Prozent aller anerkannten Berufskrankheiten. Bei 25 Prozent der Fälle handelt es sich um Long Covid, wovon 10 Prozent als schwerwiegend eingestuft wurden. Der Frauenanteil liegt bei über 75 Prozent, der überwiegende Teil stammt aus Gesundheits- und Sozialberufen. Eine Long-Covid-Erkrankung ist ein Fall für die AUVA, wenn sie beruflich verursacht wurde. Das heißt: „Wenn die Arbeit in Bereichen mit extrem hoher Virusbelastung (z. B. Covid-Stationen) oder mit Menschen, die sich nicht ausreichend schützen können, stattfindet. Dazu zählen Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen, aber auch Kindergärten“, so Prugger.

Zuschuss zur Entgeltfortzahlung

Die vielen Corona-Krankenstände belasten die Unternehmen personell und finanziell. Denn wie bei jeder anderen Krankheit gilt: Der Mitarbeiter behält zunächst seinen Anspruch auf Entgelt gegenüber dem Arbeitgeber für einen von der Dauer des Dienstverhältnisses abhängigen Zeitraum – bis zu maximal zwölf Wochen auf das volle Entgelt, weitere vier Wochen auf das halbe Entgelt. Arbeitgeber, die bis zu 50 Arbeitnehmer beschäftigen, können im Fall längerer Krankenstände – mit denen bei Long Covid zu rechnen ist – ab dem elften Krankheitstag einen 50-prozentigen Zuschuss zur Entgeltfortzahlung bei der AUVA beantragen. Betriebe mit bis zehn Mitarbeiter erhalten sogar 75 Prozent.

Ist Kündigung zulässig?

Grundsätzlich kann Arbeitnehmern auch während eines Krankenstands gekündigt werden. Zu beachten ist dabei, dass der Anspruch auf Entgeltfortzahlung jedenfalls für die gesetzliche Dauer aufrechtbleibt, selbst wenn das Arbeitsverhältnis bereits früher endet. Daran ändert auch der Corona-General-Kollektivvertrag nichts. Demnach dürfen Mitarbeiter aufgrund eines positiven Covid-19-Testergebnisses nicht gekündigt werden. Der zeitliche Zusammenhang zwischen Test und Kündigung fällt jedoch bei Long Covid und der nicht abzuschätzenden Dauer der Arbeitsunfähigkeit weg.

Ambulante Betreuung

Seit Anfang 2021 werden Betroffene in der AUVA-Rehaklinik Tobelbad in dreibis vierwöchigen Aufenthalten stationär behandelt. Prugger: „Bisher wurden 7.000 Fälle mit dem Ziel vidiert, die Personen wieder arbeitsfähig zu machen.“ Außerdem gibt es eine „Ambulanzdrehscheibe Covid 19“: AUVA-Gesundheitspädagogen beraten bei beruflich verursachter Covid-Erkrankung.