Ein Tag in Cambridge oder wie Isaac Newton eine Brücke ohne Nägel baute

Ein weitere Tagesausflug stand bevor. Gemeinsam mit meiner AuPair-Kollegin und Freundin K. begab ich mich auf große Fahrt nach Cambridge, der sozusagen zweitberühmtesten Universitätsstadt in England. Immer noch beeindruckt von Oxford, war ich trotz Vorfreude und Neugierde skeptisch, was denn den Vorgänger noch toppen könnte. Bis wir dort ankamen, und ich den schönsten Tag seit langem erlebte!

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Foto: Lisa Krempl

K. und ich trafen uns am Bahnhof Kings Cross, von wo uns unser Zug innerhalb von 45 Minuten nach Cambridge brachte. Dort angekommen stellten wir erst mal erstaunt fest, wie modern die Gebäude und die Umgebung waren. Das hatten wir nicht erwartet. Wir folgten dem Strom der anderen Touristen und machten uns auf den Weg ins Zentrum. Auf einen sehr langen Weg ...

Nach 20 Minuten Gehzeit hatten wir immer noch nichts erreicht, was einer Universitätsstadt ähnlich sah, und langsam wurden wir - zumindest ich - etwas ungeduldig. Wann kam endlich der Stadtteil, für den Cambridge so berühmt war? Dann endlich: Die Gebäude veränderten sich, die Straßen wurden enger, die Kirchen häuften sich, immer mehr Menschen. Wir waren angekommen!

Cambridge hieß uns schließlich doch noch mit einer herzlichen und turbulenten Atmosphäre willkommen, und dank einer Karte fanden wir uns auch schnell zurecht. Wir bogen von der Straße ab, die wir solange entlangmarschiert waren, und fanden uns am Marktplatz wieder, auf dem gerade ein Wochenmarkt abgehalten wurde, der uns auch sogleich in seinen Bann zog. Weniger mit Souvenirs, dafür mehr mit Essen und qualitativen Produkten konnte er mich als allseits bekannte Marktliebhaberin sofort überzeugen. Im Lauf des Tages sollte ich auch noch einmal zurückkehren und mir eine kleine Wegzehrung für den Heimweg kaufen. Doch bis dahin dauerte es noch. Zuerst spazierten wir durch die Stadt und konnten so viele der berühmtesten Universitäten von Cambridge von außen und teilweise auch deren parkähnliche Innenhöfe bestaunen. Was mich am meisten faszinierte, war, dass man immer die Augen offen halten muss: Man geht seinen Weg und plötzlich biegt man in eine Seitenstraße ein und findet einen schmalen Durchgang in einer Wand oder eine Tür. Und ehe man sich versieht, findet man sich im Innenhof eines Colleges oder in einem kleinen Park oder Garten wieder. So erging es uns nicht nur einmal.

Und dann entschlossen wir uns zu etwas sehr Touristischem - Cambridge berühmtes "punting". Ähnlich wie die Gondoliere in Venedig gibt es auch hier kleine Boote, die meistens von Studenten mit langen Stangen über den künstlich angelegten Fluss, der sich durch die Stadt schlängelt, gesteuert werden. Wir kauften uns Tickets und warteten auf ein freies Boot. Ich kann wirklich behaupten, dass diese Bootsfahrt zu meinem unerwarteten Highlight des Tages wurde.

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Foto: Lisa Krempl

Unser Bootsführer unterhielt seine Gäste während der ganzen Zeit über mit lustigen und interessanten Anekdoten zu den einzelnen Universitäten und zu der beeindruckenden Geschichte der Stadt. So hatte beispielsweise Pink Floyd seine Anfänge und ersten Auftritte in einem Pub direkt am Fluss. Männer der Geschichte und Gegenwart wie Prinz Charles (der als schlechtester Schüler von Cambridge schon jetzt in die Geschichte eingegangen ist), Stephan Hawking und Isaac Newton haben in Cambridge studiert. Das wohlhabendste Studentenheim, dass nur die reichsten der reichen Studenten beherbergt, verwöhnt seine Bewohner mit imposanten Räumlichkeiten, Hausmädchen, Köchen und Dienern, und das noch heute!

Wir fuhren außerdem unter zwei Brücken hindurch, die es durch Legenden geschafft haben, zu richtigen Berühmtheiten zu werden: die "Seufzerbrücke", die ursprünglich eine normale Brücke war, aber durch das Kompliment einer Königin und der Ähnlichkeit zum italienischen Gegenstück zur "Seufzerbrücke zwei Punkt null" wurde; und die "Holzbrücke" oder "mathematische Brücke", die Isaac Newton ohne Nägel erbaut haben soll. Doch als eifrige Studenten sie entzweinahmen, um das Geheimnis zu entschlüsseln, schafften sie es nicht mehr, sie wieder zusammenzubauen, wodurch wir sie heute nur noch mit Nägeln betrachten können. Und so weiter! Die Geschichten und Legenden der Stadt sind endlos, und ich wünschte ich hätte mir alles merken können, was uns in der wundervollen, warmen und sonnigen Stunde auf dem Fluss alles erzählt wurde.

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Foto: Lisa Krempl

Nachdem die Fahrt zu Ende war, entschlossen wir uns noch zu einem kurzen Museumsbesuch, und anschließend besuchten wir noch einmal den Markt. Dann war unser Ausflug auch schon wieder zu Ende und wir traten den langen Fußmarsch zurück zum Bahnhof und somit die Heimreise Richtung London an.

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Foto: Lisa Krempl

Cambridge hat mich wirklich überzeugt, und ich muss sagen, dass es mir sogar noch besser gefallen hat als Oxford. Und das war wirklich schwer zu überbieten!

 

Weekend-Bloggerin Lisa Krempl liebt es, den Globus zu erkunden und ihre Eindrücke und Erlebnisse schriftlich festzuhalten. Als Au Pair lässt die frisch gebackene Maturantin ihre Leser auf weekend.at an ihrem Alltag teilhaben.

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