Leitbetriebe Austria: Führung unter Druck
Inhalt
- Führung unter Zeitdruck
- Vertrauen und Eigenverantwortung
- Was Unternehmen und Militär voneinander lernen
- Unterschiedliche Systeme, ähnliche Fragen
Im Heeresgeschichtlichen Museum trafen zwei Führungswelten aufeinander, deren Strukturen unterschiedlicher kaum sein könnten. Bei „Wirtschaft trifft Militär – Leadership zwischen Ordnung, Entscheidungen und Flexibilität“ diskutierten Vertreter aus Unternehmen und Bundesheer darüber, was moderne Führung heute leisten muss. Eingeladen hatten Leitbetriebe Austria und das Bundesministerium für Landesverteidigung.
Führung unter Zeitdruck
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner verwies in ihrem Impuls auf Gemeinsamkeiten zwischen Militär und Wirtschaft. Beide müssten mit begrenzten Ressourcen umgehen, rasch Entscheidungen treffen und auch auf unvorhersehbare Situationen reagieren können.
Eine zentrale Rolle spiele dabei Resilienz. Führungskräfte müssten Verantwortung übernehmen und gleichzeitig handlungsfähig bleiben. Möglichkeiten für einen stärkeren Austausch zwischen Wirtschaft und Bundesheer sieht Tanner etwa bei Ausbildung, Personalentwicklung, Logistik und Organisation.
Militärisches Wissen zivil nutzbar zu machen heißt nicht, Grenzen zu verwischen, sondern Kompetenzen zu teilen.
Vertrauen und Eigenverantwortung
Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, rückte den Wandel der Arbeitswelt in den Mittelpunkt. Führung müsse Orientierung bieten, dürfe dabei aber die Eigenverantwortung der Mitarbeiter nicht einschränken.
Gerade bei schnellen Veränderungen brauche es Menschen, die Entscheidungen nicht nur treffen können, sondern auch treffen wollen. Voraussetzung dafür seien klare Rahmenbedingungen, Vertrauen und ausreichend Handlungsspielraum.
Was Unternehmen und Militär voneinander lernen
Wie unterschiedlich Führung in der Praxis aussehen kann, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion. Thomas Rathammer von Softcom Consulting sprach sich für Authentizität und Transparenz aus. Regina Mittermayer-Knopf von Loomis Österreich betonte Vertrauen und Eigenverantwortung, Christian Prinz von Hoerbiger Wien wiederum eine Führung auf Augenhöhe und eine offene Fehlerkultur.
Auch die Vertreter des Bundesheers griffen diese Themen auf. Generalmajor i.R. Karl Pronhagl spannte den Bogen von klassischen Führungsprinzipien bis zum lebenslangen Lernen. Generalmajor Wolfgang Schweighofer thematisierte die wachsende Rolle künstlicher Intelligenz. KI könne Entscheidungen unterstützen, die Letztverantwortung müsse jedoch beim Menschen bleiben.
Oberstleutnant Christoph Göd zeigte schließlich, dass auch innerhalb klar definierter militärischer Befehlsketten Entscheidungsspielräume bestehen. Entscheidend seien dabei ebenfalls Feedback und der konstruktive Umgang mit Fehlern.
Unterschiedliche Systeme, ähnliche Fragen
Am Ende zeigte sich: Unternehmen und Bundesheer arbeiten zwar mit unterschiedlichen Hierarchien und Entscheidungswegen, stehen bei Führung aber vor ähnlichen Fragen. Wie viel Orientierung braucht es? Wie viel Freiheit ist möglich? Und wie bleiben Menschen auch dann entscheidungsfähig, wenn Zeit und Ressourcen knapp werden?
Während das Bundesheer auf klar definierte Verantwortlichkeiten und eingeübte Abläufe setzt, bringt die Wirtschaft Erfahrungen mit flacheren Hierarchien und selbstorganisierten Teams ein. Der gemeinsame Nenner bleibt die Fähigkeit, Verantwortung zu übertragen und gleichzeitig Richtung vorzugeben.