Barry Seal - Irrsinniger Realismus

Wenn der großen Traumfabrik die Drehbücher ausgehen, wagt sich Hollywood gerne an Drehbücher heran, die als unverfilmbar gelten. Aktuell gibt es mit dem "Dunklen Turm" eine Romanumsetzung, die verzichtbar gewesen wäre. Ganz anders verhält es sich bei der bisher unverwirklichten Filmidee hinter Barry Seal.

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Foto: Universal Pictures

Die Handlung des Films spielt Ende der 1970er bis zum Ende der 1980er und beruht auf einer wahren Begebenheit. Es wird die unglaubliche Geschichte von Barry Seal erzählt, einem amerikanischen Piloten, der zu einem der berüchtigsten Drogenschmuggler im Kalten Krieg wurde. Trotz des düsteren Hintergrunds kann der Film mit jeder Menge Charme und Humor überzeugen.

Zwischen Präsidenten und Drogenbossen

Der erfolgreiche Pilot Barry Seal verdient sich auf seinen Linienflügen ein kleines Zubrot. Zusätzlich zu seinen Passagieren transportiert er noch Zigarren aus Südamerika, die dank eines Handelsembargo in den USA zu dieser Zeit sehr beliebt sind. In einer Hotel-Lobby wird er von der CIA angeheuert. Zuerst geht es um harmlose Spionageflüge, später müssen Waffen und Personen transportiert werden. Barry lernt die Contras kennen, und Pablo Escobar bietet ihm eine lukrative Möglichkeit, die sonst leeren Flüge zurück in die USA optimal zu nutzen. So arbeitet Seal gleichzeitig für die US-Regierung und auch als Drogenschmuggler - eine Kombination, die letztlich zu Problemen führt.

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Foto: Universal Pictures

Charmante Darsteller - Top Gun war gestern

In die Rolle des Barry Seal schlüpft Tom Cruise (Mission Impossible, Top Gun), an seiner Seite Sarah Wright (Marry Me) als seine liebende Ehefrau. Domhnall Gleeson (The Revenant) verleiht dem CIA-Agenten Monty Schafer sein unscheinbares Gesicht. Die Regie übernimmt, nach mehreren Wechseln, Doug Liman. Er drehte bereits "Edge of Tomorrow" gemeinsam mit Tom Cruise.

Trotz des absurden Plots und den vielen unterschiedlichen Genres, aus dem die Schauspieler stammen, ist die darstellerische Leistung durchwegs gut bis herausragend. Der sichtlich in die Jahre gekommene Cruise macht keinen Hehl daraus, dass Jahrzehnte seit Top Gun vergangen sind. Statt des coolen Piloten spielt er einen charmanten Spitzbuben mit viel Herz. Was früher die coole Fliegersonnenbrille war, ist jetzt ein neckisches Lächeln. Die Rolle erinnerte mich stark an jene von Leonardo DiCaprio in "Catch me if you can", der mich damals auch überzeugen konnte. Im Gegensatz zu DiCaprio schafft Cruise es aber, diese Haltung inmitten einer bedrückenden Geschichte noch durchzuhalten. Auch alle anderen Rollen sind gut dargestellt. Netflix sollte sich überlegen, einige der Darsteller der Drogenbosse für die kommende Staffel "Narcos" anzuwerben.

Rasante Szenenwechsel

Filmisch gibt es einige Herausforderungen, die der Regisseur größtenteils mustergültig löst. Die Darstellung schafft es ohne Probleme, das Gefühl der 1980er zu wecken ohne dabei allzu altmodisch zu wirken. Sowohl die Aufnahmen in Nord- als auch Mittelamerika sind sehr ansehnlich, durch gute Abstimmung der Farben können die Handlungsorte selbst bei raschen Schnitten und Sprüngen zwischen den Szenerien schnell optisch wahrgenommen werden.

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Foto: Universal Pictures

Geschichtsstunde mit Humor

Letztlich arbeitet der Film eine schwierige Zeit der Geschichte aus der Sicht eines absoluten Underdogs auf. Barry Seal ist einer der dunklen, unerwähnten Handlanger der Regierung. Während des Kalten Kriegs sind Reagan die Hände gegen Russland gebunden. Offensichtlich kann und will niemand den ersten Schritt unternehmen, hinter vielen verschleierten Operationen werden jedoch verschiedene Separatistenarmeen unterstützt, um die Gegner zu schwächen. Dafür bedarf es aber auch eigener Leute - wie Schmuggler - die Separatisten möglichst unerkannt mit Waffen versorgen. Der Hintergrund ist dementsprechend schwer und wirkt tatsächlich unverfilmbar. Aufgrund der guten Darstellung von Cruise - und der interessanten Sichtweise - wird die Thematik aber überraschend leicht aufgearbeitet. So darf hin und wieder sogar gelacht werden - und das auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs.

Der Aufstieg eines Antihelden

Hollywood greift erneut die Geschichte eines charmanten Antihelden auf - und Doug Linman bringt diese perfekt auf die Leinwand. Während die Story voller Krieg, Drogen und Furcht ist, schafft der Regisseur es, den Stoff überraschend leichtfüßig und unterhaltsam auf die Leinwand zu zaubern. Auch die Darsteller, allen voran Tom Cruise, unterstreichen diesen Eindruck und sorgen mit viel Ausstrahlung und Humor für überraschend unterhaltsame 115 Minuten Zeitvertreib.

 

Weekend-Blogger Jan Gruber ist Blogger und Podcaster aus Leidenschaft. Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt er sich aus diesem Hobby heraus viel mit Technik und Medien aller Art. Dennoch ist er kein Couchpotatoe, seine Freizeit genießt er beim Sport in der Natur. Für seinen Blog sieht er sich die neuesten Kino-Streifen an.

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