Kinder-Freundschaften: Als ob sie sich schon ewig kennen würden

Im Urlaub im Strandbad spielt mein Junior mit wildfremden Kindern, als wären sie schon lange die besten Freunde. Damit widerlegt er Klischees und die Gene seines Vaters.

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Foto: KatarinaGondova/iStock/Thinkstock

Die Sonne scheint. Die Temperaturen klettern. Und vormittags um 10 Uhr kann man sich den Platz im Strandbad des Vertrauens auch noch aussuchen. Wir haben das im Urlaub sehr genossen – und unser Zweijähriger auch. Als wir uns an einem Tag in unmittelbarer Nähe zu einer anderen Familie niedergelassen haben, dauerte es nicht lange, da hatte unser Junior schon eine neue Freundin gefunden.

Als ob sie sich schon ewig kennen

Das süße Mädchen von nebenan und mein kleiner Bub kamen sich bei dem Austausch von Keksen recht schnell nahe, und damit auch meine Frau und ich der Mama und der Oma des anderen Kindes. Dass unser Bub ein halbes Jahr älter ist als seine neue Spielgefährtin, sah man den beiden zwar an.

Aber es war für keinen der beiden ein Problem.

Man verständigte sich eben mehr mit Taten als mit Worten. Innerhalb von Minuten konnte man den Eindruck gewinnen, die beiden würden Tür an Tür aufwachsen und sich praktisch seit ihrer Geburt kennen. Spielzeug wurde ebenso ohne Drama geteilt wie die Kekse, sie waren in ihre eigene Welt abgetaucht.

Kaum Streit um Nutzungsrechte

Dass das Ganze auch im etwas größeren Maßstab funktioniert, merkten wir ein wenig später, als die beiden in Richtung große Sandkiste marschierten. Praktischerweise befand sich diese direkt neben dem Strandbad-Café, und so konnten wir alle gemeinsam bei einem Cappuccino beobachten, wie immer mehr Kinder dazukamen.

Schaufeln, Förmchen und Kübelchen gingen reihum.

Und das, wohlgemerkt, ohne dass wir Erwachsenen eingreifen mussten. Die einzigen zwei Kinder, die sich doch über die Nutzungsrechte einer Schaufel bzw. Schürfrechte in ihrem Einflussbereich in die Haare bekamen, waren tatsächlich Brüder. Dass die übliche Zeit für das Mittagsschläfchen immer näher rückte, interessierte die Kids auch nicht.

Man arrangiert sich problemlos

Irgendwann, weit nach seiner üblichen Zeit, legte sich unser Junior dann doch in die Strandmuschel und döste ein. Wir waren beeindruckt von den sozialen Fähigkeiten, die eigentlich alle an diesem Vormittag beteiligten Kinder an den Tag gelegt hatten. Ganz einfach und ganz natürlich, ohne Aggressivität.

Bis zu welchem Alter das wohl so klappt?

Und es gab uns schon ein wenig zu denken. Die Kleinen kamen nicht einmal auf die Idee, sich zu zanken, obwohl sie sich vorher noch nie gesehen haben und die Eigenheiten des anderen nicht kannten. Sie versuchten nicht eisern, ihren Willen durchzudrücken, sondern arrangierten sich und teilten ihre Spielsachen freiwillig.

Muss man Streit also erst lernen?

Jetzt weiß ich nicht: War das Zufall, dass da einfach ein paar recht relaxte Kleinkinder zusammen gekommen sind? Haben manche Kinder einfach eine Ader für Konfrontation oder für Egoismus, unabhängig von Eltern und sozialem Umfeld – und andere nicht? Muss man Streit erst "lernen" - von eifersüchtigen größeren Geschwistern, auf Krawall gebürsteten Eltern oder halbstarken Halbwüchsigen im Kindergarten oder Schule?

Da gibt es sicher schlaue Studien dazu.

Vor allem haben wir nicht ohne ein Lächeln im Gesicht wahrgenommen, dass die beiden Kids, die sich da im Strandbad vom ersten Augenblick an gut verstanden und alles bereitwillig geteilt haben, jeweils Einzelkinder sind. Wenn es also das Klischee gibt, dass Kids ohne Geschwister einen Hang zur Egomanie haben, wurde er in diesem Einzelfall eindrucksvoll widerlegt.

Einzelkinder-Klischee widerlegt

So oder so: Wir freuen uns einfach, dass es unserem Kind so leicht fällt, Kontakte zu (mehr oder weniger) gleichaltrigen Kindern zu knüpfen. Wir wissen, dass das keine Selbstverständlichkeit ist, und vor allem weiß ich, von wem er diese Gene nicht haben kann. Ich selbst war nämlich eher ein verschüchtertes Kind.

Und dabei bin ich mit Geschwistern aufgewachsen!

 

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball–Fan, Ehemann - und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher - auch wenn es um seine Familie geht - mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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