Mala Frank: "Ich gehe meinen Weg"
Inhalt
- Alles selbst in der Hand
- Vertrauen ins eigene Gefühl
- Wenn aus Gefühl ein Song wird
- Was Erfolg wirklich bedeutet
"Was ich nicht sage, singe ich": Sängerin Mala Frank stellt musikalisch vieles neu auf. Im Interview spricht die Independent-Künstlerin über Haltung, Verletzlichkeit, künstlerische Eigenständigkeit und ihren ganz persönlichen Maßstab für ein gelungenes Leben.
Mit deiner aktuellen Single beginnt für dich auch ein neues Kapitel.
Mala Frank: Ja, zum ersten Mal habe ich einen Song umgesetzt, ohne einen zusätzlichen Produzenten zu engagieren. Da ist auch so ziemlich alles schiefgegangen, das schiefgehen kann. Aber manchmal ist es halt besser, etwas unperfekt zu veröffentlichen, als gar nichts. Mein Studio ist bald fertig ausgestattet. „Damit du mich retten kannst“ kann man als neues Kapitel betrachten.
Alles selbst in der Hand
So viel selbst zu machen, hat aber auch seine Kehrseite …
Mala Frank: Ja, natürlich ist das belastend. Wenn ich etwas nicht mache, macht es halt keiner. Auf der anderen Seite ist es auch ein schönes Freiheitsgefühl. Ich muss mich nicht darüber ärgern, dass jemand etwas nicht ordentlich macht, und werde nicht in etwas hineingezwungen. 80 % der Arbeitsschritte sieht und ahnt niemand. Aber ich habe mir das ausgesucht. Taylor Swift hat einmal sinngemäß gesagt, man müsse Musik so sehr lieben, dass es einem wert ist, die meiste Zeit Arbeit zu leisten, die überhaupt nichts mit Musik zu tun hat. Das unterschreibe ich sofort. Seit ich meine eigene Musik selbstständig veröffentliche, habe ich paradoxerweise noch nie weniger Zeit mit Singen verbracht. Aber dafür entsteht etwas ganz Besonderes, Großes, das mir viel bedeutet und für immer bleibt.
Vertrauen ins eigene Gefühl
Von vermeintlichen Erfolgsrezepten hast du dich also verabschiedet?
Mala Frank: Ich dachte lange, alle anderen sind die Profis und wissen besser, was richtig ist, und habe zu wenig auf mich gehört. Tiefgründigere Gedanken und Formulierungen galten schnell als zu kompliziert. Sogar ein Lied mit „Und“ zu beginnen, wurde kritisiert. Heute vertraue ich mir selbst viel stärker. Ich möchte Sprache nicht kleiner machen, nur damit sie in ein bestimmtes Schema passt.
Heißt das, dass du heute weniger auf Meinungen von außen hörst?
Mala Frank: Nein, überhaupt nicht. Ich liebe Input. Zwei Gehirne sind mehr als eins und vier Augen mehr als zwei. Ich habe nur gelernt, dass am Ende mein Bauchgefühl, meine geschmackliche Präferenz und mein Wille entscheiden dürfen. Kritik nehme ich sehr ernst, weil man fast immer etwas daraus lernen kann. Selbst wenn ich am Ende sage: Nein, für mich ist es trotzdem anders richtig.
Der Text steht für dich in deinen Songs ganz oben. Warum eigentlich?
Mala Frank: Weil ein Song für mich eine Geschichte erzählt. Die Musik unterstreicht sie emotional, sodass man sie noch besser erzählen kann.
Du schreibst auf Deutsch und Englisch. Fühlt sich eine Sprache näher an?
Mala Frank: Eigentlich nicht. Mir fällt beides gleich leicht und ich schreibe in beiden Sprachen gerne. Es war eine bewusste Entscheidung, von Beginn an beides zu zeigen, damit meine Hörer nicht später einen Wechsel unangenehm komisch fänden und ich mir diese Freiheit auch in Zukunft lassen kann. Bei „Damit du mich retten kannst“ hat es sich einfach ergeben. Ich habe Schmyts Song gehört und mein Gehirn hat plötzlich eine Antwort fabriziert. Ich musste das einfach machen.
Wenn aus Gefühl ein Song wird
Die Idee zu „Damit du mich retten kannst“ entstand durch Schmyts „Ich wünschte, du wärst verloren“ …
Mala Frank: Darin singt ein Mann von einer Frau, die sich ihm entzieht. Beim Hören habe ich eine mögliche andere Seite gefühlt: Was, wenn sie ihn sehr wohl liebt, aber Abstand hält, weil sie so sehr verletzt wurde, dass sie Angst hat, noch einmal daran zu zerbrechen? Diese Perspektive erzähle ich. Das ist mir zuhause am Sofa sehr spontan passiert.
Musik ist für dich …
Mala Frank: … mein Leben und mein Ventil. Sobald ich singe, gibt es kaum noch eine Barriere. Dinge, über die ich nicht unbedingt sprechen würde, kann ich in einem Lied leichter ausdrücken. Danach fühlt es sich an, als hätte ich etwas losgelassen und könnte wieder freier atmen. So war es für mich schon immer.
Könntest du dir vorstellen, deine Songs auch anderen Künstlern zu geben?
Mala Frank: Darüber habe ich natürlich schon nachgedacht. Meine eigenen Songs sind aber fast immer sehr persönlich, deshalb würde es sich für mich seltsam anfühlen, sie jemand anderem zu geben. Gezielt für jemanden zu schreiben, kann ich mir dagegen sehr gut vorstellen und habe das zum Beispiel für Jingles auch schon gemacht. Im Moment liegt mein Fokus aber auf meinen eigenen Songs. Jede eigene Veröffentlichung ist eine Erfüllung für mich.
Was Erfolg wirklich bedeutet
Was bedeutet dir das Singen vor Publikum?
Mala Frank: Ich habe früher ständig live gesungen, jahrelang, mehrmals die Woche. Ironischerweise mit meinem eigenen Projekt jetzt so gut wie gar nicht. Wenn Menschen mitfühlen, meine Texte kennen und mitsingen, sind das natürlich sehr besondere Momente. Gleichzeitig bin ich da recht simpel gestrickt: Ich bin glücklich, wenn meine Musik veröffentlicht und gehört wird, aber genauso, wenn ich damit auf einer Bühne stehe. Ich habe kein zwingendes Verlangen nach Publikum in 3D. Meine introvertierte und meine extrovertierte Seite sind sich bei dem Thema nicht ganz einig. Wenn so viele Menschen meine Musik live erleben wollen, dass die Reichweite die Organisation dafür möglich macht, freue ich mich absolut darauf, wieder ordentlich auf der Bühne zu stehen – und dann genieße ich es auch in vollem Maße.
Wie definierst du Erfolg?
Mala Frank: Für mich heißt das, glücklich zu sein und Musik machen zu können. Natürlich möchte ich genug Menschen erreichen, damit ich häufiger veröffentlichen kann. Ich habe Hunderte Songs geschrieben. Großartig wäre, wenn viel mehr davon auch raus dürften. Das mag jetzt kitschig klingen, aber ich bin kitschig: Ich brauche Musik wie die Luft zum Atmen. So habe ich es schon als Teenager gesagt und so wird es auch immer bleiben. Solange mir das niemand nimmt, habe ich ein erfülltes, glückliches und für mich erfolgreiches Leben. Alles andere ist Bonus.
Starke Stimme. Mala Frank ist Sängerin, Songwriterin und Independent-Künstlerin. Sie schreibt Songs auf Deutsch und Englisch, produziert ihre Musik, ihre Videos, und betreibt ihr eigenes Label. Persönliche Geschichten und starke Emotionen prägen ihren künstlerischen Stil. Mehr von Malas Musik auf ihrer Webseite.
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