12 Fakten zum Song Contest: Was Sie unbedingt wissen sollten

Tabellen, Tratsch und Tatsachen rund um den Liederwettstreit: Wir haben die zwölf wissenswertesten Facts für Sie zusammengetragen. So werden auch Sie zum Auskenner und können beim Finale am 23. Mai mit Ihrem ESC-Wissen brillieren.

Conchita Wurst - Cover
Conchita Wurst holte den Song Contest-Titel nach Österreich Foto: Scott Barbour/Getty Images

Der European Song Contest geht in die 60. Runde – und das in Wien! Die weltgrößte Leistungsschau der TV-Unterhaltung wartet auch heuer wieder mit irren Kostümen, pompösen Show-Effekten, Haaren, die in der Windmaschine flattern und peinlichen Platzierungen auf. 26 Kameras übertragen den Mega-Event  in alle Welt. 1.400 Scheinwerfer mussten montiert, 20 Kilometer Kabel in der Stadthalle verlegt werden, damit 200 Millionen Zuschauer die Show verfolgen können. Ob mit Pfirsichbowle (wie 1966, als Udo gewann), oder Veilchenspritzer (das „In“-­Getränk zu Conchitas Sieg 2014): Wir wünschen viel Spaß beim Song Contest 2015.

1. Welche Farbe sollte das Kostüm haben, um zu gewinnen?

Bühnenoutfits in Weiß haben die größten Gewinnchancen. Bestes Beispiel ist der irische Zweifach-Sieger Jonny Logan: 1980 und 1987 gewann er jeweils im weißen Smoking, 1980 für „What’s Another Year“, 1987 mit „Hold me now“. Letzteres hatte er für seine Frau geschrieben. Die Ehe zerbrach wenige Tage vor der Show …

Johnny Logan
Johnny Logan vertrat seine irische Heimat gleich mehrere Male Foto: Guy Levy/BBC

2. Wie oft hieß es am Ende „Zero Points – zéro point“?

„Null-Pointers“ werden jene 34 glück­losen Künstler genannt, die mit keinem einzigen Punkt bedacht wurden. Österreich musste diese bittere Pille dreimal schlucken: 1962 lieferte Eleonore Schwarz mit „Nur in der Wiener Luft“ ­einen Komplettausfall. Kleiner Trost: Damals gingen auch Spanien, Belgien und Holland leer aus. 1988 wiederholte Wilfried das Kunststück mit „Lisa, Mona Lisa“, und Thomas Forstner blamierte uns 1991 mit „Venedig im Regen“. Zwei Jahre zuvor ­hatte er noch einen 5. Platz ersungen („Nur ein Lied“, Autor: Dieter Bohlen).

3. Was war gleich nochmal Sinn und Zweck des European Song Contest?

4. Das Reglement aus dem Jahr 1960 besagt: „Der Zweck des Wettstreits ist die Förderung von Originalchansons (…) durch Konkurrenz zwischen Autoren und Komponisten.“ Heute stehen ausschließlich die Interpreten im Rampenlicht. Die Urheber von „Rise Like A Phoenix“ waren nicht ­einmal zum ESC eingeladen, als Conchita den Preis gewonnen hat.

Einige der heute geltenden Regeln: Das Lied darf nicht vor September des Vorjahrs veröffentlicht werden. Sänger oder Sängerin müssen live singen, Musik darf seit 1998 vom Band kommen. Die Sprache kann frei gewählt werden, Coverversionen sind verboten (außer sie kommen dreist als Original daher, wie Deutschlands Beitrag 2013 von Cascada, „Glorious“. Ein Plagiat des Siegersongs von 2012, „Euphoria“).

Cascada
Song Contest-Profi Cascada Foto: viennareport.at

4. Wer sind die Wiederholungstäter?

Udo Jürgens trat 1964 (Platz 6), 1965 (Platz 4) und 1966 an – da endlich gelang ihm mit „Mercie, Chérie“ der Sieg. Thomas Forstner, Tony Wegas und Gary Lux gaben je zweimal ihr Bestes für Österreich, mit durchwachsenen Resultaten vom guten 5. bis zum 22. und damit letzten Platz. Gleich viermal trat die Schweizer Musikgruppe Peter, Sue & Marc an, die Deutschen schickten Katja Ebstein dreimal ins Rennen.

5. Welche Special Effects bleiben in Erinnerung?

An Tänzer auf Stelzen, Käfige aus Glas und überbordende Pyrotechnik hat man sich ja längst gewöhnt. Tiger oder Elefant wären wohl auch schon aufgetreten, hätte man lebende Tiere als Teil der Bühnenshow nicht ausdrücklich verboten. Menschen dagegen sind erlaubt, und so warf sich 2009 Burlesque-Tänzerin Dita von Teese zum deutschen Beitrag „Miss Kiss Kiss Bang“ lasziv in Pose. Hat nicht viel ­gebracht: Platz 20.

6. Was kostet der Spaß eigentlich?

Der ORF als Veranstalter beziffert die Gesamtkosten auf rund 25 Millionen Euro. Zehn Millionen sollen durch Einnahmen aus Ticketerlösen, Teilnahmegebühren der Länder und Sponsoring hereinkommen. Bleiben 15 Mio. Euro ­Kosten. 11,7 Mio. steuert die Stadt Wien bei, der ORF bleibt also voraussichtlich „nur“ auf 3,3 Mio. Euro sitzen. Der Werbewert des Events wurde vom IHS (Institut für höhere Studien) auf satte 100 Mio. Euro geschätzt, die Bruttowertschöpfung auf 38,1 Mio. Euro – davon verbleiben 27,8 Mio. Euro in Wien.

Rote Karte
Das Publikum hat beim Song Contest die Wahl Foto: Model Foto: Colourbox.de

7. Wie oft in der ESC-Geschichte ist Österreich angetreten?

Insgesamt neunmal sind wir seit der ersten Teilnahme 1957 dem Song Contest fern geblieben. Die Austragung 1969 in Madrid wurde aus Protest gegen Francos Militärdiktatur boykottiert. 1970 war Österreich nicht mit den Abstimmungsregeln einverstanden. Von 1973 bis 1975 hatte man keine rechte Lust mitzumachen. Zweimal, 1998 und 2011, durfte man nicht antreten: Im jeweiligen Vorjahr war Österreich zu schlecht platziert. 2006 sowie von 2008 bis 2010 klinkte man sich erneut aus, die Stimmung changierte zwischen Beleidigtsein und berechtigter Kritik am gegenseitigen Punkteschacher der (Süd-)Ost-Teilnehmer-Länder. Macht 49 Teilnahmen.

8. Wer siegt häufiger: Frauen, Männer oder Formationen?

Beim ESC herrscht ein krasses Gender-Missverhältnis: 35 Frauen wurden bereits zur Siegerin gekrönt, aber nur 10 Männer gewannen den Contest. 15-mal siegten Duette oder Bands (außerdem die transsexuelle Israelin Dana International und natürlich unsere Conchita).

The Makemakes
The Makemakes machen live gute Figur Foto: ORF/Thomas Ramstorfer

9. Wer bestimmt die Reihenfolge der Beiträge beim Finale?

Laut ORF bestimmt das austragende Land die Startplätze „nach dramaturgischen Aspekten“. Früher wurde schlicht gelost. Glücklich ist, wer als Nummer 17 antritt, schon siebenmal ging die Krone an einen 17. Auftritt, etwa an Vicky Leandros, Jonny Logan und die finnischen Gruselrocker Lordi. Schlechtere Karten dagegen hat man mit den Startnummern 2, 16, 21 und 25 – diese rangieren überdurchschnittlich oft auf den letzten Plätzen. Für ­Österreich gehen heuer The Makemakes mit der Nummer 14 an den Start.

10. Werden heuer in Wien neue ESC-Rekorde aufgestellt?

Die finnische Band Pertti Kurikan Nimipäivät liefert mit ihrem Song „Aina mun pitää“ den kürzesten ESC-Beitrag aller Zeiten. Er dauert eine Minute 27 Sekunden. Für den ORF ist der ‚Eurovision Song Contest‘ mit drei Live-Shows, die in mehr als 40 Länder über­tragen werden, die auf­wendigste Produktion seiner Geschichte. Auf der Bühne kommt die aktuell größte für Über­tragungen geeignete LED-Wand der Welt zum Einsatz. Sie hat eine Gesamtfläche von 500 m2. 350 Lkw karrten 3.500 t Technik und Bühnenbild heran, jede einzelne Kiste wurde einem Sicherheitscheck unterzogen.

Goldener Pokal
Wer macht das Rennen beim Song Contest? Foto: Colourbox.de

11. Welche Nation ist ESC-Champion?

Mit sieben Siegen ist Irland das erfolgreichste ESC-Land. Schweden, Luxemburg, Großbritannien und Frankreich konnten jeweils fünfmal über Platz eins jubeln. Dazu scheffelte England noch 15-mal ­Silber, ist also quasi der „ewige Zweite“. Die höchste Einzelwertung: Der Norweger Alexander Rybak („Fairytale“), erzielte 2009 mit 387 Punkten den bisherigen Highscore.

12. Was haben der European Song Contest, die Escape-Taste und der Europäische Kardiologenverband gemeinam?

Die Abürzung ESC.

Escape-Taste
Eine Abkürzung, zwei Bedeutungen: Escape und Eurovision Song Contest Foto: Lite Productions/iStock/Thinkstock

Musikland Österreich: Daten & Fakten

8.000 Musiker und Komponisten. Auf diese Zahl schätzt eine IHS-Studie aus 2012, die in Österreich lebenden Musikschaffenden.

Der erfolgreichste Song. Die Höhe der Einnahmen, die einzelne Songs erzielen, ist nicht bekannt. Ein Hinweis darauf sind aber Platin-Verleihungen. Die meisten, nämlich 3, erhielt 2000 „Anton aus ­Tirol“ (DJ Ötzi).

Österreich liegt weltweit in den Top 5. Und zwar beim Pro-Kopf-Umsatz von physischen Tonträgern (CDs, Vinyl). Grund: Schlager, Volksmusik und Klassikfans, von denen es hierzulande besonders viele gibt, bleiben der CD treu.

Vinyl-Schallplatten boomen. 2014 konnten sie 60 % an Umsatz zulegen.

Online-Umsätze tragen 25 % zum Gesamtmarkt bei. Weltweit liegt diese Zahl bei 46 %. Umsätze mit Streaming-Abos kletterten 2014 auf 9 Mio. Euro. Streaming ist für 30 % aller Online-Umsätze verantwortlich, der Rest sind Downloads.

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