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Invasive Gräser entlang einer Bundesstraße | Credit: VP Linz
VP Linz

Wenn die Pollen tollen: Invasive Pflanzen bringen Allergiker ans Limit

17.03.2026 um 15:26, Weekend Online
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Ärzte warnen vor einer erheblichen Mehrbelastung für Betroffene durch Neophyten. Die Linzer VP fordert gezielte Maßnahmen zur Eindämmung im Stadtgebiet.

Die Ausbreitung invasiver Pflanzenarten wie Ambrosia (Ragweed), Gemeiner Beifuß und des Götterbaums sorgt zunehmend für gesundheitliche Probleme bei Allergikern. Die Linzer Volkspartei warnt daher vor einer deutlichen Verlängerung und Verschärfung der Allergiesaison durch den unkontrollierten Wildwuchs dieser sogenannten Neophyten und fordert von der zuständigen Stadträtin Eva Schobesberger gezielte Maßnahmen zur Eindämmung.

Stadt Linz ist gefordert 

„Für immer mehr Menschen wird die Pollensaison zur Dauerbelastung. Wenn invasive Pflanzen wie Ambrosia oder der Götterbaum sich ungehindert ausbreiten, verlängert sich die Allergiesaison und die Belastung steigt deutlich an. Hier braucht es ein konsequentes Management durch die Stadt“, betont Klubobfrau Michael Sommer.

Besonders problematisch sei, dass diese Pflanzenarten von den zunehmend warmen Temperaturen in Städten stark profitieren und sich daher rasch ausbreiten. Die Auswirkungen sind bereits messbar: Aktuelle Auswertungen der Medizinischen Universität Wien zeigen, dass etwa im Vorjahr in der Luft erstmals mehr Pollen des Götterbaums als von Gräsern gefunden wurden – und das mitten in der klassischen Hauptsaison der Gräserblüte.

Allergierisiko durch invasive Pflanzen steigt 

Der Götterbaum galt lange als robuste Stadtpflanze, weil er Hitze und Trockenheit gut verträgt. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass er sich besonders in urbanen Räumen rasant ausbreitet und sein Pollen zunehmend Allergien auslösen kann.

„Aus medizinischer Sicht beobachten wir seit Jahren, dass sich das Allergiespektrum verändert. Neue Allergene kommen hinzu und verlängern die Saison. Gerade invasive Pflanzen wie Ambrosia oder der Götterbaum können für Betroffene eine erhebliche zusätzliche Belastung darstellen“, erklärt Primar Dr. Werner Saxinger, Abteilungsleiter Dermatologie am Klinikum Wels-Grieskirchen.

Studien zeigen, dass in China – der ursprünglichen Heimat des Götterbaums – rund 30 Prozent der Pollenallergiker auf diese Pflanze sensibilisiert sind. Untersuchungen aus Deutschland zeigen sogar eine Sensibilisierungsrate von etwa 40 Prozent unter Allergikerinnen und Allergikern. Auch in Österreich zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab.

Linzer VP fordert gezielte Maßnahmen der Stadt 

Die Linzer Volkspartei fordert daher von der zuständigen Stadträtin Eva Schobesberger ein konsequentes Vorgehen gegen allergierelevante Neophyten in Linz. „Es geht nicht darum, Stadtgrün zu bekämpfen, sondern darum, problematische Arten frühzeitig zu erkennen und ihre Ausbreitung zu verhindern. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das Problem in wenigen Jahren deutlich größer sein“, so Sommer.

Die Linzer VP fordert daher konkret: 

  • Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtgärtenservice, damit problematische Pflanzenarten frühzeitig erkannt werden
  • Veröffentlichung umfassender Informationen zur Bestimmung und Beseitigung invasiver Pflanzen sowie zu Meldemöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger – etwa über eine Hotline oder eine spezielle E-Mail-Adresse nach dem Vorbild der Stadt Graz
  • Konsequente Grünraumpflege, um das Aussamen und die Verbreitung dieser Pflanzen zu verhindern – etwa durch rechtzeitiges Mähen vor der Blüte
  • Ein angepasstes lokales Management, damit sich invasive Pflanzen nicht innerhalb weniger Jahre massiv ausbreiten
  • Einen besonderen Fokus auf Pflanzen mit hoher Relevanz für Allergikerinnen und Allergiker, insbesondere Ambrosia und den Götterbaum

Prävention statt späterer Bekämpfung 

Aus Sicht der Linzer Volkspartei ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein gezieltes Management dieser Pflanzenarten. „Die Erfahrung aus anderen Städten zeigt: Wenn man früh reagiert, lässt sich die Ausbreitung invasiver Pflanzen noch gut kontrollieren. Wartet man zu lange, entstehen enorme Kosten und Belastungen für die Bevölkerung“, betont Saxinger.

„Gerade für Allergikerinnen und Allergiker ist jede zusätzliche Pollenquelle ein ernstes Problem. Deshalb braucht es jetzt ein koordiniertes Vorgehen der Stadt Linz, damit sich diese Pflanzen nicht weiter unkontrolliert ausbreiten“, setzt Sommer nach.

Schädlicher als Naturkatastrophen 

Weltweit verursachten invasive Arten (Tiere und Pflanzen), laut dem Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien, zwischen 1980 und 2019 einen Schaden in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar (standardisiert auf US-Dollar 2020). Übertroffen wurden diese Schäden nur durch jene von Stürmen, die in diesem Zeitraum 1,9 Billionen US-Dollar betrugen. Dafür liegen die wirtschaftlichen Verluste durch invasive Arten über jenen durch Erdbeben und Überflutungen mit jeweils 1,1 Billionen US-Dollar und sind um ein Vielfaches höher als die Schäden durch Dürren, Waldbrände und andere Naturkatastrophen.

Eine 2012 veröffentlichte Studie schätzt die direkt durch Ragweed in Deutschland verursachten Kosten auf mindestens 827 Mio. Euro jährlich, etwa durch die Behandlungen der Allergiker bzw. durch deren krankheitsbedingte Fehlzeiten. Da Ragweed in Österreich häufiger ist und sich die Art in den vergangenen zehn Jahren deutlich ausgebreitet hat, lässt sich, laut Experten, abschätzen, dass die Kosten für Österreich durch diese Art im Minimum bei etwa 80 Mio. Euro jährlich liegen.

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