Fußbodenaufbau in Eigenregie - geht das?

"Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen". Nehmen wir dieses Sprichwort wortwörtlich, dann gilt in unserem Fall: "Wer im Holzhaus wohnt, sollte nicht mit Flammen spielen!" Also liebe Florianis, Pyromanen und feueraffine Mitbürger, ab hier heißt es: Bitte wegschauen. Ich übernehme keine Haftung für etwaige psychische Folgeschäden. Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

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Foto: pexels.com

Nun sind wir ja schon ziemliche Profis in Sachen Selbstausbau oder vielleicht besser gesagt: ambitionierte Amateure und NEIN, ich meine nicht im Sinne von Tim Taylor, dem Heimwerker-King (für diejenigen unter uns, die sich noch erinnern können). Also lassen wir uns auch von den nächsten Schritten zum neuen Ofen und der kuschlig warmen Fußbodenheizung nicht aus unserer "Do It Yourself"-Bahn werfen.

Die alten Parkettbretter haben endgültig ausgedient! Die Spuren der jahrelangen Beanspruchung sind unübersehbar und auch die Konstruktion wäre nicht für die Verlegung der Heizungsschläuche geeignet. Besser gesagt, es gibt bis dato eigentlich keinen richtigen Fußbodenaufbau in unserem Wohnzimmer. Vielmehr findet sich unter den Brettern statt der erwarteten Dämmung eine Schicht aus Sägespänen, Nussschalen und sonstigen unterschiedlichen Futter- und Nistmaterialresten. Marder am Dachboden, Amsel, Meise und Co in der Dachrinne und jetzt Mäuse unter dem Boden? Niemand hat mir gesagt, dass wir mit der Arche Noah konkurrieren wollen! Zum Glück befindet sich darunter eine solide  Betonschicht, die sich sehr gut als Basis für den Aufbau des zukünftigen Bodens inkl. Heizung eignet.

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Foto: Katrin Ostleitner

Die einzelnen Schritte:

Im Baumarkt unseres Vertrauens holen wir uns fachkundige Beratung und stellen fest: So einfach und schnell, wie wir dachten, ist ein Bodenaufbau nicht zu bewerkstelligen. Vor allem die Trocknungszeiten der einzelnen Materialien bereiten uns Kopfzerbrechen. Immerhin rückt der Winter unerbittlich näher.

Was wir benötigen:

  • Isolieranstrich
  • EKV4 Bitumenfolie
  • Randstreifen
  • Baumit E225 Estrich für Fußbodenheizung
  • Baufolie
  • Dämmplatten + Heizschläuche (seitens der Installateuerfirma)
  • Arbeitsmaterialien wie: Flämmer, Gasflasche, Pinsel oder Rolle, Kübel + Scheibtruhe

Man glaubt ja gar nicht, wie viele Säcke Estrich man für 32 Quadratmeter Wohnzimmer benötigt. Wir sind fassungslos, nehmen den günstigen Lieferservice mit Freude in Anspruch und sind drei Tage später in Besitz von 4.000 Kilogramm Beton in Form von 100 mal 40 Kilogramm-Säcken sowie allen weiteren essentiellen Baustoffen.

Allerdings: Lieferung nur bis Grundstücksgrenze möglich - AJA! Wer hat behauptet, dass "Häuselbauer" immer hart gesotten sein müssen? Hier kommt die Stelle, an der auch mal die eine oder andere Träne der Anstrengung vergossen werden darf.

Wieder einmal wird uns bewusst: Die Scheibtruhe ist die wichtigste Anschaffung eines jeden Haus- und Hofbesitzers. Trotzdem halbwegs motiviert machen wir uns daran, die drei Paletten auf die Terrasse zu befördern. Fitnesscenter war gestern.

Der Isolieranstrich

Bevor es nun endlich mit Mischen, Rühren, Schaufeln und Sich-Dreckig-Machen losgehen kann, ist eine Isolierschicht, die die Feuchtigkeit des Grundbetons draußen halten soll, von Nöten. Wir benutzen "Isolieranstrich-F" der Firma Avenarius Agro - einfach zu verarbeiten, indem man die zähe teerige Masse mittels Pinsel oder Rolle auf den sauberen Boden aufträgt. Dabei sollte man darauf achten, auch die Kanten oder kleinere Unebenheiten gut einzustreichen.

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Foto: Katrin Ostleitner

TIPP: Bitte unbedingt bei offenen Fenstern anwenden, der Geruch des enthaltenen Lösungsmittels reizt Atemwege und Augen. Ganz abgesehen von der sinne-benebelnden Wirkung (auch wenn diese in Anbetracht der noch ausstehenden Arbeiten vielleicht wünschenswert wäre).

Ebenfalls empfehlenswert: Kleidung und Schuhe tragen, die man nachher nicht mehr anziehen oder nur noch als Kunstobjekt bzw. Weihnachtsgeschenk an unliebsame Verwandte verwenden möchte - denn die klebrige Bitumenschicht ist ziemlich hartnäckig. Sollten doch Flecken entstehen, die man entfernen möchte, wirkt Nitro-Universalverdünner Wunder.

Nach 48 Stunden Trocknungszeit kann mit dem Flämmen der Bitumenfolie begonnen werden. Diese kommt in praktischen 10 x 1 Meter-Rollen daher und ist mit einem Haken-Teppichmesser leicht in die gewünschte Größe zu bringen. An den Stoßkanten sollte man eine Überlappung von ca. 15 Zentimeter, an den Wandkanten ca. 10 Zentimeter berücksichtigen. Somit entsteht eine durchgängige wasserresistente "Wanne".

Jetzt wird’s heiß!

Nach dem richtigen Zuschnitt der Bahnen geht's jetzt endlich an das Spiel mit dem Feuer. Die Gasflaschen, die uns unser Nachbar - ebenfalls passionierter Camper - geborgt hat, sowie der Aufschweißbrenner warten ungeduldig auf ihren Einsatz.

Wir testen die Gerätschaft vorsichtshalber außerhalb des Hauses, denn wie schon erwähnt, es besteht aus Holz und sollte das auch noch länger tun. Also: Gas an, Feuerzeug und:  Wusch, eine Stichflamme – gefolgt von lautem Zischen. Noch ein wenig an der Feinjustierung gearbeitet und wir wagen uns ans Material.

Die vorab zugeschnittenen Bahnen haben wir zwecks der einfacheren Handhabung wieder zusammengerollt, eine Eisenstange durchgeschoben, um einen gleichmäßigen Anpressdruck beim Anbringen zu erhalten, und an den vorgesehenen Stellen platziert. Mit dem Flämmer wird nun Stück für Stück die Oberfläche erhitzt, bis diese wachsartig ist. Beim Abrollen verbindet sich die zähflüssige Teerschicht mit dem Untergrund und bildet somit die gewünschte Isolationsmatte. Bahn für Bahn verkleiden wir unseren Wohnzimmerboden. Ganz zum Schluss wagen wir uns an die Wandkanten, um festzustellen, so leicht entflammbar ist unser Haus doch nicht. (Der Feuerlöscher war trotzdem stets in greifbarer Nähe).

Der Estrich kann kommen

Fix und fertig von Hitze und Lärm fallen wir abends ins Bett, um am nächsten Morgen pünktlich um 7 Uhr dem Installateur die Türe öffnen zu können. Denn nun sind die Dämmmatten und Fußbodenheizungsschläuche an der Reihe. Glücklich, uns diesmal nicht selbst dreckig machen zu müssen und die Arbeit wirklichen Profis zu überlassen, beobachten wir das Geschehen. Ratzfatz schlängeln sich meterweise Schlauch durch unser Wohnzimmer, die Anschlüsse für den Ofen sind ebenfalls vorbereitet und der Aufbau ist bereit, um endgültig mit Estrich bedeckt zu werden.

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Foto: Katrin Ostleitner

Nach den Strapazen der letzten Tage holen wir uns auch hierfür ein paar helfende Hände. Randstreifen geklebt, Mischmaschine an und dank der fleißigen Helfer haben wir binnen sechs Stunden einen neuen Boden! Wir können es kaum glauben.

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Foto: Katrin Ostleitner

Vielen Dank an alle die uns bei der Umsetzung unterstützt haben!

 

Weekend-Bloggerin Katrin und ihr Freund Niko sind die meiste Zeit des Jahres in ihrem Transporter unterwegs, den sie zu einem Wohnmobil umgebaut haben. Von ihren Eindrücken und Erlebnissen, die die Burgenländerin unterwegs sammelt, berichtet sie regelmäßig auf weekend.at.

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