Neusiedler See immer trockener: Alarmstimmung bei Betrieben
- Historischer Tiefstand droht: Nur noch drei Zentimeter Puffer
- Schlamm und seichtes Wasser: Boote sitzen in den Häfen fest
- Einbußen für die Wirtschaft: Sorge vor der nächsten Saison
- Schilfschneiden und Schlammabsaugen: Gegenmaßnahmen im Lauf
Am Neusiedler See schlagen zahlreiche Betriebe und Wassersportdienstleister Alarm: Der Wasserpegel des Steppensees sinkt nach den heißen Sommermonaten drastisch und bewegt sich ungebremst auf einen historischen Tiefstand zu. Derzeit trennen den See nur noch drei Zentimeter von der bisherigen Rekordmarke aus dem Dürrejahr 2022. Die Folgen für Tourismus, Handwerk und Region sind bereits jetzt spürbar.
Historischer Tiefstand droht: Nur noch drei Zentimeter Puffer
Obwohl das Jahr 2026 für den Neusiedler See zu Beginn noch mit deutlich höheren Wasserständen als in den Vorjahren gestartet war, hat die anhaltende Sommerhitze und Trockenheit die Situation dramatisch gewendet. Über die heißen Monate hinweg zog sich das Wasser kontinuierlich zurück.
Aktuell liegt der Pegel nur noch knapp über dem Tiefstwert des Jahres 2022. Während sich der See damals nur langsam erholte, befürchten Anrainer und Betreiber nun erneut ein katastrophales Abfallen des Wasserstands mit nachhaltigen Schäden für das Ökosystem und die regionale Wirtschaft.
Schlamm und seichtes Wasser: Boote sitzen in den Häfen fest
Besonders deutlich wird die Seichtheit des Gewässers beim traditionellen Auskranen der Segel- und Elektroboote am Ende der Sommersaison. In der Ruster Bucht gestaltet sich das Herauseben der Boote extrem schwierig: Trotz vorausgegangener Ausbaggerungen treffen die Bootsbesitzer vor dem Krangelände auf eine massive Schlammschicht.
Laut ortsansässigen Yacht- und Bootsbetrieben sind bereits knapp 80 Prozent der zu kranenden Boote im Schlamm aufgesessen, wie der ORF Burgenland berichtet. Durch das flache Wasser und die Hitze blieb der Segelsport im Sommer weitgehend auf der Strecke, wodurch auch Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten für Dienstleister ausblieben.
Einbußen für die Wirtschaft: Sorge vor der nächsten Saison
Die wirtschaftlichen Auswirkungen treffen keineswegs nur den Wassersport. In Weiden am See berichten Handwerker und Bootselektriker dem ORF von drastischen Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent. Viele Kunden wichen – wie bereits 2022 – auf den ungarischen Plattensee (Balaton) aus.
Die Sorge vor dem kommenden Jahr ist groß. Vom Tourismus über die Gastronomie und Fischerei bis hin zum lokalen Lebensmittelhandel hängen zahlreiche Branchen direkt oder indirekt am Schicksal des Neusiedler Sees. Ohne signifikante Niederschläge droht der Wassersport in gewohnter Form im nächsten Jahr komplett zum Erliegen zu kommen.
Schilfschneiden und Schlammabsaugen: Gegenmaßnahmen im Lauf
Um das verbleibende Wasser im See zu halten und Verlandungsprozessen entgegenzuwirken, setzt die Seemanagement GmbH auf verstärkte Gegenmaßnahmen. Unter anderem wird altes Knick- und Bruchschilf – etwa bei Purbach – mit Spezialmaschinen geschnitten, da abgestorbenes Schilf wertvolles Wasser wie ein Schwamm bindet und zu weiterem Schlamm verrottet.
Zudem starten Ende Oktober die Arbeiten zum gezielten Schlammabsaugen in den Häfen und Zufahrten von 14 Seegemeinden. In Weiden am See entsteht derzeit das bereits sechste Schlamm-Absetzbecken der Region. Dennoch fordern viele Beteiligte weitergehende Befugnisse wie das kontrollierte Abbrennen von Schilfflächen, wofür bislang jedoch die behördliche Genehmigung fehlt.