„Es braucht Dienstleistungsgedanken“

Befeuert die Bürokratie den Fachkräftemangel? Helmut Herzog, CEO, und Roland Fürst, CFO von Hofmann Personal, kennen die Hürden, haben aber auch Lösungen anzubieten.
Autor: Jürgen Philipp, 18.01.2023 um 16:28 Uhr

CHEFINFO: Wo drückt in der Zeitarbeitsbranche in puncto Bürokratie der Schuh?
Helmut Herzog: Eindeutig beim Thema Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Die dürfen wir als Zeitarbeitsnehmer nicht einsetzen, auch keine Ukrainer. In Deutschland dürfen sie das und so kommen viel mehr Menschen schneller in Arbeit. Unsere Branche ist es gewohnt, den sehr komplizierten Ausländerbeschäftigungsprozess zu managen, daher wären wir auch viel schneller. Warum darf ein normales Unternehmen um eine Arbeitsbewilligung ansuchen und wir nicht, obwohl wir die Expertise haben? Zudem dauert es zu lange, um die Aufenthaltstitel zu verlängern. Das bringt uns in Situationen, wo wir den Vertrag eines Mitarbeiters auflösen müssen, weil die Verlängerung so lange dauert, obwohl diese Arbeitskraft einen Job hätte. 

Sie haben die Vergleiche zu anderen Staaten. Was ist das größte Defizit in Österreich?
Roland Fürst: Die Schwierigkeit ist nicht, dass die Bürokratie mehr wird, sondern wie die öffentliche Verwaltung sie umsetzt, da hat Österreich ein riesiges Defizit. In der Schweiz ist die öffentliche Verwaltung ähnlich wie ein Unternehmen organisiert. Unser Steuersystem hingegen ist unattraktiv, auch wird man in Behörden oft im Kreis geschickt, sprich, es ist fallweise frustrierend. Eine schlagkräftige Verwaltung braucht einen Dienstleistungsgedanken. Behörden sollten auch die Möglichkeit haben, unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu handeln. Oftmals ist das Ergebnis eines behördlichen Verfahrens geringer als der Aufwand bzw. die Kosten des Prozesses.

Warum darf ein normales Unternehmen um eine Arbeitsbewilligung ansuchen und wir nicht, obwohl wir die Expertise haben?

Herzog: Auch in Deutschland gibt es Schmerzen in puncto Bürokratie. Dort haben Zeitarbeitsunternehmen sogar mehr Bürokratie als wir in Österreich, vor allem beim Arbeits- und Gesundheitsschutz. Bei uns liegt das größtenteils beim Beschäftiger, in Deutschland beim Überlasser. Der hat damit viel mehr Arbeit.

Wie kann man das effizienter gestalten?
Herzog: Man muss weiter die Digitalisierung vorantreiben, wenngleich es der Datenschutz in unserem Business nicht leicht macht. Früher habe ich mir einen Lebenslauf schon mal zehn Jahre aufgehoben, jetzt muss ich ihn löschen. Das ist aber ein DSGVO-Thema, also ein europäisches. Wir hatten im Unternehmen einen Workshop unter dem Motto „Painful Day“. Da muss man sich genau anschauen, ob ein Prozess noch funktioniert, und wenn nicht, wird er ersetzt. 
Fürst: Die vielen „typisch österreichischen Lösungen“ machen es auch den Behörden schwer. Man erinnert sich noch, als in der Gastronomie Raucherbereiche mit Glaswänden um viel Geld errichtet wurden, die dann kurze Zeit später obsolet waren. Würde man so eine Firma führen, würde es die nicht sehr lange geben.