Der Fotograf Robert Hartlauer: Mehr als ein Hobby

CHEFINFO: Wie sind Sie zum Fotografieren gekommen?

Robert F. Hartlauer: Meine Eltern waren beide Pressefotografen – meine Mutter ist sogar Fotografenmeisterin. Da sie ursprünglich aus Kärnten stammt und mein Vater aus Steyr, war die Fotografie sogar jene Brücke, die sie zusammengebracht hat. Ich bin also mit der Kamera in der Hand aufgewachsen.

CHEFINFO: Was fasziniert Sie daran?

Hartlauer: Von Anfang an hat mich fasziniert, wie ein Bild entsteht. Wie ein Bild in der Dunkelkammer langsam sichtbar wird und man es anschließend fixiert, wäscht, Negative schneidet, Bilder trocknet; die Handgriffe meiner Mutter, die das „Abwedeln“ perfekt mit der Hand beherrscht und mit einer gewaltigen Routine und Geschwindigkeit Bilder­negative vergrößert hat. Heute fasziniert mich an der Fotografie vor allem, dass man in dieser teilweise sehr schnellen Zeit Eindrücke festhalten kann und man sich über die Fotografie auch zwingt, Dinge genau zu beobachten.

CHEFINFO: Was war Ihre erste Kamera?

Hartlauer: Ich hatte meine erste Kamera mit drei oder vier Jahren, das war eine stoßfeste Unterwasser-Fuji-Kamera. Mit sieben oder acht Jahren habe ich meine erste Spiegelreflexkamera bekommen. Das war eine Minolta XG1 mit Wechselobjektiven. Außerdem lag unser privates Wohnhaus neben dem Zentrallager und dort gab es eine große Dunkelkammer. Für uns Kinder hieß es entweder eine halbe Stunde in der Dunkelkammer mithelfen oder eine halbe Stunde im Lager spielen.

CHEFINFO: Mit welcher Kamera fotografieren Sie aktuell am liebsten?

Hartlauer: Momentan zähle ich zu meinen Lieblingskameras: die Alpha 9, die Fuji X-Pro3, die Smartphone-Kamera des Samsung Fold 2 und die Sony RX1R.

CHEFINFO: Wie viele Kameras besitzen Sie?

Hartlauer: Ich weiß es nicht genau, ich habe unzählige – historische Geräte, alte Leicas, teilweise aktuelle, teilweise aus der Mode gekommene Kameras. Es sind sicherlich mehr als 200.

CHEFINFO: Grob geschätzt: Wie viele Fotos machen Sie pro Woche?

Hartlauer: Ich denke, im Schnitt der vergangenen zehn Jahre komme ich täglich auf ca. 100 Bilder, also ca. 700 Bilder pro Woche.

Zitat Robert F. Hartlauer

CHEFINFO: Welche Art von Fotomotiven fotografieren Sie am liebsten?

Hartlauer: Am allerliebsten fotografiere ich meine Frau, gefolgt von Familien und Reportagen. Gelegentlich versuche ich mich auch als Landschaftsfotograf. Ein kleines Hobby von mir ist es auch, Städte, die ich besuche, fotografisch auf eine andere Art festzuhalten.

CHEFINFO: Welche Fotografen inspirieren Sie?

Hartlauer: Im Aktbereich Helmut Newton, in der Reportage ist mein klares Vorbild mein Vater Franz Josef Hartlauer.

CHEFINFO: Haben Sie von Anfang an geahnt, dass die digitale Fotografie einen derartigen Boom erleben wird?

Hartlauer: Das war für mich tatsächlich von Anfang an klar. Ich konnte Anfang der 1990er die Canon ION probieren und hatte dann die erste wirklich verkaufs­fähige und konsumententaugliche Olympus Camedia C-200 mit 200.000-Pixel (0,2 Megapixel)-Speicher und einem fix eingebauten Speicher von 4 MB für 20 Bilder. Allerdings konnte man nicht alle 20 Bilder mit einer Akkuladung fotografieren, sondern musste dazwischen den Akku wechseln. Und sie hatte nicht mal ein Display. Ab der Jahrtausendwende habe ich nur noch digital fotografiert. Es hat mich fasziniert, dass ich Bilder so komfortabel bearbeiten oder einfach elektronisch weiterversenden kann. Anfangs waren digitale Kameras qualitativ nicht so gut wie analoge. Heute kann man ganz klar sagen, dass die Digitalkameras eine wesentlich bessere Bildqualität abgeben, als das selbst bei den besten Analogkameras der Fall war. 

CHEFINFO: Was war Ihre Motivation, die Foto­galerie am Pöstlingberg zu eröffnen?

Hartlauer: Genau das: Ich spürte in der Gesellschaft, dass die Fotografie durch  das Smartphone und die Einfachheit der Bedienung immer mehr ins Zentrum gerückt ist, dass Social-Media-Plattformen stark von Bildern geprägt sind. Ich denke, Fotografie ist der Bereich der Kunst, der gerade für Jugendliche der Einstieg in die Kunstwelt sein kann. Und ich habe die richtige Person für die Umsetzung kennengelernt: Chris Hinter­obermaier, der den weltgrößten Fotowettbewerb, den „Trierenberg Super Circuit“, organisiert hat. Hier in Linz habe ich dann auch noch die perfekte Location für eine Innen- und Außenfoto­galerie gefunden.

CHEFINFO: Wie schwer hat die aktuelle Krise die Fotografie-Szene getroffen?

Hartlauer: Die gesamte Fotobranche leidet unter der Corona-Krise, da natürlich Fotografie für viele entweder mit großen Festen oder großen Reisen verbunden ist. Auch ein Reportage-Fotograf tut sich schwer, schöne Bilder von Menschen zu machen, wenn diese ständig einen Abstand von 1,5 Metern halten müssen und dabei Masken im Gesicht tragen.

Autor: Cordula Meindl, 01.02.2021