Alles Camping oder was: Welches Wohnmobil für wen?

Von zweistelligen Zuwachsraten kann die "normale" Autoindustrie nur träumen. Wir zeigen Ihnen, wie sich der Wohnmobil-Traum verwirklichen lässt, und welche "Wohnmobilart" zu Ihnen passt.

Wohnmobile - Cover
Concord Liner Plus oder Centurion - der Gipfel der Automobilindustrie Foto: Concorde

Die Wohnmobil-Neuzulassungen haben alleine in Deutschland 2018 um 15 Prozent zugelegt - Tendenz steigend! Warum stecken auch immer mehr Österreicher ihr sauer verdientes Geld in eine Wohnung auf vier Rädern? Immerhin kosten die Dinger neu etwa zwischen 50.000 und 70.000 Euro. Nach oben hin sind preislich keine Grenzen gesetzt. Mit höherwertiger Ausstattung ist man im Handumdrehen auf über 100.000 Euro. Und wer will, kann ein Premium-Wohnmobil um eine Million ordern.

Auf der anderen Seite gibt es einen großen Gebraucht-Wohnmobil-Markt. Auch viele Verleihfirmen verkaufen nach etwa zwei Jahren die "Camper" um relativ wenig Geld. Allerdings schlägt der Run auf die Womos auch bei den Gebrauchten durch. Die Preise sind zum Teil extrem hoch.

Warum ein Wohnmobil?

Natürlich ist es fraglich, ob sich ein Wohnmobil um 70.000 Euro auszahlt, wenn der Besitzer nur vier Wochen pro Jahr unterwegs ist. Wenn man allerdings einen Gebrauchten um beispielsweise 25.000 Euro kauft und eine vierköpfige Familie "besitzt", sieht die Sache schon anders aus. 14 Tage Griechenland in der Hochsaison zu viert mit Flug und Hotel? Da sind schnell 5.000 Euro weg. Am Campingplatz sind pro Tag je nach Saison 30 bis 50 Euro zu bezahlen. Und: Man muss sich das Cola nicht um fünf Euro überteuert kaufen, sondern greift in den eigenen Kühlschrank. So lässt sich ein Wohnmobil unter Umständen auch nach einigen Jahren trotz Service-, Einstell- und Treibstoffkosten amortisieren kann, da zudem der Wertverlust extrem gering ist.

Unabhängigkeit

Baustellenlärm, grölende Hotelgäste, stinkige Zimmer, überteuerte Hotelbars, unfreundliches Personal und eine Hauptverkehrsader, die praktisch durchs Hotelzimmer führt. Solche Probleme hat ein Wohnmobilist nicht. Man zieht einfach weiter. Das gilt übrigens auch für schlechtes Wetter. Überhaupt sind Wohnmobile eher für Menschen gedacht, die wenig Sitzfleisch haben. Wer eher nur an einen Ort fährt und dort drei Wochen bleibt, ist mit einem Wohnwagen besser bedient.

Grundsätzlich unterscheidet man folgende Kategorien:

1. Camping-Bus

Diese haben einen entscheidenden Vorteil, weil sie auch im Alltag genutzt werden können. Ein weiterer Vorteil ist die Größe. Man kommt auch in engeren Gassen gut voran. Unterm Strich gibt es weniger Ausstattung und vor allem im Innenraum weitaus weniger Platz. Ein Urlaub in Schottland mit zehn Tagen Regen und Familie kann da schon klaustrophobische Züge haben. Deshalb greifen Familien oft zum Alkoven.

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Der brandneue Grand California ist um einiges größer als der Multivan Foto: VW

2. Alkoven

Also jene Wohnmobile, die vorne eine überhängende Schlafkabine haben. Viel Platz für wenig Geld! Vor allem für Familien ist diese Art Wohnmobil extrem interessant. Je nach Größe finden vier bis sechs Personen ausreichend Platz. Auch am Esstisch! Daneben gibt es ein Badezimmer mit Toilette. Eine Küche, die den Namen auch verdient, ist ebenfalls gegeben. Nachteil: relativ klobig und von der Höhe (über drei Meter) gewöhnungsbedürftig.

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Ahorn Canada AS mit insgesamt fünf Schlafplätzen Foto: Ahorn

3. Vollintegrierte

Sie gehören sicher nicht zu den günstigsten. Wohnmobile, deren Fahrerhaus abmontiert und in den Wohnraum voll integriert wurde - die Vollintegrierten. Einen Vorteil stellen sicher die guten Platzverhältnisse dar. Man gewinnt durch das Umdrehen von Fahrer- und Beifahrersitze viel Platz.

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Hymer baut schon lange Vollintegrierte: Hymer B-Klasse Foto: Hymer

4. Teilintegrierte

Diese Wohnmobile werden gerne gekauft. Sie sind viel günstiger als Vollintegrierte, weil ja das Fahrerhaus nicht verändert werden muss. Im Gegensatz zum Alkoven, der eine sehr hohe Schlafkabine hat, ist er niedriger bzw. windschlüpfriger. Oft ist ein zusätzliches Hubbett hinter der Fahrerkabine verbaut.

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Bürstner Lyseo Time: typischer Vertreter der teilintegrierten Womos Foto: Bürstner

5. Pick-up

Interessant, aber weniger beliebt sind Pick-up-Varianten. Die Kabine kann auf vier Ständern abgestellt, und der Pick-up dadurch im Alltag als normaler PKW verwendet werden. Die Kabinen bieten einigermaßen gute Platzverhältnisse. Sie kosten etwa zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Für Paare, die schon einen Pick-up als Auto besitzen, eine echte Alternative.

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Tischer-Aufsatz mit einem VW Amarok als "Unterlage Foto: VW