Wenn der Kulm ruft ...

Nach berühmten, belebten Großstädten sucht man in der Obersteiermark, die eher für ihre schönen Bergketten und saftig grünen oder schneebedeckten Landschaften bekannt ist, vergeblich. Wenn jedoch der Skiflug-Weltcup am Kulm gastiert, ist die gesamte Region in heller Aufruhr.

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Foto: Stefan Kapeindl

Ein Wochenende lang wagen die besten Skiflieger der Erde (und auch der Luft) den Flug von einer von insgesamt nur fünf Skiflugschanzen weltweit. Wie kleine Vögelchen im Tiefflug segeln die Skiflieger den schwindelerregend steilen Hang herunter. In ihren hautengen Anzügen stürzen sie sich 197 Meter in die Tiefe, um - unten angekommen - graziös zu landen. Unvorstellbar muss das Gefühl sein, mit rasanter Geschwindigkeit in Richtung der vor Begeisterung tobenden, Fahnen schwingenden Menge zu springen.

Auch für mich geht es bei einer Schanzenführung hoch hinaus. Neben dem Turm, aus dem die Kampfrichter ihre Punkte vergeben, besuche ich auch den höchsten Punkt der Sprungschanze in luftiger Höhe. Aufgrund meiner Tollpatschigkeit und nicht vorhandenen Flugerfahrung gehöre ich an diesem Skiflug-Wochenende nicht zu den Ski-Überfliegern, sondern stehe den Presse-Leuten von Print, TV und Radio aus Österreich, Deutschland, Slowenien, Frankreich, Polen und sogar Japan als Hostess im Presse-Zentrum mit Rat und Tat zur Seite. Neben Auskünften über das Programm, geänderte Starttermine und Wetterverhältnisse versorge ich sie mit Infos über Weltranglisten sowie auch prominente Gäste. Die Kommentatoren wie unter anderem Andi Goldberger bekommen von mir Listen über Listen, und den drei besten Sportlern, die auf dem Podest gelandet sind (zwar nicht direkt vom Skiflug aus, sondern im übertragenen Sinn) lausche ich andächtig bei der nach der Siegerehrung stattfindenden Pressekonferenz. 

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Foto: SL

Während nur wenige Auserwählte das streng geheime Springerdorf betreten dürfen, wo jede Nation einen Container für ihre Vorbereitungen nutzt, herrscht auf der sogenannten Fliegerwies'n Bierzeltstimmung, und die Reichen und Schönen lassen sich im VIP-Zelt ihre Popöchen von Lammfellpölstern wärmen. Samstagabend findet in der Grimmingtherme die Winnersparty statt, bei der diesmal besonders die japanische Skisprunglegende Noriaki Kasai gefeiert wurde. Ich begleite ihn sogar durch das Blitzlichtgewitter zur Bühne.

Die meisten Skispringer müssen die Party zwar relativ schnell wieder verlassen, da sie am nächsten Tag mit klarem Blick und null Promille Alkohol im Blut fliegen müssen, doch ein paar Promis wie der Veranstalter und ehemalige Skispringer Hubert Neuper, Gregor Schlierenzauer, Martin Koch, Lukas Müller, DJ Ötzi und natürlich wir Hostessen feiern die gelungene Veranstaltung gebührend.

Der alleinige glückliche Gewinner dieses Skiflug-Wochenendes, der vor tausenden Zuschauern den Sieg holte, heißt Andreas Stjernen aus Norwegen - der zweite Bewerb am Sonntag musste wegen starken Windes leider abgesagt werden. Mit 244 Meter Flugweite bleibt somit der Slowene Peter Prevc Schanzenrekordhalter des Kulms. An diese Glanzleistung konnte auch an diesem Wochenende keiner herankommen.

 

Sandra Leitner ist gerne und viel unterwegs. Auf ihren Reisen erlebt sie so manches Abenteuer. In ihrem Blog auf weekend.at lässt sie die Leser an ihrem abwechslungsreichen Alltag teilhaben.

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