Wenn es nicht mehr ohne Smartphone geht

Antworten auf alles, konstante Kommunikation, immer und überall: Das Smartphone ist zu unserem unverzichtbaren Helferlein geworden. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten.

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Smartphones, wohin das Auge reicht ... Foto: DisobeyArt/iStock/Getty Images Plus/Getty Images

Nachschlagewerk, Navigationssystem, Nachrichtendienst: Das Smartphone ist zu unserem unverzichtbaren Begleiter geworden. 3,5 Stunden pro Tag widmen wir uns dem Wunderwuzzi aus der Hosentasche. Vom Frühstückstisch zum Fitnessstudio, von der Badewanne bis zum Zubettgehen legen wir das Handy kaum aus der Hand. Auch vor der Glotze greift jeder Zweite zum Handy – ein Phänomen, das als Second Screen bekannt ist.

Schaden statt Nutzen

Was die einen praktisch finden, gibt anderen Anlass zur Sorge. Der prominente Psychologe und Hirnforscher Manfred Spitzer sieht die Menschheit von einer "Smartphone-Epidemie" erfasst. Die mobilen Geräte seien eine Bedrohung für Gesellschaft, Bildung und Gesundheit. Die Warnung vor ungewollten Auswirkungen der neuen Technologien ist nicht unberechtigt. Ein Beispiel: Britische Forscher untersuchten die Schulleistung von 100.000 Jugendlichen an Schulen mit und ohne Handyverbot. An jenen mit Verbot schnitten die Schüler in Tests um sechs Prozent besser ab. "Störungen der Sprachentwicklung, der Motivation bis hin zur Willensbildung sind vor allem bei jungen Menschen anzutreffen", sagt Spitzer. Ginge es nach ihm, wäre die unbeaufsichtigte Nutzung von Smartphones erst ab 18 Jahren erlaubt.

Stress und Sucht

Negative Konsequenzen treffen nicht nur junge Menschen. "Immer mehr digitale Erlebnisse in kurzer Zeit und rund um die Uhr führen bei jedem Menschen zu Stress", sagt Uniqa-Mediziner Dr. Peter Kritscher. Konzentrationsschwierigkeiten, soziale Vereinsamung und Schlafstörungen sind die Folgen. Zum Teil nimmt unser Nutzungsverhalten sogar krankhafte Züge an. Die Grenze zur Sucht ist fließend. Ein Indiz für eine Abhängigkeit ist, sich unwohl zu fühlen, wenn das Smartphone nicht in der Nähe ist.

Schlauer Umgang

Um es nicht so weit kommen zu lassen, sollte man im Alltag handyfreie Zonen einrichten. "Keine Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen oder Körperpflege in Anwesenheit des Smartphones", mahnt Gesundheitsexperte Kritscher. Ein bewussterer Umgang mit dem Smartphone kann es vom Zeitfresser wieder zu dem machen, was es eigentlich ist: ein nützlicher Helfer im Alltag.

Ganz schön krank!

  • Körper: Immer öfter diagnostizieren Orthopäden einen "Smartphone-Nacken". Durch den Blick nach unten müssen die Bänder größeren Belastungen standhalten. Muskelverspannungen, Kopf-, Schulter- und Nackenschmerzen sind die Folge. Langfristig bilden sich knöcherne Veränderungen am Hinterkopf. Letztlich kann die Fehlhaltung bis zum Bandscheibenvorfall führen. Neben Handydaumen behandeln Ärzte mittlerweile auch Whatsappitis – eine Sehnenscheidenentzündung der Daumen und Handgelenke. Zudem ist das Smartphone mittlerweile Unfallursache Nummer eins im Straßenverkehr. Im schlimmsten Fall kann das Gerät das Leben kosten. Bis heute gibt es mehr als 260 bekannte Fälle, in denen Menschen beim Selfiemachen ums Leben gekommen sind.
  • Schlaf: Wer sich vor dem Schlafengehen durchs WWW wischt, tut sich nichts Gutes. Statt zur Ruhe zu kommen, hält uns das konstante Nachrichtenabrufen in Alarmbereitschaft. Das blaue Licht des Displays unterdrückt zudem die Produktion unseres Schlafhormons Melatonin. Die Folgen: Ein- und Durchschlafstörungen. Mindestens 20, besser noch 90 Minuten vor dem Schla­fengehen sollte das Handy deswegen abgeschaltet werden. Experten empfehlen, herkömmliche Wecker zu verwenden und das Schlafzimmer zur handyfreien Zone zu machen.
  • Kommunikation: 80 Mal pro Tag schauen wir aufs Display – deutlich öfter als in die Augen unserer Mitmenschen. Das Brüskieren unserer Gesprächspartner durch den Blick aufs Smartphone hat mittlerweile sogar einen eigenen Namen. "Phubbing", ein Kunstwort aus Phone und snubbing (brüskieren), wird es genannt. Für Millennials gibt es kaum einen Unterschied zwischen echtem und dialogem Leben. Sie geben an, ihre Freundschaften bevorzugt digital zu pflegen. Generell ist das zeitverzögerte Antworten auf Textnachrichten dabei, die unmittelbare, spontane Kommunikation via Telefonat abzulösen. Das hat Einfluss auf die Qualität unseres Austauschs: Wir kommunizieren zwar öfter, aber oberflächlicher.

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