Zirkus – Familienausflug in eine andere Welt?

Wir leben in einem kleinen Dorf, liebevoll unser "gallisches Dorf" genannt. Da gibt es noch das Relikt "Wanderzirkus". Diesen haben mein Sohn und ich auf seine Kleinkindfreundlichkeit getestet.

zirkuszelt.jpg
Foto: k.gindra-vady

Als ich in Wien gewohnt habe und noch kinderlos war, sind Dinge wie ein Wanderzirkus im wahrsten Sinne des Wortes an mir vorbeigezogen. Jetzt - als Mama in einem kleinen Dorf - hat ein Zirkus eine neue Bedeutung für mich bekommen.

Ich sehe die Plakate und freue mich, dass der Sommer durch ein bisschen Entertainment durchbrochen wird. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob so viel Unterhaltung schon für mein Kind geeignet ist. Mein Sohn ist empfindlich, was Aufregung, Licht, Lärm und Menschenmassen betrifft, daher wird das quasi ein Test für uns.

Zirkus – unzeitgemäß und Tierquälerei?

Es gab eine Zeit, in der Zirkus verpönt war. Von Tierquälerei war die Rede, von unzumutbaren Zuständen, und langsam verschwand eine Zirkusfamilie nach der anderen. Schon aus dem Grund wollte ich mir das ansehen. Denn ich weigerte mich anzuerkennen, dass Unterhaltung mit allen fünf Sinnen ein aussterbendes Phänomen ist.

Wie funktioniert ein Zirkus heute?

Das Plakat wirbt damit, dass dies "der" Zirkus mit den "meisten Tieren" wäre. Was soll das bedeuten? Schon zwei Tage zuvor sehe ich den fertigen Zirkus aufgebaut, aber von wilden Tieren keine Spur. Aus der Entfernung sehe ich nur einen Esel und einige Dromedare. Aber sonst? Keine Spur von exotischen, furchterregenden Tieren, die eigentlich in die Wildnis gehören.

Der Aufbau begann schon montags, und donnerstags gab es die erste Vorstellung. Die sind zeitlich eng getaktet. Fast zwei Vorstellungen jeden Tag, und sonntags nach der letzten Vorstellung geht’s gleich zum Abbau und weiter ins nächste Dorf.

Das Team

Als nix wie ab in die Nachmittagsvorstellung und ein bisschen spionieren. Tatsächlich ist dieser Zirkus ein reiner Familienbetrieb, der hauptsächlich über die Arbeits- und Artistenkraft der eigenen Mitglieder funktioniert. Wo Familie nicht nur Stütze, sondern auch Triebfeder des gesamten Zirkusapparates ist. In diesem Unternehmen haben sich zwei Familien zusammengeschlossen - die einen sind eher für die Artistennummern zuständig, die anderen mehr für Spaß und Dressur.

Die Show

Für den großen Show-Effekt sorgte zum Einstand gleich eine Show-Einlage mit vier Dressurpferden. Das Zirkuszelt war klein, so hatte ich wirklich das Gefühl, in der ungarischen Steppe zu stehen und zu erleben, wie sich vor uns vier Wildpferde aufbäumen (nur, dass die halt keine Federn tragen und auch sonst natürlich freier sind).

Der Rest des Programms bestand aus Akrobatik, Jonglage und weiteren Tierdressuren. Wobei sich Letzteres auf Kleinponys und Dromedare beschränkte. Während der Vorstellung spazierten übrigens lustigerweise Ziegen und ein Hausschwein unter den Reihen auf der Suche nach Leckerlis. Ich habe ja schon große Zirkus-Abende wie etwa den Cirque de Soleil erlebt, aber die Nähe und Ehrlichkeit bei diesem kleinen familienbetriebenen Wanderzirkus zu spüren war irrsinnig angenehm. Ein Erlebnis für mein Kind, das nah genug stattfand, um das Geschehen zu verstehen, und nicht zu aufregend war, um die "Aufregungsschutzschranke" zu schließen.

zirkuszoo.jpg
Foto: k.gindra-vady

In der Pause konnte man sich noch den bestehenden Kleintierpark ansehen, mit dem dieser Zirkus unterwegs war. Ich glaube, danach hätte mein kleiner BamBam keine zweite Hälfte gebraucht, denn das toppte das Zirkuserlebnis total für ihn.

Unser Resümee

Ich mag mein gallisches Dorf. Ich mag Wanderzirkus und ich mag Familienbetriebe. Als kinderfreundliche Unterhaltung kann ich ses nur weiter empfehlen und halte alle Daumen hoch für Artisten und Tiere und bunte Zirkuszelte!

zirkuspferde.jpg
Foto: k.gindra-vady

Katharina Gindra-Vady ist Mutter, Pädagogin, Bloggerin, Model, Moderatorin, ehemalige Flugbegleiterin. Die große Leidenschaft der Steirerin ist das Schreiben.

Alle Blog-Beiträge von Katharina Gindra-Vady

Kommentare 0