Phils Papa-Blog: Einkaufen als vielseitiges Projekt

Ich gehe gerne mit meinem Junior einkaufen. Man ist zwar nie vor Überraschungen gefeit, aber so ein Ausflug ist vielseitig lehrreich – für beide.

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Foto: SbytovaMN/iStock/Thinkstock

"Papa, darf ich die Brezel haben?" Schnelles Einkaufen mit Kindern geht nicht. Auch, wenn man nach der Krabbelstube nur schnell für drei Sachen in den Supermarkt muss, bringt man am besten etwas Geduld mit. "Die mit den Körndln? Bist sicher?", antworte ich. "Ja!", bestätigte mein Zweijähriger mit leuchtenden Augen.

So war's nicht geplant

Na gut, die Brezel eingepackt, mit dem Hinweis: Wenn wir bezahlt haben, bekommst du sie. Passt. Also noch die drei Liter Milch, den Käse und das Brot in das Kinder-Einkaufswagerl gepackt, und ab zur Kassa. Und nach dem Zahlen, endlich, bekommt mein Junior seine Vollkorn-Breze.

Und schabt erstmal alle Körndln runter, bevor er auch nur einmal reinbeißt.

Die Kassierin nimmt den entstehenden Körner-Haufen vor ihrer Kassa gottlob mit Humor, während mir im ersten Moment kaum mehr als ein "Na geh..." einfällt. Und trotz solcher Episoden gehe ich sehr gerne mit meinem Sohn einkaufen. Auch, weil er "Ich will das haben! Jetzt! Jetzt! Unbedingt!"-Anfälle (noch) nicht hat.

Gute Gelegenheit

Warum? Die Tätigkeit des Einkaufens im Supermarkt des Vertrauens ist jetzt an sich nicht unbedingt, was ich einen besonders spannenden oder anregenden oder sogar spaßigen Zeitvertreib nennen würde. Aber: Vater-Sohn-Einkaufen ist eine wunderbare Gelegenheit für so viele verschiedene Dinge.

Zeit zu zweit. Kommunikation üben. Ungezwungen plaudern.

Also das, was man auch gemeinhin als "Bonding" zusammenfasst, mit lehrreichen Elementen. Den Wortschatz erweitern bzw. festigen geht wunderbar (obwohl, zugegeben, es wird wohl noch ein wenig dauern, bis er den Unterschied zwischen "Schinken" und "Salami" wirklich kennt).

Geduld und Struktur

Das Einhalten einer gewissen Struktur in Form eines demonstrativ getragenen Einkaufszettels gehört auch zu den Dingen, die man vermitteln kann. Ebenso wie der Umstand, dass hin und wieder einfach Geduld gefragt ist, sei es an der Wurst-Theke oder an der Kassa.

Was wiederum die Gelegenheit liefert, mit dem Junior zu kommunizieren.

Vor mehr oder weniger angenehmen Überraschungen (wie dem Vollkorn-Vorkommnis) ist man logischerweise nie ganz gefeit, aber das macht dafür auch etwas sonst eher Langweiliges wie das Kaufen von Lebensmitteln wieder ein wenig spannend.

Ruhig bleiben

Und es ist auch eine gute Schule für einen selbst - als Erwachsenen. Cool zu bleiben, wenn der Junior wahllos die Regale auszuräumen beginnt. Auch in der Hektik und bei vielen Menschen rund um einen herum die Ruhe zu bewahren – schließlich steckt die eigene Unruhe zwangsläufig auch das Kind an.

Und wenn alles geschafft ist und der Kleine angemessen brav war, kann man ihn danach ja – zumal wenn's, wie jetzt, Winter wird – daheim mit einem Kakao belohnen.

Und einen selbst auch.

 

Weekend-Redakteur Philipp Eitzinger ist mit Herz und Seele Fußball–Fan, Ehemann - und Vater. Und wie es sich für einen wahren Sport-Anhänger gehört, ist der Oberösterreicher - auch wenn es um seine Familie geht - mittendrin statt nur dabei. Exklusiv für weekend.at schildert er den gleichermaßen erfüllenden wie hektischen elterlichen Alltag zwischen Krabbelstube und Kinderzimmer, Badewanne und Warteraum – heiter bis nachdenklich.

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