Kampf gegen Verbot von Automatenverkauf und Mut für neue Wege!
Der Sommer ist im Gange und das Donauinselfest 2026 in Wien längst gelaufen. Dort waren an einem Wochenende rund 3 Millionen Menschen und bei den Abendkonzerten zum Großteil jüngeres Publikum. Aber im Gegensatz zum schlechten Ruf aus der Vergangenheit suchte man weitgehend vergeblich nach Alkoholleichen und torkelnden Gestalten, denn es gab sie nicht. Die jungen Leute waren freundlich und bestens gelaunt, aber in keiner Weise sturzbetrunken und trotz der großen Masse gab es weder Drängerei oder aggressives Verhalten, sondern ein lässiges und freundliches Miteinander. Wenn man dann auch noch vernimmt, dass es bei 3 Millionen Besuchern kaum zu erwähnenswerten polizeilichen Einsätzen kam, muss man den jungen Leuten von heute ein Kompliment machen. Zu früheren Zeiten hat das auch schon mal ganz anders ausgesehen. Was aber hat dies alles mit Wein zu tun, außer, dass dort im Gegensatz zu Bier, kaum Weinwerbung zu sehen war? Und ist es nicht eher eine Gefahr für den burgenländischen und österreichischen Wein, wenn bei so einem großen Event nicht gesoffen wird, bis sich die Balken biegen, weil die Jugend angeblich nicht so auf Alkohol steht?
Herbert Oschep seines Zeichens Obmann von Wein Burgenland sowie Weintourismus Burgenland und zusammen mit seinem „Weinzwilling" dem burgenländischen Weinbauobmann, Andreas Liegenfeld, als Vor- und Querdenker in der österreichischen Weinszene bekannt, sieht gerade in dieser Gemengelage riesiges Potential und eine große Chance für den heimischen Wein. Im Weekend-Interview beim Heurigen Pluschkovits in Leithprodersdorf meint er: „Die Weinbauern müssen in Sachen Verkauf aus ihrer Komfortzone raus, denn die Kunden kommen nicht mehr von alleine und die Zeiten des Weinverteilens sind vorbei. Dabei geht es gar nicht so viel um neue Märkte, sondern vielmehr um das Erreichen neuer Konsumentenschichten, insbesondere junger Menschen, mit einfacher Botschaft. Man sollte ein Riesenevent wie das Donauinselfest nicht kampflos anderen Genussmittelanbietern überlassen und genau diesem jungen und bislang noch nicht weinaffinen Publikum vermitteln, dass gerade der Wein in seiner vielfältigen Art, das richtige Getränk ist, um gute Laune zu haben und um zu genießen, ohne sich sinnlos zu besaufen."
Als geborener Lungauer sieht sich Herbert Oschep berufen, sagen zu können, dass der Wein überhaupt kein elitäres Getränk ist: „Er wird von bodenständigen, hart und kreativ arbeitenden Winzern produziert und letztlich geht es nur darum, ob einem der Wein schmeckt oder nicht. Die Unart, dass man in der Vergangenheit jeden Wein schon fast wissenschaftlich bezüglich Herkunft, Geschmack und anderen Bereichen zu erklären versuchte, hat viele vom Weingenuss abgehalten. Besonders die Jungen mussten sich fast schon schämen, wenn sie nicht obergescheit über einen Wein mitreden konnten." Damit muss und wird jetzt Schluss sein, denn die Weinwirtschaft habe längst erkannt, dass der Zugang zum Wein niederschwelliger werden muss: „Unser hochqualitatives Produkt soll auch auf Großevents dominant vertreten sein, aber nicht als Aufforderung zum Saufen, sondern um etwas Besonderes zu genießen. Wenn man sich ausrechnet, dass von den 3 Millionen Besuchern beim Donauinselfest jeder oder jeder zweite Besucher zusätzlich zum Spritzer in großen Plastikbechern nur ein Achterl Wein, egal ob weiß oder rot, genossen hätte, dann wäre das an nur einem Wochenende schon eine beträchtliche Menge und ein gewaltiger Multiplikator für die Zukunft gewesen."
Verbot für Automatenverkauf muss verhindert werden!
Leider droht aber auch ein Multiplikator in die andere Richtung. Seit kurzem gibt es einen Rechtsspruch, den Herbert Oschep als sehr kontraproduktiv für die heimische Weinwirtschaft bezeichnet: „Dem zur Folge dürfen keine alkoholischen Getränke mehr in Automaten verkauft werden. Ein Unsinn, den wir von Wein Burgenland zusammen mit der Burgenländischen Wirtschaftskammer vehement in einer Kampagne bekämpfen werden. Es kann nicht sein, dass alle fünf Meter ein Zigarettenautomat steht, aber aus Jugendschutzgründen usw. ein Automat für alkoholische Getränke verboten ist. Man darf das nicht unterschätzen, denn es gibt hunderte Automaten im Burgenland, in denen Spritzwein angeboten wird, womit so ein Verbot große Auswirkungen für unsere Winzer hätte. Gerade in Zeiten, in denen die Überprüfung des Alterslimits technisch kein Problem ist, wäre ein derartiges Verbot geradezu lächerlich und schwer geschäftsschädigend. Aber ich denke, zusammen mit der Wirtschaftskammer werden wir das zu verhindern wissen." Entschieden entgegentreten möchte die Weinwirtschaft auch den Meldungen, bei denen ein Achterl Rotwein als das größte Gift dargestellt wird: „Es muss immer das Glas Rotwein, das noch niemandem geschadet hat, bei diesen Antialkoholkampagnen herhalten, anstatt halbleere Schnapsflaschen im Schlafzimmer zu zeigen. Damit muss Schluss sein!"
Sehr zufrieden hingegen zeigt sich Herbert Oschep mit dem Verlauf des ersten Halbjahres 2026: „Wir waren in Berlin, Düsseldorf und auch in Paris stark vertreten und die Veranstaltungen in der Hofburg und Linz liefen sehr erfolgreich. Wir realisieren aber das ganze Jahr über sehr viele weintouristische Aktivitäten gemeinsam mit den Hoteliers und der Gastronomie, um unseren Winzern möglichst viele Bühnen zur Präsentation zu bieten. Ihnen gebührt großes Lob, weil sie mit gewaltigem Engagement bei der Sache sind und trotz schwieriger Rahmenbedingungen die Marke Burgenland perfekt vertreten. Perfekt ist auch der Zusammenhalt unter den Winzern und dass in Österreich nur im Burgenland allein der Landeshauptmann für den Wein zuständig ist, spielt uns natürlich auch stark in die Karten. Und wenn wir schon von Zusammenarbeit reden, sei betont, dass diese auch mit dem Team vom Burgenland Tourismus unter Leitung von Didi Tunkel wunderbar ist"
Begeisterung löst die nachfolgende Generation an Winzern beim Wein Burgenland Obmann aus: „Da dürfen wir sehr optimistisch in die Zukunft blicken. Viele Winzer haben bereits im Alter von 20 bis 30 Jahren das Risiko nicht gescheut und Verantwortung, sprich den elterlichen Betrieb, übernommen. Sie sind ungemein fleißig und kreativ, aber nicht beratungsresistent, wobei die Eltern sich nicht einmischen, sondern wirklich nur beratend tätig sind." Man habe die neue Generation auch mit der Aktion "Die jungen Winzer" – samt Patenschaft - aber auch mit Ausstellung auf der Vivinum unterstützt und sei sehr dahinter, dass die Jungen auch medial und marketingtechnisch gut ausgebildet werden: „Denn nur Etiketten auf die Flaschen picken, spielt es heute nicht mehr."
Keine Krise, sondern natürliches Wellental
Vom Gerede, dass der Rotwein in der Krise sei, zeigt sich Herbert Oschep etwas genervt: „Wer die Weinhistorie verfolgt, weiß, dass dies immer ein hin und her war. Wir haben im Burgenland etwa 50:50 Anbaufläche bei Weiß- und Rotwein, mit etwas Überhang zum Rotwein, der sich halt im Moment ein wenig schwieriger verkaufen lässt als der Weißwein. Aber das kann sich auch rasch wieder drehen, wobei allgemein zu sagen ist, dass die Talsohle beim Wein durchschritten zu sein scheint und es aufwärtsgeht." Beim Rotwein sehe man aber mit einem Blick nach Bordeaux, wie man es nicht machen sollte: „Da ist man im Begriff durch Rodung 20.000 Hektar zu verlieren, also die doppelte Fläche des Burgenlandes. Dort wurden durch Lagenklassifizierungen, die ich für einen kompletten Unsinn halte, elitäre Regionen und extrem teure Weine geschaffen, ohne die kleineren Winzer, die die Flasche um 3 Euro verkaufen, mitzunehmen, was sich im Endeffekt auf das ganze Weingebiet verheerend auswirkt. Daher müssen wir im Burgenland aufpassen und über den Zusammenhalt aller Winzer mit der starken Marke Burgenland punkten." Abgesehen davon, habe man in Österreich und dem Burgenland das Glück, dass der burgenländische Weinkonsument patriotisch trinke, sprich 75% heimischen Wein, im Gegensatz zu Deutschland, wo dieser Wert nur 20% ausmache. Auch Rodungen aus diversen Gründen seien im Burgenland ein Thema und mittlerweile habe die amerikanische Rebzikade nach schweren Schäden in der Steiermark auch das Burgenland erreicht. Gott sei Dank, so Oschep, hätten Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und seine Stellvertreterin Anja Haider-Wallner rasch und unbürokratisch dafür gesorgt, den rechtlichen Rahmen für eine gezielte Schädlingsbekämpfung zu schaffen, wenngleich dieser Schädling gekommen sei, um zu bleiben. Insgesamt könne man davon ausgehen, dass sich die Weinanbaufläche im Burgenland in den nächsten Jahren auf etwa 10 Hektar einpendeln werde, was okay sei.
Zweites Halbjahr 2026
„Wir werden die Ärmel auch in der zweiten Jahreshälfte hochkrempeln", spielt Herbert Oschep auf viel Action in den kommenden Monaten an, wobei die Rot-Goldene Traube ein besonderes Highlight sei: „Es haben wieder viele Winzer viele Top-Weine eingereicht und medial ist mit einer überaus starken Präsenz zu rechnen. Auch beim weintouristischen Martiniloben kommen sehr viele Menschen ins Land und für nächstes Jahr machen wir neben Wien und Linz auch in Salzburg eine Wein Burgenland-Ausstellung. Fortgesetzt werden die so erfolgreichen Kooperationen mit dem ÖFB und dem österreichischen Skiverband und Events wie das Donauinselfest werden wir marketingtechnisch im Auge behalten." Erwähnt haben möchte Herbert Oschep auch, dass während der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft die Kooperation mit der Österreichisch-amerikanischen Gesellschaft sehr gut gelaufen sei, ehe er noch auf eine interne Veränderung zu sprechen kommt: „Mit 1. August wird Christian Zechmeister Geschäftsführer der Wein Akademie Österreich in Rust. Da sind wir sehr stolz darauf, dass einer der wichtigsten Wein-Jobs in Österreich wieder mit einem hervorragenden Experten aus dem Burgenland besetzt wird. Bis zum Jahresende wird daher unsere ausgezeichnete Mitarbeiterin Eva Koppitsch die Büroleitung bei uns übernehmen, ehe Anfang 2027 entschieden wird, wer Christian Zechmeister als Geschäftsführer nachfolgt."
Da Herbert Oschep immer ein Mann der Tat ist und alles, was es in Sachen Wein gibt, wissen möchte, wurde er vor ein paar Jahren auch selber zum Winzer. Mittlerweile mit durchaus respektablem Erfolg: „Mit Rot- und Weißwein bewirtschafte ich zurzeit rund einen halben Hektar. Entscheidend aber ist, dass mit Michi Liegenfeld, einer dieser genialen jungen Winzer, die Produktion meiner Weine, die sich sowohl beim Veltliner als auch beim Blaufränkisch, Freundschaft nennen, übernommen hat. 93 Falstaffpunkte beim Weißwein und 94 Falstaffpunkte beim Rotwein zeigen, dass er sein Handwerk ausgezeichnet versteht. So gesehen freue ich mich auf die weitere Arbeit in meinem kleinen Weingut und vor allem auf das künftige Wirken im Sinne unserer hervorragenden burgenländischen Winzer."