Katzen können böse sein

Mission Impossible. Ella und Carlos lieben es, Dinge runter zu schmeißen. Manchmal sehen sie mir dabei sogar direkt in die Augen. Ein "Nein" beeindruckt sie nicht großartig. Da stellt sich mir die Frage: "Kann man Katzen erziehen?" Oder schaffe nur ich es nicht, meine Katzen zu erziehen?

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So gemütlich, der Esstisch. Foto: Conny Engl
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Ob er sich schon überlegt, was er als nächstes anstellt? Glauben Sie mir, der unschuldige Blick täuscht! ;-) Foto: Conny Engl
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Gespielt wird überall. Foto: Conny Engl
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Sie sehen so unschuldig aus, wenn sie schlafen. Foto: Conny Engl

Schon vor rund einem Jahrhundert soll der Schriftsteller Kurt Tucholsky gesagt haben: "Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal". Wie treffend! Ja, die süßen Miezen sind definitiv sehr eigensinnig und erziehen sich die Menschen so, dass sie kriegen, was sie wollen. Als "Löwe" imponiert mir ja das Wesen von Katzen … irgendwie. Sie müssen wissen: Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Nie gab es Katzen in meinem Leben oder in meinem näheren Umfeld. Was war ich naiv, als ich Ella letztes Jahr zu mir holte … ich dachte doch tatsächlich, dass eine Katze auch ein "Nein" versteht.

Glaubenssätze

Anfangs bekam ich überall zu hören: "Katzen kannst du eben nicht erziehen". Gut, dachte ich, muss ich mich halt damit abfinden, dass meine Küchenvorhänge einem Emmentaler Käse gleichen, Blumenerde nicht mehr im Topf, sondern in der ganzen Wohnung verstreut ist, und meine Teppiche aussehen, als würden sie sich die Haare sträuben. Damit muss ich leben. Ella oder Carlos wegzugeben kam nicht in Frage, ich hatte sie schon viel zu sehr ins Herz geschlossen.

In letzter Zeit habe ich mich mit vielen Katzenhaltern unterhalten und darüber geklagt, wie sehr mich meine Süßen oft ärgern. Auf einmal höre ich: "Na, dann musst du sie erziehen". Wie bitte? Da rütteln Leute plötzlich an meinem seit einem Jahr fest verankerten Glaubenssatz. Ich befrage "Dr. Google". Das Ergebnis: Alle Artikel, die ich überfliege, beantworten die Frage "Kann man Katzen erziehen?" mit einem mehr oder weniger eindeutigem "Ja". Nur das Wort "erziehen" wird hier und da in Frage gestellt, aber etwas lernen kann man Katzen angeblich auf jeden Fall.

Google macht nicht immer schlauer

Die Tipps bzw. Todsünden, die das Internet so ausspuckt, sind meines Erachtens größtenteils selbstredend und waren für mich jetzt nicht die große Erkenntnis. "Schreien Sie Ihre Samtpfote niemals an!", heißt es etwa. Na no na ned. Dass Katzen ein sehr empfindliches Gehör haben, sollte man als Besitzer schon wissen. Oder: "Macht Ihre Katze etwas Unerwünschtes, muss die Bestrafung unmittelbar folgen, sonst weiß sie nicht, wofür sie gerade gerügt wird". Leuchtet ein.

Oftmals liegt ja auch genau hier das Problem: Wenn ich nach einem Arbeitstag nach Hause komme, sieht meine Wohnung meistens nicht mehr so aus wie in der Früh, als ich sie verlassen habe. Da ist das Bild an der Wand verrückt, der Teppich liegt zusammengestaucht in der Ecke, meine sorgfältig geordneten Dokumente am Schreibtisch sind auf einmal kreuz und quer verteilt, und mein Lieblings-Kugelschreiber ist nirgendwo aufzufinden.

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Beim Spielen wird schon mal die Tischdecke "zernudelt" oder es fliegt eine Kerze vom Tisch. Foto: Conny Engl

"Monk" ausgetrieben

Wie so vieles, hat aber auch das seine gute Seite: Mein "Monk"-artiges Verhalten hat sich, seit Ella und Carlos bei mir sind, fast vollständig verflüchtigt. Sie kennen Adrian Monk, oder? Die TV-Serie über einen hoch neurotischen Privatdetektiv. Genauso wie er, habe ich es nie ausgehalten, wenn ein Bild schief hängt – auch wenn es in einer Arztpraxis war, ich rückte es wieder gerade. Kerzen und andere Dekomittel hatten bei mir in der Wohnung immer einen bestimmten Platz. Dem ist nun nicht mehr so.

K(l)eine Erfolgsgeschichte

Zurück zum Thema: Je mehr ich über Erziehung nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass ich Ella und Carlos in gewissen Dingen sehr wohl "erzogen" habe. Zum Beispiel, wenn ich esse. Da lassen sie mich in Ruhe. Kommen Sie in meine Nähe, genügt ein böser Blick und sie sind ein "Wolkerl". Naja, mehr ist mir dann aber nicht eingefallen.

Ich versuche jedoch gerade, den beiden beizubringen, dass sie gnädigerweise keine Sachen mehr von den Regalen runter schmeißen. Ja, das machen sie gerne, und ich bin mir sicher, sie wissen, dass Frauli das nicht gefällt, dennoch (oder womöglich gerade deswegen?) tun sie es. Ein Freund hat mir empfohlen, die Katze in solchen Situationen beim Nacken zu packen und auf den Boden zu drücken. Für mich hörte sich das etwas brutal an, aber als Carlos kürzlich wieder Fotos von meiner Pinwand runterfetzte, dachte ich ebenso wütend wie entschlossen: "Wenn nicht jetzt, wann dann?" – und packte Carlos hinten. Nachdem ich ihn zu Boden gedrückt hatte, drehte sich mein wiffes Burli einfach auf den Rücken und seine großen grünen Augen schrien: "Streichel mich!"

Tja, das ging nach hinten los. Ob ich demnächst – oder überhaupt irgendwann – erzieherische Erfolge erzielen werde, steht in den Sternen – oder besser gesagt, in den funkelnden Augen von Ella und Carlos.

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Milady. Foto: Conny Engl

 

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Staring out the window. Foto: Conny Engl

 

Weekend-Redakteurin Conny Engl ist seit einigen Monaten Katzenmama. Ella und Carlos heißen ihre beiden Mitbewohner, wobei sie scherzhaft einräumt, dass mittlerweile eher sie die Mitbewohnerin ist als umgekehrt. Auf weekend.at teilt sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse und vieles mehr rund um das Thema Katzenhaltung.

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