Gewalt an Frauen und Kindern: Femizide nur die Spitze des Eisbergs

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes OÖ unterstützt die weltweite Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ von 25. November bis 10. Dezember – dem internationalen Tag der Menschenrechte. Diese soll auf das Ausmaß und die verschiedenen Ausprägungen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam machen und das Tabuthema verstärkt in den Fokus rücken.

Kinder häufig mitbetroffen

Jede fünfte Frau in Österreich erleidet körperliche, psychische und/oder sexuelle Gewalt. In 70 Prozent der Fälle werden nicht nur Frauen, sondern auch ihre Kinder misshandelt. Viel zu oft sind die Kleinen aber auch stumme Zeugen von häuslicher Gewalt. „Jedes vierte Kind in Oberösterreich unter fünf Jahren lebt mit einer Mutter, der Gewalt widerfährt“, so die Kinder- und Jugendanwältin des Landes OÖ Christine Winkler-Kirchberger. Sie ruft zu einer umfassenden Kinderschutzstrategie auf und weist darauf hin, dass die psychischen und körperlichen Folgen von Gewalt oft bis in Erwachsenenalter wirken. Wer als Kind Gewalt erfahren hat, brauche später häufig professionelle Hilfe und Begleitung. Beobachtete Gewalt in der Kindheit erhöhe für Mädchen zudem die Gefahr später selbst Opfer von Gewalt durch ihren Partner zu werden.

KiJA OÖ fordert mehr Unterstützungsangebote

„Mehr als 30 Jahre lang gibt es bereits ein gesetzliches Gewaltverbot gegen Kinder, dennoch ist die Familie für viele Kinder noch immer kein sicherer Ort“, macht die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes OÖ (KiJA OÖ) aufmerksam und betont: „Gewalt durch die engsten Bezugspersonen, die eigentlich für den Schutz des Kindes verwantwortlich wären, wirken besonders traumatisierend. Deshalb tritt die KiJA OÖ für eine Bündelung von staatlichen Maßnahmen und Ressourcen ein, um die Gesellschaft für die unterschiedlichen Formen von Gewalt zu sensibilisieren und das gesetzliche Gewaltverbot, sowie das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung bekannter zu machen. Darüber hinaus brauche es kontinuierliche, zielgruppengerechte und vor allem niederschwellige Unterstützungsangebote.

Ansätze

Als mögliche Ansätze nennt die KiJA OÖ die Etablierung von „Frühen Hilfen“, Familienberatungsangebote auch mit interkulturellen Zugängen und der Ausbau von Beratungs- und Schutzeinrichtungen für Frauen und Mädchen. Im schulischen Bereich seien außerdem die Verankerung von Sozialem Lernen, Konfliktmanagement und Medienkompetenz sowie ausreichende Ressourcen für schulische Unterstützungssysteme, insbesondere der Schulsozialarbeit, erforderlich.

Gewaltpräventionsprojekt

Mit dem Kooperationsprojekt „Hinter der Fassade“ der KiJA OÖ und dem Gewaltschutzzentrum OÖ steht ein umfangreiches Online-Informationsangebot für junge Menschen ab 14 Jahren zur Verfügung. Das darauf abgestimmte Workshop-Konzept gibt Pädagogen ein Werkzeug an die Hand, um mit Jugendlichen häusliche Gewalt zu thematisieren, über Kinderrechte und Hilfsnagebote zu informieren und dazu beizutragen, Jugendliche „stark zu machen“.
Infos finden Sie unter: www.hinter-der-fassade.at

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ bietet Hilfe in Form von vertraulicher und kostenloser Beratung, auf Wunsch anonym. Zusätzlich bietet die KiJA ein breites Spektrum an Informationsmaterialien und Tipps, die auch online kostenlos zum Download bereitstehen: www.kija-ooe.at

Beratungsstellen OÖ - Kontakte

Polizeitnotruf: 133

Frauenhelpline: 0800 / 222 555

Frauenhaus Linz: 0732 / 60 67 00, office@frauenhaus-linz.at

Gewaltschutzzentrum OÖ: 0732 / 60 77 60, ooe@gewaltschutzzentrum.at

Autonomes Frauenzentrum Linz: 0732 / 60 22 00, hallo@frauenzentrum.at

Familienzentrum Pichling: 0732 / 32 00 71

Autor: Conny Engl, 22.11.2021