Trabi-Safari: "Ick hab noch einen Trabi in Berlin"

Man mag von Deutschland ja halten, was man will, aber niemand kann bestreiten, dass Berlin eine coole Hauptstadt ist. "Arm, aber sexy", hat schon der selige Bürgermeister Wowereit erkannt. Das heißt so viel wie: nix funktioniert.

Carmen Bischof Berlin
Foto: Carmen Bischof

Das effizienteste Land der Welt ist mit einem dysfunktionalen Haufen als Hauptstadt gestraft. Der neue Flughafen ist seit einem guten Jahrzehnt in Bau. Niemand weiß, wann er endlich eröffnet wird. Das einzige, was wir mit Sicherheit wissen, ist folgendes: Wann auch immer er eröffnet wird, mittlerweile ist er für das Passagiervolumen schon zu klein.

Überall auf der Welt verkauft Deutschland verlässliches Zeugs, das allein dank der Aufschrift "Made in Germany" Menschen zum Kauf verleitet. Wenn das draufsteht, weißt du: Das Design mag ungefähr so erotisch sein wie ein Rippleiberl, aber das Teil wird noch funktionieren, wenn du schon am Stock gehst.

Auch in Sachen Autoindustrie haben unsere Nachbarn im Norden die Nase vorn: Nur ein Mercedes ist ein Mercedes, Audi hat den Vorsprung durch Technik gepachtet, VW ist schlicht und einfach "Das Auto", und BMW steht für die reine Freude am Fahren. Porsche hingegen zeigt, dass ein Sportwagen nicht unbedingt eine unverlässliche Diva sein muss. Deutschland produziert die besten, schnellsten, verlässlichsten Autos, da kannste jeden auf der Welt fragen, jeden. Aber welches dieser wunderbaren Autos steht für die deutsche Hauptstadt? Trabi.

Billig, aber doch irgendwie lässig

So ein Städte-Trip nach Berlin ist nicht ganz komplett ohne Fahrt im Trabi. Daher buchen wir um wenig Geld eine sogenannte Trabi-Safari. Die Kosten halten sich wie alles in Berlin in geldbörserlverträglichen Grenzen, wenn man nicht gerade bei Wunderkind & Co am Gendarmenmarkt einfällt.

Berlin hat nur einen riesigen Nachteil: Die Stadt ist unglaublich groß. Nach einem halben Tag tun uns die Füße weh, und wir haben noch nicht einmal einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten auf der Liste gesehen. Die billigen U-Bahnen und Busse helfen nur bedingt, die Wege sind einfach weit. Über einer Berliner Weißen mit Schuss beschließen wir: Ein Auto muss her. Wir beschließen außerdem, nie wieder eine Berliner Weiße mit Schuss zu trinken, denn in ein ordentliches Bier gehört kein Himbersaft und schon gar kein Waldmeistersirup. In Zukunft werden wir auch energisch einschreiten, wenn jemand Ketchup mit Curry-Geschmack über unsere Pommes schüttet, weil das einfach unglaublich grauslich schmeckt.

Gestärkt durch unseren Beschluss und üppige Portionen von deutschem Speis und Trank brechen wir in den Großstadtdschungel auf und begeben uns auf Trabi-Safari.

Carmen Bischof Berlin
Foto: Carmen Bischof

Die Trabi-Safari beginnt

Das mit der Trabi-Safari funktioniert so: Man bucht einen Platz und bekommt ein historisches Auto sowie ein Funkgerät. Mit dem Auto fährt man in der Kolonne dem Tour-Guide nach, der eine schöne Route durch die Hauptstadt ausgesucht hat. Über Funk sagt er die wichtigsten Informationen durch (Name des Gebäudes, nächster Halt, nicht überholen).

Unser Führer – darf man das in Berlin noch sagen? – fährt selbst einen Trabi im verwegenen Dschungel-Look. Ein bisschen Leopardenmuster auf dem Chassis kann nicht schaden. Man kann den Trabis vieles vorwerfen, aber den Tiger im Tank haben sie sicher nicht. Wir folgen dem Leo-Trabi wie himmlische Trabanten ihrem Leitstern.

Auf dem Hoheitsgebiet der ehemaligen DDR sucht man sich sein Fahrzeug nicht aus, man bekommt es zugeteilt. Wir haben Glück und sitzen bald in einem Gefährt, das ähnlich aussieht wie ein Erdbeerjoghurt-Becher. Jemand hat die Metallfolie entfernt, und so ist das Joghurtbecherl ein Cabrio. Neben Joghurtbecher-Trabi gibt es noch Neon-Trabi, Military-Trabi, Sonnengelb-Trabi und zwei himmelblaue Trabis.

Carmen Bischof Berlin
Foto: Carmen Bischof

Gang drei - da freut sich der Trabi

Da ich schon weiß, wie schwierig es ist, in der Stadt in einer Kolonne Schritt zu halten, reihe ich das Erdbeerbecherl gleich nach dem Leo-Führer ein. Beim Starten reagiert der Trabi mit einem fragenden “Tak-Tak?” und setzt sich in Bewegung. Bei Gang zwei kommt die Antwort “Tak-tak-tak”, und wir schlingern um die erste Kurve. Mit dem Lenken werde ich gut zu tun haben, denn von selber geht hier nix. Gang drei passt so richtig gut. “Tak-tak-tak-tak-tak-tak” freut sich der Trabi.

50 km/h fühlt sich dank Fahrtwind und Stadtumgebung ziemlich ausreichend an. Unser Geschoss ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 angeschrieben. Gut, dass wir uns nicht auf die herrlich leeren und neuen Autobahnen des deutschen Ostens wagen werden, wo glückliche Besitzer ihre Lamborghinis zu Höchstleistungen antreiben.

Carmen Bischof Berlin
Foto: Carmen Bischof

Fahrspaß im Trabi? Das geht!

Das Chassis ist aus dem besten Plastikblech gefertigt, das die DDR zu bieten hatte. Der Motor benimmt sich ungefähr so spritzig wie Erich Honecker in seinem letzten Amtsjahr, während das Fahrwerk bei weitem nicht so gut die Spur hält wie der Staatsratsvorsitzende. All diesen widrigen Eigenschaften zum Trotz macht das Fahren im Trabant wirklich viel Spaß. Wie beim GoCart-Fahren kann man jederzeit Vollgas geben, ohne gleich aus der Kurve zu fliegen.

Einige Sehenswürdigkeiten später verfalle ich in Leichtsinn und versuche den Trabi zum vierten Gang zu überreden. “TAK!TAK-TAK!TAK!-TAAAAAKKKKKKK!!!TAAAKKKKK!!!!” protestiert er sofort, und wir lassen uns in die gewohnte Dritte zurückfallen. Reicht für unsere Zwecke auch.

Am Ende der Trabi-Safari steigen wir glücklich aus dem Erdbeerbecherl und erhalten einen Trabi-Führerschein im historischen Look. Berlin, wir kommen wieder, versprechen wir. Schließlich haben wir immer noch einen Trabi dort.

Carmen Bischof Berlin
Foto: Carmen Bischof

Carmen Bischof ist gebürtige Murauerin ("die Stadt mit dem besten Bier", betont sie!), beruflich und privat gerne auf Reisen, beruflich in Sachen Vertriebssteuerung für die Senzor Industries AB aus Schweden unterwegs und privat auf der Suche nach schönen Orten, gutem Bier und lässigen Aktivitäten.

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