Der Orient-Express: Spannend auch ohne Mord!

Hochkarätig besetzt feierte der Film "Mord im Orient-Express" nach einem Roman von Agatha Christie gerade Premiere. Aber auch der Orient-Express selbst ist schon lange ein Star und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

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Der Orient-Express – 126 Jahre lang "der König der Züge" Foto: Mehdi Fedouach/AFP/picturedesk.com
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Bis 1977 fuhr der Orient-Express bis nach Istanbul, damals noch Konstantinopel Foto: Archive/TopFoto/picturedesk.com
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In den Nachkriegsjahren nutzten vermehrt Schmuggler den Orient-Express für ihre Geschäfte Foto: ullstein bild/Ullstein Bild/picturedesk.com
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Bis 2009 konnte man mit dem Orient-Express noch von Paris nach Wien reisen Foto: Robin Utrecht/EPA/picturedesk.com
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Bahnhof in Istanbul  Foto: Julien McRoberts/Danita Delimont/picturedesk.com
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Heute kann man in liebevoll restaurierten Waggons die Fahrt genießen Foto: Bernd Jonkmanns/laif/picturedesk.com
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Für gute Verpflegung ist gesorgt Foto: HZ/AFP/picturedesk.com
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So geht entspanntes Reisen im Luxuszug Foto: AnnaTamila/iStock/Thinkstock

Im Juni 1883 verkehrte der Orient-Express zum ersten Mal zwischen Frankreich und Rumänien, den damaligen Fahrgästen wurde aus Sicherheitsgründen empfohlen eine Waffe bei sich zu führen – ob Agatha Christie deswegen den Orient-Express als Schauplatz für ihren weltbekannten und heuer neu verfilmten Krimi "Mord im Orient-Express" wählte? Wohl eher nicht, denn die Jungfernfahrt verlief ereignislos und einige Jahre später konnte man mit den Zügen des Orient-Express' luxuriös von Paris über Wien, Budapest oder Sofia bis nach Istanbul oder Konstanz reisen. Allerdings wurden die Züge in dieser Zeit öfters Opfer von Raubüberfällen. Dies ist wenig verwunderlich, galt der Orient-Express schließlich als "König der Züge".

Zug der Könige – und Spione

Dank des luxuriösen Speisewagens und der komfortablen Schlafwagen wurde der Orient-Express rasch bekannt und galt als Inbegriff des komfortablen Reisens. Und natürlich wäre der "König der Züge" auch ein angemessenes Reisemittel für Könige gewesen, öfter dürften damit aber wohl doch Diplomaten sowie Spione und Agenten gereist sein. Diese hielten sich auf der Fahrt aber möglichst bedeckt, um unerkannt zu bleiben und lieferten so auch keinen Stoff für einen spannenden Krimi. Seit den 1920er Jahren wussten Drogenschmuggler den Zug zu schätzen und besonders in den aufreibenden Nachkriegsjahren nach dem 2. Weltkrieg waren vermehrt Schwarzhändler auf der Linie unterwegs.

Über Nacht von Paris nach Wien

Während der beiden Weltkriege wurden die Zugverbindungen immer wieder umgeleitet und teilweise auch ganz eingestellt. In der Zwischenkriegszeit wurde der Betrieb teilweise wieder aufgenommen, nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der träumerische Orient-Express allerdings zu einem gewöhnlichen Schnellzug ohne Schlafwaggons umgestaltet. In dieser Form verkehrte er noch bis 1977 zwischen Paris und Istanbul, bis diese Strecke eingestellt wurde, da sie sich finanziell nicht mehr rentierte (die letzte Fahrt war allerdings wieder komplett ausgebucht). Von da an konnte man aber noch einige Jahre voll nostalgischem Stolz von sich behaupten, mit dem Orient-Express über Nacht von Wien nach Paris gereist zu sein, erst 2009 wurden schließlich alle fahrplanmäßigen Verbindungen aufgegeben und der Orient-Express fand nach 126 Jahren sein endgültiges Ende.

Die Wiedergeburt des Orient-Express als Touristenmagnet

Bereits vor dem endgültigen Ende des regulären Orient-Express' wurden damit begonnen einzelne Waggons zu restaurieren, um den alten Luxus wieder aufleben zu lassen und Touristen anzuziehen. In diesen Zügen kann man auch heutzutage noch eine "Kreuzfahrt auf Schienen" machen und es sich im edlen Speisewaggon mit einem guten Buch gemütlich machen. Für eine zweitägige Fahrt sollte man aber getrost ein Budget von mehr als 2.000 Euro einplanen. Die Namen dieser Nostalgiezüge sind übrigens nur an den Orient-Express angelehnt, genauso nennen dürfen sie sich nicht. Denn der Name Orient-Express ist einzig dem Original, dem König der Züge, und seiner großen Geschichte vorbehalten.

 

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