Netflix im Kino – Killer’s Bodyguard

Während passend im Hintergrund Whitney Houston "I will always love you" trällert, wird der Zuschauer in eine humorige Neuauflage von "The Bodyguard" entführt. Bekannte Gesichter, viel Fäkalsprache, eine Prise Humor und eine dann doch überraschend tiefgründige Geschichte sind die Erfolgszutaten von "Killer's Bodyguard".

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Foto: 20th Century Fox

Die Produktion des Films übernahm diesmal Netflix, nach der Ausstrahlung im Kino wird der Film den Katalog des Streamingdienstes prominent erweitern. Die Industrie wächst immer weiter und sorgt zusehends für eigene Inhalte. Auch Amazon geht derartige Kooperationen ein, zuletzt bei der Neuauflage der Bullyparade.

Bekannte Gesichter

Regie führt Patrick Hughes. Er war zuletzt für "Expendables 3" verantwortlich, dort konnte er gute Erfahrungen für dieses Genre sammeln. Die Hauptrollen übernehmen Ryan Reynolds (Deadpool) als Michael Bryce und Samuel L. Jackson (Triple X, Kong: Skull Island), der dem Gangster Darius Kincaid sein Gesicht verleiht. Der Antagonist wird von Gary Oldman (Das Jerico Projekt) würdig dargestellt, während Salma Hayek (Kindsköpfe) als die Geliebte von Kincaid in einem Gefängnis in Amsterdam ausharren muss. Neben vielen bekannten Namen kann aber auch Élodie Yung als Ex-Freundin von Bryce überzeugen.

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Foto: 20th Century Fox

Jagd durch Europa

Unüblich für eine derartige Produktion: Die komplette Handlung findet in Europa statt. Der weißrussische Diktator Vladislav Dukovich steht vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Zeugen werden systematisch ausgeschaltet, sodass die Verhandlung zu scheitern droht. Die englische Regierung greift zu ihrem Geheimjoker - dem Gangster Darius Kincaid. Während Interpol ihn in die Niederlande transportieren möchte, kommt es zu einem Zwischenfall. Die junge Agentin Amelia ruft ihren Ex-Freund zu Hilfe. Früher war er ein gefeierter Erste-Klasse-Bodyguard, ehe er einen Klienten während eines Einsatzes verlor. Ausgerechnet durch die Hand von Kincaid - so gibt es viel Potential für humorige Wortgefechte auf dem gefährlichen Weg nach Den Haag.

Netflix oder Kino?

Technisch kann "Killer's Bodyguard" leider nicht mit anderen Filmen des Genres mithalten. Das Budget war mit kolportierten 30 Millionen Dollar auch deutlich hinter dem Budget vergleichbarer Produktionen. Die Action-Sequenzen sind rasant und beeindruckend inszeniert, statt im Studio zu drehen werden wir hier an ansehnliche Drehorte in Großbritannien und den Niederlanden geführt. Sonst hat die Produktion aber deutliche Schwächen in klassischen Disziplinen wie Make-up, Beleuchtung und Synchronisation. Zwar sind diese Fehler keine Show-Stopper, dennoch ist spürbar, dass der Film nicht in erster Linie für die große Leinwand produziert wurde.

Die musikalische Untermalung muss ich lobend erwähnen, hier gibt es bekannte Stücke von Chuck Berry, Lionel Richie oder den Foreigners. Damit entwickelt der Film ein angenehmes 90er-Gefühl.

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Foto: 20th Century Fox

Nur nicht ernst nehmen

Sehr viele Action-Filme leiden darunter, dass sie sich selbst viel zu ernst nehmen. "Killer's Bodyguard" begeht diesen Fehler auf jeden Fall nicht. Während die Handlung eigentlich sehr ernst ist, lockert der lustige Twist zwischen den beiden Charakteren immer wieder gekonnt auf. Der Humor funktioniert hier größtenteils, warum die Produktion aber auf derartig viel Fäkalsprache zurückgreifen musste, bleibt mir unklar. Zwar ist diese deutlich weniger als es im Trailer noch den Eindruck erweckt, andererseits ist diese absolut unnötig und trägt nichts zum Humor oder der Atmosphäre bei.

I will always love you

Nach dem Trailer erwartete ich, ein nur von Schimpfworten durchzogenes, absolut sinn- und hirnbefreites Action-Spektakel zu sehen. Zum Glück habe ich mich sehr geirrt. "Killer's Bodyguard" bietet zwei Stunden überraschend tiefgehende Action und Handlung an schönen Drehorten mitten in Europa. Das Hauptdarsteller-Duo funktioniert perfekt und kann gut unterhalten, während es gegen den wie immer super von Gary Oldman verkörperten Antagonisten geht. Nebenher bleibt sogar Platz für zwei emotionale, glaubhafte Liebesgeschichten.

 

Weekend-Blogger Jan Gruber ist Blogger und Podcaster aus Leidenschaft. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich aus diesem Hobby heraus viel mit Technik und Medien aller Art. Dennoch ist er kein Couchpotatoe, seine Freizeit genießt er beim Sport in der Natur. Für seinen Blog sieht er sich die neuesten Kino-Streifen an.

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