Glühende Wei(h)nachtszeit

Schneeflocken rieseln herab, die Stadt ist mit Lichtergirlanden geschmückt, alles ist friedlich. Genau die richtige Zeit, um dem Weihnachtsmarkt in meiner Heimatstadt Bregenz einen Besuch abzustatten. Und genau das tue ich auch. Was sich dort alles so erleben und beobachten lässt? Das erzähle ich euch jetzt ...

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Foto: Natalie Levay

Schon von Weitem höre ich "Last Christmas"  aus den Boxen dröhnen und folge den Menschenmassen, die der Musik nachpilgern. Beim Betreten des Marktes durchschreite ich einen riesigen roten Torbogen, der wie jedes Jahr an derselben Stelle steht. Und schon umfängt mich der wohlige Geruch von Glühwein und gebrannten Mandeln. Ersteres kaufe ich mir auch gleich, denn eins weiß ich: Ich muss noch einige Becher von diesem Gebräu trinken, um annähernd auf den Pegel der anderen Weihnachtsmarkt-Besucher zu kommen. Und ohne zumindest ein bisschen davon halte ich es auch nicht durch, "All I want for Christmas is you", welches eine Band (mit Instrumenten, derer sie nicht ganz mächtig zu sein scheinen) gerade live performt, anzuhören.

So schlendere ich jetzt also zwischen den Ständen hindurch und betrachte all die schönen Dinge, die es dort zu kaufen gibt. Zum Beispiel selbstgestrickte Wollmützen, Christbaumschmuck, und Kunsthandwerk aller Art ... Doch eines fällt mir sofort auf: Das Meiste ist  zum Essen und zum Trinken. Finde ich persönlich etwas schade, aber: Was will man machen? Nachdem ich erkannt habe, dass es keinen Sinn macht, hier weiter nach Weihnachtsgeschenken zu suchen, weil die dort angebotenen Dinge entweder nicht meinem Geschmack entsprechen oder sich außerhalb meiner Preisklasse befinden, beschließe ich, mir einen weiteren Glühwein zu holen und mir dazu einen mit Schokolade überzogenen Apfel zu gönnen. Mmmmh, also das hat schon was. Das muss ich zugeben.

Während ich an meinem Apfel knabbere,  beobachte ich die Leute rund um mich herum. Ich sehe ein junges Pärchen, das sich verliebt über den Rand ihrer Glühweinbecher ansieht. Am Tisch daneben steht eine Gruppe von circa zehn Seniorinnen, die bestimmt schon seit zwölf am Mittag am Trinken ist. Das schließe ich aus der Lautstärke ihres Gelächters und der lallenden Aussprache so mancher Frau in dieser Runde. Die Mitarbeiter des Glühweinstandes sehen nicht einmal annähernd so fröhlich aus. Allesamt mit roten Nasen von der Kälte und Blicke, die soviel sagen wie: "Wenn mich noch ein dummer Tourist fragt, wo hier das nächste WC ist, dann dreh ich durch!" Apropos Touristen: Von diesen sehe ich hier fast keine. Was mich wundert, denn eigentlich sollte ein Weihnachtsmarkt ja ein Magnet für ebendiese sein. Vielleicht hat sie aber auch der Schneefall abgeschreckt. Man weiß ja nie, vor was die alle Angst haben!

Ich bin inzwischen am Ende des Marktes angekommen und laufe jetzt wieder zurück. Vor der Bühne mit der schlechten Band bleibe ich stehen und lausche ein bisschen. Der dicke Sänger singt gerade "My Way" von Frank Sinatra, und ich merke, dass ich seine Stimme und die Instrumente lange nicht mehr so schrecklich finde wie zu Beginn. Das ist vermutlich dem dunkelroten Zaubertrank zuzuschreiben, der hier in Strömen fließt, denn ich bin nicht die Einzige, die vor der Bühne steht. Einige Paare schauen verträumt durch die Gegend und andere tanzen. Ich stehe da und bin einfach glücklich. Die Musik. Der Schnee. Die lächelnden Gesichter der anderen Leute. Und auch auf meinem Gesicht hat sich ein seliges Lächeln breit gemacht. Langsam beginne ich zu begreifen: Das ist es, was die Menschen den "Zauber von Weihnachten" nennen.

Ich hoffe, ihr erlebt ihn auch. In diesem Sinne: Prost! und Fröhliche Weihnachten!

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Foto: Natalie Levay

 

Kunst, Musik, Schreiben und Reisen sind die großen Leidenschaften von Weekend-Bloggerin Luna Levay. Die aus Bregenz stammende Schülerin begeistert sich für Sport und sammelt Schallplatten. Für weekend.at schreibt sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke - auf Reisen wie daheim.

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