Oldtimer findet Stadt - Vienna Classic Days 2017

Seit es E-Mail gibt, jammern wir darüber, dass es sie gibt und dass wir sie bekommen. Wenn dann aber ein elektronisches Briefchen mit einer netten Einladung zu einer interessanten Veranstaltung ins Haus beziehungsweise ins Postfach flattert, dann freut man sich doch. So auch in meinem Fall bei der Ankündigung der Vienna Classic Days. Oldtimer? In der Wiener Innenstadt? Großartig – nichts wie den Kalender ein wenig freigeschaufelt und hin. Es geht nichts über den Glanz von altem Chrom und den Geruch von Benzin mit etwas Bleizusatz.

Fiat 850 Spider mit Knautschzone .JPG
Fiat 850 Spider mit extra Knautschzone in Pink Foto: Carmen Bischof
Volvo Amazon P121.JPG
Speziell für den Liebsten aus Schweden fotografiert: ein Volvo Amazon Foto: Carmen Bischof
Ford Model T.JPG
Ein wahrer Klassiker: Ford Model T aus dem Jahr 1923.  Foto: Carmen Bischof
Das Damenteam Mercedes Benz 300SL Flügeltürer.JPG
Damenteam im Mercedes Benz 300 SL - die Flügeltüren dienen gleichzeitig als temporäre Klimaanlage vor dem Start Foto: Carmen Bischof
Fuck the Plastic.JPG
Fuck the Plastic, drive a classic! Foto: Carmen Bischof
VW Käfer.JPG
"Hier wird sie geholfen" mit dem unverwechselbaren Klang des Käfermotors Foto: Carmen Bischof
Steyr 40a.JPG
Nicht nur Mozart, Strauß, Haydn, auch Steyr ist Klassik aus Österreich Foto: Carmen Bischof
Ford Mustang 302.JPG
Ford Mustang 302 - weil wir gelbe Autos und coolen Sound lieben Foto: Carmen Bischof
Plymouth Roadrunner RR44.JPG
Plymouth Roadrunner RR44. Extrapunkte für den Rennanzug bei über 30 Grad Foto: Carmen Bischof

Das Nenngeld beträgt äußerst faire 1,50 Euro pro Baujahr plus rund 70 Euro für die unumgängliche Behördenkarte. Je mehr Jahre der Oldtimer auf dem Buckel hat, desto günstiger die Teilnahme. In Anbetracht dessen, dass der Erhalt eines sehr betagten Autos einiges kostet, ist das mehr als fair.

Oldtimer-Rallyes gibt es viele. Die Vienna Classic hat unschlagbare Vorteile. Erstens liegt sie gleich ums Eck. Zweitens setzt sie außer auf alte Autos und diverse Sonderprüfungen auf Wiener Charme, Eleganz und großen Schauwert. Drittens lehnen sich die Veranstalter aus dem Fenster und geben auf der Webseite fast so etwas wie eine Schönwettergarantie. Gut, einmal habe es geregnet, aber das sei verschmerzbar gewesen. Für 2017 ist man schon bei der Ankündigung sehr optimistisch.

Die Wetterprognose beziehungsweise Beschwörung tritt tatsächlich ein: Am letzten Augustwochenende knallt die Sonne vom Himmel, und die Temperaturen erreichen locker den Dreißiger.

Fahrerlager beim Wiener Rathaus

Am besten lassen sich die Teilnehmer bei den Vienna Classic Days gleich zu Beginn beim Wiener Rathaus bestaunen. Im 20-Sekunden-Takt wird das Feld mit 238 auf den Wiener Kurs geschickt, für Kenner und Neugierige gibt es zu jedem Auto die wichtigsten Fakten vom “Lexikon” Wolfgang Buchta.

Wir gestalten den Tag als Mäderl-Event und stolpern gleich zu Beginn über einen Fiat 850 Spider, dessen Knautschzone mit pink-farbenem Flauschstoff erweitert wurde. Knapp daneben präsentiert sich mit einem Buick D45 mit dem Baujahr 1915 eine echte Legende, aber wir stehen vor dem Plüschmobil und machen Fotos. Gefahren wird das Kuscheltier übrigens von einem der wenigen Damen-Deams – meist sitzen entweder zwei fröhliche Herren im Auto oder ein Herr mit einer Dame am Beifahrersitz. Ich will meinen Mädels ja nicht die gute Laune verderben, muss aber schon anmerken, dass Selbst-Fahren lustiger wäre als Mitfahren.

“Schau, da hinten sitzt eine links! Die fährt! Da fahren genug Frauen!”, kommt prompt der tröstende Kommentar. “Das ist ein englisches Auto, also fährt der rechts.” Später kommt noch ein weiteres Damen-Team in einem ausgesprochen hübschen Mercedes-Flügeltürer. Wir halten solidarisch die Daumen, aber bei dem Aufgebot an Motoren und auf Hochglanz polierten Oldtimern ist der Wunsch nach fahrerischer Gleichberechtigung bald vergessen.

Motor Mythos

Autos-Schauen macht ordentlich durstig, und so legen wir eine Zwischenbesprechung ein.

“Wenn ihr nur eins von den Autos haben könntet, welches wär's?", frage ich in die Runde.

"Das pinke Kuschelmonster."

"Geh' – echt jetzt? Pinker Fiat schlägt Jaguar E-Type? Für ein bissl Plüsch lässt du einen Ford Mustang aus den Sechzigern stehen? Fünf 911er hintereinander, und du bleibst beim Fiat?"

Manchmal begreife ich meine Freundinnen beim besten Willen nicht.

"Für mich den ÖAMTC-Käfer, der war herzig und praktisch", werde ich unterbrochen, bevor ich die halbe Startaufstellung aufzählen kann.

"Für mich die Nummer 121", mischt sich eine andere ein, "lass mich in der Liste nachschauen … das war ein Plymouth R44."

Wir lachen.

"Das hat jetzt sicher nichts mit dem Fahrer zu tun, oder? Bist du sicher, dass du das Auto willst und nicht ihn?"


Sie zuckt mit den Achseln.

"Sich bei über 30 Grad in den Rennanzug zu schmeißen, das hat Stil. Muss man ihm echt lassen."

Dem können wir nicht widersprechen.

Wir widmen uns unseren kühlen Getränken und bringen einen Trinkspruch auf die wunderbaren Menschen aus, die ein altes Auto über Jahrzehnte pflegen und es so lieben, dass sie ein heißes Wochenende ohne Klimaanlage darin verbringen.

Am Ende der zwei Tage holt sich das Team Norbert Griesmayr/Ferdinand Baumgartner mit einem Mercedes W111 den Gesamtsieg.

"Zwei Männer", kommentiert meine Freundin. "Wenn du deinen ersten Polo mit den türkisen Rennstreifen noch hättest, könntest du nächstes Jahr mitfahren. Wegen der Frauenquote, weißt." 

Dass der Polo ungefähr 1.000 Prozent hässlicher war als alle mitfahrenden Autos, verschweigt sie netterweise.

 

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

Alle Blog-Beiträge von Carmen Bischof

Mehr zum Thema:

Kommentare 0