LG V30: Die Koreaner attackieren die Oberklasse

2017 war leider kein allzugutes Smartphone-Jahr für den koreanischen Konzern. Das LG G6 war zwar ein tolles und solides Gerät, hatte aber gegen das Samsung Galaxy S8/S8+ leider wenig Chancen und wurde nach kurzer Zeit verramscht. Dann stellte LG das V30 vor und überraschte viele damit. Ich konnte es persönlich auf der IFA im September begutachten - leider passierte LG auch hier ein Patzer. Das Gerät erschien viel zu spät in Österreich und Deutschland. Trotzdem habe ich ihm eine Chance gegeben und wurde mehr als positiv überrascht. Mehr dazu im Test.

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Foto: Lukas Steinberger
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Foto: Lukas Steinberger

Ich oute mich als LG-Fan. Das G2 war meiner Meinung nach eines der besten Android-Smartphones seiner Zeit und hat mir lange treue Dienste geleistet. Nach unserer Trennung habe ich zwei Nummern ausgelassen und bin dann mit dem G5 zu LG zurückgekehrt. Auch das Gerät hat mich begeistert, es war aber leider kommerziell kein Erfolg und brachte die Smartphone-Sparte des zweiten großen Big Players aus Korea ziemlich in Bedrängnis. Auch das G6 war leider nicht der erhoffte Mega-Seller. Und so steht LG Anfang 2018 mit heruntergelassenen Hosen da - wäre da nicht das V30. Ich hatte es zwei Wochen als Daily Driver und habe es auf Herz und Nieren getestet.

Design-Beauty!

Schon beim Auspacken war ich gespannt - ich hatte das Smartphone zwar wie erwähnt auf der IFA in Berlin in der Hand, aber mittlerweile schreiben wir 2018, und durch meine Hände sind seit damals auch andere Smartphones gegangen. Deswegen gleich der AHA-Effekt. Das V30 ist eine richtige Schönheit. Das Glas-Design, die edle Verarbeitung, das 18:9-Display, der richtig plazierte Fingerabdruck-Scanner. All das ergibt ein stimmiges Gesamtbild. LG ist hier wirklich ein Handschmeichler gelungen, der zwar ein wenig rutschig in der Hand liegt, aber das "Problem" haben alle Glas-Smartphones dieser Tage.

Ein Blick auf die Rückseite der Korea-Flunder zeigt mir ein spannendes Logo - nämlich jenes von Bang & Olufsen, der dänischen Kultmarke. Ja genau - LG und B&O haben zusammengearbeitet und das äußert sich auch bei den Audio-Komponenten im Smartphone UND den beigelegten In-Ear-Kopfhörern der Marke. Wer mal einen Ausflug auf Geizhals unternimmt und sich die Preise von B&O ansieht, kann sich ausmalen, wie wertvoll diese Beigabe ist. Ich gebe zu, ich war das erste Mal in Versuchung, die Kopfhörer eines Testgeräts zu "verlieren". Spaß beiseite - hab' ich natürlich nicht gemacht - aber kurz (so eine Millisekunde) daran gedacht.

Wer jetzt glaubt, ich lasse mich von solchen Äußerlichkeiten blenden, der kennt mich schlecht. Erst wenn das Display das erste Mal angeht, bin ich glücklich.

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Foto: Lukas Steinberger

Hardware - Best of 2017!

... also gleich mal einschalten - aber hoppla! Wo ist denn der Knopf? Ja, das ist eine LG-Eigenheit. Es ist - traraaa - der Fingerabdruck-Sensor! LG verbaut bei vielen seiner Flaggschiffe den On/Off-Button hinten am Gerät. Sehr praktisch, wenn man das Gerät in der Hand hält - wenn es flach am Tisch liegt, eher weniger, aber dafür gibt es den Knock-Code. Man tippt eine Kombination auf den Bildschirm, und schon ist das Gerät an. Genial und einfach.

Aber zurück zum Display. Das ist ein 6-Zoll 18:9 P-OLED-Screen mit 2880 x 1440 Pixel. In nicht-nerdigen Worten: ein Hammer! Satte Farben, schwarz "as schwarz can be" und tolle Kontraste, dazu HDR10/Dolby Vision-fähig. Kann definitiv mit den AMOLED-Displays von Samsung mithalten. Deswegen wundert es mich, dass LG so zurückhaltend mit OLED in seinen Smartphones ist. Bei Fernsehern sieht die Sache nämlich genau anders aus: Da ist LG führend in der OLED-Technik. Naja egal - Exkurs beendet. Das Display passt, die restlichen Innereien auch.

Der Snapdragon 835 wird von 4 GB RAM und 64 GB schnellem UFS-Speicher flankiert. Das ergibt eine Top-Performance - wobei 6 GB Ram bei den großen Android-Flaggschiffen (Samsung Galaxy Note 8, Huawei Mate 10 Pro) mittlerweile fast Usus sind. LG hätte hier ruhig etwas mutiger sein dürfen, aber wie gesagt - die Performance passt.

Der Fingerabdruck-Scanner entsperrt das Gerät sehr schnell, der integrierte Lautsprecher ist keine mobile Boombox, aber laut genug. Spannend wird es wenn wir den 3,5 mm starken Klinkenanschluss anschauen (ja das V30 hat ihn noch). Hier kommt nämlich die Zusammenarbeit mit B&O zu tragen. Der integrierte 32bit/192 kHz-Wandler ist nämlich B&O Play-zertifiziert und liefert sehr guten Sound. Vor allem zusammen mit den beigelegten Kopfhörern ist die Musik ein Genuss. Oft sind solche Kooperationen nur ein Marketing-Gag, bei LG dürfte es sich allerdings wirklich ausgezahlt haben.

Auch die restliche Hardware überzeugt. Die beiden Kameras liefern tolle Bilder. Das Weitwinkel-Objektiv ist besonders lässig und lässt neue Perspektiven zu. Die Selfie-Cam ist in Ordnung. Alles in allem eine gelungene Hardware-Zusammenstellung von LG. Selbst der Akku hat mich überrascht. Bei den 3.300 mAh am Papier wurde ich sehr nervös - ich hasse nichts mehr als zwischenladen untertags. Und bei allem Flaggschiffen mit Kapazitäten um die 3.000 mAh ist das leider bei mir notwendig. Aber hoppla - das LG überrascht. Ich habe es ausführlich gequält und am Abend hatte ich meist noch um die 30 - 40 Prozent auf der Anzeige. Da haben die Koreaner toll optimiert - obwohl noch Android 7 und nicht das neueste Android 8 am Gerät werkelte. Chapeau - für mich als Akku-Fetischisten eine großartige Leistung. Wireless Charging ist diesmal auch mit dabei - sehr praktisch.

Die Software ist recht verspielt, bietet aber viele Einstellmöglichkeiten und erweitert das pure Android um viele Funktionen. Schade fand ich die vereinzelten Ruckler, die in Spielen und beim Scrollen auftraten. Auch der Sicherheits-Patch war leider nicht mehr der neueste - das Smartphone bot mir aber keinerlei Updates an. Alles in allem mag ich jedoch die LG-Version von Android, in dem Fall die LG UX 6.0+.

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Foto: Lukas Steinberger

Fazit - fast perfekt!

Ach LG - was habt ihr mit dem V30 für ein tolles Gerät gezaubert. Alles passt - vom Display über die Kameras bis zum Design. ABER - es ist einfach zu spät am Markt! Das Samsung Galaxy Note 8 hat sich im Herbst 2017 die Fans großer Displays abgeholt, dann kurz darauf kam mit dem Huawei Mate 10 Pro ein weiterer Knüller, und das V30 hat sich immer weiter verspätet, bis es dann Ende 2017 endlich erhältlich war. Zu einem Preis von 899 Euro (unverbindliche Preisempfehlung). Puh - erstmal schlucken. Apple hat zwar mit dem X die Preislatte nochmal nach oben gelegt, aber leider auch die Marktmacht, so etwas zu tun. Auch Samsung kann sich als Nummer 1 am Smartphone-Markt solche Preissprünge nach oben am Papier erlauben. Aber LG? Da wäre viel über den Preis gegangen - mittlerweile ist das Gerät um rund 650 Euro zu haben - geht in Ordnung für das Gebotene, aber 899 Euro war definitiv zu viel.

Leider leider sind LG im Jahr 2017 viele Fehler passiert, das V30 war aber keiner und bekommt von mir 9 von 10 Bewertungspunkten. Wer ein top-verarbeitetes Smartphone sucht, der liegt hier richtig. Nicht zu vergessen die tollen B&O In-Ear-Kopfhörer als Beigabe! Das neue LG G7 soll heuer Mitte des Jahres kommen - ich bin gespannt, ob LG an das tolle V30 anschließen kann. Bis zum nächsten Mal.

Hinweis: Das Testgerät wurde mir für einen begrenzten Zeitraum von LG zur Verfügung gestellt.

 

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben

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