"Logan Lucky" – Gentlemen waren gestern

Oscar-Preisträger Steven Soderbergh ist zurück. Nach den großen Erfolgen der Ocean's-Reihe sowie einigen Rückschlägen kehrt der Schuster jetzt wieder zu seinen Leisten zurück - auch wenn "Logan Lucky" auf den ersten Blick wenig mit dem charmanten Gentleman Danny Ocean gemein hat. Bei der Besetzung gibt es jedenfalls einige (positive) Überraschungen.

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Foto: Constantin Film

Statt Gentleman-Ganoven, Verbrecher-Ethik und teuren Technik-Gadgets geht es diesmal ans untere Ende der Gesellschaft. Die Darsteller stecken nicht in teuren Maßanzügen, sondern in verschmierten Handwerker-Overalls. Dafür gibt es auf der anderen Seite aber auch jede Menge echter nachvollziehbarer Probleme und ebenso viel Herz und Emotionen.

Logans Rüpelbande

Die Handlung entführt den Zuschauer in die Provinz von West Virginia. Jimmy Logan verliert aufgrund eines versehrten Knies seinen Job und klagt seinem Bruder Clyde sein Leid. Dieser arbeitet in einer Bar, nachdem er beim Einsatz für sein Vaterland einen Arm verloren hat. Quasi bankrott und ohne Perspektiven planen die Brüder einen Überfall auf die NASCAR-Rennstrecke in Charlotte. Um den Safe letztlich überwinden zu können benötigen sie den Panzerknacker Joe Bang, der aktuell jedoch im Gefängnis sitzt.

Neben den dunklen Machenschaften ist Jimmy aber auch der Vater einer jungen Tochter, von deren Mutter er getrennt lebt. Während diese sie in einen kindlichen Schönheitswahn treibt, bildet Jimmy den geerdeten Gegenpart, der gemeinsames Eisessen für die Entwicklung seines Kindes für wichtiger erachtet. Der gefallene Star-Quarterback mit Herz und Familie also.

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Foto: Constantin Film

Starpower à la Ocean's Eleven

Für das Drehbuch zeichnet Rebecca Blunt verantwortlich. Bei näherer Recherche fällt auf: Dabei handelt es sich um Soderberghs Frau, die sich hinter einem Pseudonym verbirgt. In Sachen Besetzung trumpft die Produktion auf. Channing Tatum ("Magic Mike") schlüpft in die Rolle von Jimmy Logan, Adam Driver ("Star Wars VII") spielt seinen Bruder Clyde und Daniel Craig (aktueller James Bond) verkörpert Joe Bang. In den Nebenrollen gibt es ebenso viele Stars: So sind Katherine Waterston ("Alien"), Katie Holmes ("Dawsons Creek"), Seth MacFarlane ("Ted") und Hilary Swank ("Buffy", "Karate Kid IV") zu sehen. Soderbergh neigt also wieder zu Superlativen und das, obwohl erstmals seine eigene Verleihfirma Fingerprint Releasing für den Film verantwortlich ist.

Technik und Humor – ein Wechselbad der Gefühle

Der Film kommt ohne nennenswerte technische Spielereien aus, dementsprechend sind auch die Bilder deutlich weniger beeindruckend als in der Ocean's-Trilogie. Soderbergh selbst war für Kamera und Schnitt zuständig, so erhält der Film noch mehr direkten Einfluss aus den ideologischen Vorgängern. An Gags und Pointen mangelt es nicht, alle Charaktere liefern immer gute Aussagen. In Sachen Niveau geht es aber nie über Einzeiler hinaus, diese sind obendrein sehr ungleichmäßig verteilt. Generell hat der Film ein Problem mit dem Erzähltempo, vor allem die Vorbereitung des Überfalls und der Aufbau der Szenerie und der Beziehungen dauern zu lange. Mit fast zwei Stunden ist es aktuell auch einer der längeren Kinofilme.

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Foto: Constantin Film

Liebe zum Detail und jede Menge Herz

Auf der anderen Seite besticht der Film durch seine unheimliche örtliche Verbundenheit und die nahtlose Integration in die Gegenwart. So fordern die Häftlinge während eines Gefängnisaufstandes Unmögliches. Entlassung? Freiheit? Ach nein. Sie fordern die letzten zwei Bände von "Game of Thrones" für die Gefängnisbibliothek. Als sie eingesperrt wurden, war der Roman schließlich mit einem finalen Datum angekündigt. Das George R. R. Martin "The Winds of Winter" immer weiter verschoben hat, können die Inhaftierten natürlich nicht wissen. Neben diesen popkulturellen gibt es viele lokale Bezüge und schöne Aufnahmen von den "Country Roads".

Menschlicher Reboot einer genialen Reihe

Auch wenn es einige erzählerische und filmische Schwächen gibt, ist Logan Lucky eine erstklassige Gaunerkomödie, die wesentlich realer und geerdeter wirkt als die erfolgreiche Ocean's-Reihe. Dadurch erscheinen die Charaktere nahbarer. Dadurch entstehen deutlich mehr Sympathie und Gefühl. So kann das Starfeuerwerk über zwei Stunden gut unterhalten und macht (konkrete) Hoffnung auf eine Fortsetzung.

 

Weekend-Blogger Jan Gruber ist Blogger und Podcaster aus Leidenschaft. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich aus diesem Hobby heraus viel mit Technik und Medien aller Art. Dennoch ist er kein Couchpotatoe, seine Freizeit genießt er beim Sport in der Natur. Für seinen Blog sieht er sich die neuesten Kino-Streifen an.

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