Zeit-Management als Mama – irgendwie immer Kriegszustand!

Ich war eigentlich immer pünktlich. Außer das Styling dauerte mal länger, oder der Hugo schmeckte zu gut. Aber jetzt ist Zeit-Management meine Meisterdisziplin, mit Beigeschmack und Extraduft. Kaum zu glauben, wie viele Prinzipien mit einem Baby über Bord gehen!

Uhr Zeit - Cover
Foto: pixabay.com

Als mein Kleiner etwa sechs Wochen alt war, hatte ich einen Termin in einer Klinik am anderen Ende der Stadt. Ich bin zwar zeitgerecht losgefahren, aber mit Kinderwagen und Co. ist man halt doch nicht so schnell wie mein Single-Ich in den Öffis. Ich kann mich noch gut erinnern, es waren vielleicht zehn Minuten, die ich zu spät war. Der Termin sollte bis zu einer Stunde dauern, also hatte ich zwar ein schlechtes Gewissen, aber war nicht am Boden zerstört. Eine Krankenschwester begrüßte mich mit einem zischenden "Sie sind zu spät". Eigentlich wäre sie dazu da gewesen, um mich zu unterstützen und mir den Stress zu nehmen, der mit dem Termin verbunden war. Stattdessen bekam ich den Oberlehrerblick verpasst und die Aussage "Mamasein heißt auch time-management haben". Toll, da fühlte ich mich schon viel besser in einer "Mamacare-Ambulanz". Am Rande einer Depression will man sowas bestimmt hören. Aber – hey – was soll's, Pünktlichkeit ist eine Tugend, und die dürft' ich mit dem Fruchtwasser ausgeschüttet haben.

Für Notfälle gerüstet, ein Grund für Zeitverlust

Denn was auch immer ich jetzt im Verlauf meiner nachfolgenden Jahre getan habe, ich war – und bin – fast immer zu spät. Wenn mein Bruder mich mit dem Auto mitnimmt, kommt er vorsorglich 15 Minuten früher, weil ich mit Garantie noch nicht alles gepackt habe. Aber so ein Ausflug mit Kind ist auch eine Gepäcks-Challenge – Reserve-Gewand, Windeln, Essen, Spielzeug, Buggy oder Kinderwagen. Den Kindersitz aus dem Auto rein oder raus. Dreimal den Herd checken, ob er eh aus ist. Dann aber das Dachfenster vergessen und an der Wohnungstür nochmal hinauf ins Dach. Und wenn ich dann im Auto sitze, und mein Bruder mich fragt, ob ich alles abgedreht habe, dann kann es schon passieren, dass ich im Bedarfsfall nochmal schauen geh.

Immer zu spät, immer als Erste gehen?

Vor einiger Zeit hatte ich auch  - Bambam war etwa ein Jahr - eine Ausbildung begonnen. Eigentlich eine Gruppe voller Frauen, also sollten die doch wissen, wie das ist mit Kleinkind. Aber ich merkte bald, dass ich den Stempel "unverlässlich" aufgedrückt bekam. Denn ich kam mal zu spät, weil die Übergabe vom Kind gedauert hatte, und ich ging gern mal früher, weil ich nach acht Stunden Seminar zum einen schon Milchstau hatte und zum anderen auch nicht gern mein Kind bis spätabends bei den Großeltern ließ. Am Ende des Seminars blieb mir nur, zurück zu blicken und mir selber eines zu versprechen: Ich dachte mir "Vergiss niemals, wie schwer die ersten Jahre für dich waren, und habe immer Verständnis für junge Mütter!".  Leider scheinen manche Frauen zu vergessen wie es war, und ich behalte von diesem Seminar - außer den Inhalten - nur den Zickenkrieg am Ende in Erinnerung.

Wenn es einem schon stinkt

Auch lustig ist es, wenn man zu einer Veranstaltung an der Uni geht, und kurz bevor das Kind übergeben wird, es noch ordentlich in die Hose ballert. Klar, Bambam war schnell sauber, aber was ich im Eifer des Gefechts übersehen hatte, waren die kleine Reste die irgendwie an meiner Hose klebten. Eine Horror-Busfahrt später, in der ich zuerst alle andere für die Stinkerei haftbar machen wollte, konnte ich (mitten im Winter) mal meine Hose notdürftig am Uni-WC reinigen. In manchen Phasen des Lebens braucht nicht nur das Baby ein Wechselgewand, sondern auch die Mama.

Feldmarschall-Planung für Bewerbungsgespräche

Klar, dass ich jetzt bei einem Bewerbungsgespräch nicht zu spät kommen möchte. Anfangs hatte ich einen Backup fürs Backup. Wenn die Kinderkrippe ausfällt, sind Oma und Opa da? Oder eine Tante, Onkel, sein Papa? Termine werden genau getaktet und Wegstrecke und Verbleibezeit ausgerechnet. Manchmal geht es sich auch noch aus, dass ich schnell für den nächsten Tag einkaufe, aber tendenziell hetze ich dann eher zur Krippe.

Bin ich unzuverlässig?

Hin und wieder stelle ich mir dann selber die Frage, ob ich einfach unzuverlässig bin. Aber eigentlich finde ich das nicht. Denn ganz ehrlich, ich plane und organisiere den Tag nicht nur für mich, sondern auch für mein Kind, und im Bedarfsfall für seinen Papa. Ich bin Alleinerzieherin und wenn ich was vergesse oder falsch koordiniere, dann kann ich nicht schnell mal jemand anderen losschicken. Ja mein Leben ist im Moment nicht minutiös planbar. Geht aber auch nicht, mit Kleinkind. Mal ist er bockig, mal hungrig, mal schläft er. Und was soll das überhaupt sein, ein planbares Leben, ein Leben aus dem Katalog? Ein Stundenplan für Mama? Klar braucht eine Familie Struktur und Planung, aber sie braucht auch Freiheit und Kreativität. Und ich erlaube mir eben momentan kreative Zeitfenster. Und wenn's mal wichtig ist, schaffe ich es erstaunlicherweise, meinen Termin einzuhalten! 

 

Katharina Gindra-Vady ist Mutter, Pädagogin, Bloggerin, Model, Moderatorin, ehemalige Flugbegleiterin. Die große Leidenschaft der Steirerin ist das Schreiben.

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