Abenteuer Couchsurfing: Meine Lieblings-Reiseart

Wieso ich am liebsten bei Fremden auf der Couch übernachte und wie es sich anfühlt, selbst Gastgeber für völlig unbekannte Gäste zu sein.

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Foto: Rafaela Khodai

Würdest du einfach in einer fremden Stadt bei Leuten auf dem Sofa schlafen, die du noch nie zuvor gesehen hast? Oder findest du, das klingt verrückt? Vielleicht tut es das. Aber dennoch war (und ist) "Couchsurfing" meine bevorzugte Reiseart. Nicht ständig, nicht überall und nicht mit jedem Mitreisenden, aber doch so oft wie möglich. Potenzielle Gastgeber finde ich auf der Couchsurfing-Website und natürlich auch über die App. Die Website ist mittlerweile schon ganze 15 Jahre alt, und die Kernidee ist ebenso simpel wie genial: Locals bieten Reisenden Gästezimmer, Couches oder einfach nur eine Luftmatratze an – und zwar kostenlos. Dafür werden grundsätzliche Gastfreundschaftsverhaltensregeln erwartet – Geld wird in dem Prozess aber keines gegeben.

Surfen ja, hosten nein?

Während meiner Zeit als Vielreisende habe ich oft und gerne bei Fremden auf der Couch gesurft und dabei unglaubliche Gastfreundschaft erfahren, wahnsinnig freundliche Einheimische kennengelernt und jede Menge spannende Geschichten gehört. Aber selbst jemanden bei mir zuhause beherbergen, also "hosten"? Das hat irgendwie nie geklappt. Die Wohnung zu klein, zu viel zu tun, der Mitbewohner war nicht ganz einverstanden.

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Die Mitbringsel von meinen ersten Couchsurfing-Gästen Foto: r4

Gastgeber-Erfahrung

Bis jetzt. Denn vergangenes Wochenende habe ich endlich meine ersten Gäste beherbergt! Ein amerikanisches Paar auf der Reise durch Australien war es, und ihre Anfrage traf genau den richtigen Ton: weltoffen, lustig, unkompliziert. Aber dennoch hatte ich so einige Vorbehalte, völlig fremde Leute in meine Wohnung zu lassen. Würde die Rolle des Gastgebers auch nur annähernd so spannend sein wie die des Surfers?

Es stellte sich heraus: Ja, ja, und nochmal ja. Es ist etwas völlig anderes, Fremde zu beherbergen oder bei ihnen zu übernachten – aber die Kernelemente des Couchsurfings sind in beiden Situationen die gleichen: die anfängliche Zurückhaltung, die sicht- und fühlbare Entspannung, sobald man merkt, dass die anderen genau so nervös sind wie man selbst, und schließlich der beste Teil: Das Gefühl, dass man nicht einen völlig Unbekannten vor sich hat, sondern viel eher Freunde, die man eine Weile nicht gesehen hat. Die Gespräche, die sich einfach ganz von selbst ergeben, weil beide Parteien die große Passion fürs Reisen, für Abenteuer und fürs Sich-aus-der-Komfortzone-herausbewegen teilen. Die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die sich während der Konversation herauskristallisieren. Und schließlich, wenn die Zeit des Abschieds gekommen ist, das Wissen, dass man Freunde gefunden hat, die zwar auf der anderen Seite der Welt leben, aber vermutlich dennoch mehr mit einem gemeinsam haben als die Nachbarn aus der Wohnung gegenüber.

 

Weekend-Bloggerin Rafaela Khodai ist als freie Journalistin und Autorin tätig. Ihre große Leidenschaft ist das Schreiben, ihre Lieblingsdestination Südostasien. Ihre Reise-Eindrücke und -Erlebnisse hält sie in ihren Beiträgen fest.

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