Trink-Mythen & Schwips-Fakten: Was dran ist

Ein Gläschen Wein pro Tag ist gesund, Schnaps fördert die Verdauung, Bier sorgt für einen dicken Bauch: Viele Mythen ranken sich ums Thema Alkohol. Aber welche Behauptung ist wahr und was pure Erfindung? Weekend Magazin hat nachgeforscht.

Trink-Mythen
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Der Brummschädel beim Erwachen nach der großen Party von gestern lässt uns an bekannte Sprüche denken: Hätten wir uns doch nur an das tägliche Gläschen Wein gehalten! Dabei ist an vielen Behauptungen gar nichts Wahres dran. Weekend Magazin klärt auf:

Bier auf Wein, das lass sein

Die bekannte Redewendung kommt aus dem Mittelalter und bezieht sich lediglich auf den sozialen Abstieg, da Wein ein Getränk der Oberschicht war. In welcher Reihenfolge Alkohol getrunken wird, ist im Hinblick auf ­Verträglichkeit egal.

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Mit Strohhalm wird man schneller blau

Die Erklärung des Mythos besagt, dass Alkohol durch den Strohhalm ­länger mit der Mundschleimhaut in Kontakt kommt, wodurch er direkt ins Blut gelangt und nicht den langen Weg über den Magen geht. Das stimmt aber nur teilweise: Alkoholmoleküle können zwar durch die Schleimhaut schlüpfen, wegen der Größe wird aber trotzdem im Magen und Darm der meiste Alkohol aufgenommen. Die Oberfläche des Dünndarms ist 5.000-mal so groß wie die der Mundschleimhaut. Der Strohhalm hat somit keinen Einfluss darauf, wie schnell der Alkohol ins Blut kommt.

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Falsch! Durch die erneute Alkoholzufuhr ­erhöht sich der Alkoholspiegel wieder, und die Symptome verstärken sich. Trinken Sie lieber Mineralwasser, das ersetzt zusätzlich verlorene Mineralien wie z. B. Magnesium.

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Ein Gläschen Wein pro Tag ist gesund

Ernährungsexpertin Ruth Fiedler weiß, dass dem hohen Polyphenolanteil im Rotwein eine positive Wirkung auf die Herzgesundheit nachgesagt wird. Aber lieber in Maßen genießen, besonders abends: Wein wirkt zwar erstmal beruhigend, wodurch viele Menschen besser einschlafen können. Aber sobald die Wirkung nachlässt, entsteht ein Entzug. Man schläft schlechter, wacht öfter auf.

Mit guter Unterlage wirkt ­Alkohol langsamer

Stimmt! Durch fettiges Essen im Magen gelangt der Alkohol nicht so schnell in den Dünndarm. Die Aufnahme wird aber nur verzögert, nicht verhindert. Spätestens beim fünften Bier spüren Sie von Ihrer „guten Unterlage“ nichts mehr.

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Wer viel Bier trinkt, bekommt einen Bierbauch

Allein Bier formt die typischen Bierbäuche nicht. Ein halber Liter Bier fällt mit 200 Kalorien weniger ins Gewicht als Cola, Apfelsaft oder sogar Rotwein. Aber: Bier regt den Appetit an.

Alkohol macht impotent

Ist möglich! Langfristiger und regelmäßiger Konsum kann die langen Nervenfasern schädigen, wobei auch jene betroffen sein können, die für die Erektionsfähigkeit zuständig sind. Folgen: Erektionsschwäche und Impotenz. „Alkohol ist ein Nervengift, das auch dazu führen kann, dass sich wich­tige Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen lösen“, erklärt Fiedler. So kommt es ebenfalls zu Konzentrationsstörungen und Gedächtnisverlust.

Schnaps fördert die Ver­dauung

Falsch! Die Expertin erklärt: „Jene gefühlte Wirkung nach dem Genuss eines Verdauungsschnapses ist ein reiner Placebo-Effekt.“ Studien zeigen, dass Schnaps sogar die Verdauung eher ­ausbremst.

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