Am Radar: Auf der Jagd nach Tempo-Sündern

Kleine Sünden, große Summen: Überhöhte Geschwindigkeit ist ein gutes Geschäft. Jetzt schützt auch ein ausländischer Pass nicht mehr vor Strafe. Raser werden EU-weit verfolgt. Das gilt aber auch für Österreicher im Ausland.

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Foto: OEAMTC

So schnell kann es gehen: Ein beherztes Überholmanöver, ein "sport­licher" Fahrstil, und schon ist es passiert. Erwischt! Unweigerlich flattert ein freundlicher Brief von der Behörde ins Haus, und schon werden Herr und Frau Österreicher zur Kasse gebeten. Anonymverfügung nennt sich dieses Schreiben, das geblitzte Temposünder früher oder später mittels RSB-Brief erreicht. Doch wie steht es um ausländische Bleifüße? Können die sich dem Zugriff durch die Staatsgewalt einfach entziehen?

EU-Richtlinie

Seit Anfang des Jahres gilt die EU-Richtlinie für grenzüberschreitende Nachverfolgung von Verkehrs-delinquenten. Zwar nicht in ihrer ursprünglich geplanten Form, denn die Richtlinie wurde vom Europäischen Gerichtshof in Luxemburg überarbeitet. Schlupflöcher gibt es dann keine mehr. Schon jetzt erfolgt ein elektronischer Datenaustausch mit Ländern wie Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Ungarn, Rumänien und Schweden. Besonders gut funktioniert die länderübergreifende Zusammenarbeit laut ÖAMTC mit Polen. Auch mit Drittländern wie der Schweiz gibt es Abkommen.

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Foto: APA/Helmut Fohringer

Nachverfolgung

Rund 20 Prozent der Geschwindigkeitsübertretungen betreffen ausländische Lenker. Wie viel dem Staat durch die Nichteinhebung von Strafen bisher verloren ging, ist ungewiss. Laut Innenministerium sind die entsprechenden Behörden für die Nachverfolgung ­zuständig – und das sind in Österreich 86 Bezirkshauptmannschaften und 14 Landespolizeidirektionen.

Geblitzt

Im Vorjahr wurden von der Bundespolizei rund 4,86 Millionen Geschwindigkeitsübertretungen gemessen. Der Großteil davon – 3,89 Millionen – wurden mittels Radarmessung ertappt, rund 750.000 mittels Lasertechnik. Auch den Zivilstreifen gingen 221.000 Temposünder ins Netz. Eine stolze Bilanz, die sich auch mit 225 Millionen Euro in der österreichischen Staatskasse niederschlägt.

Verwendungszweck

Doch wozu werden diese Bußgelder verwendet? Die Strafen gehen zu 80 Prozent an den jewei­ligen Straßenerhalter: an die ASFINAG, an Bund, Länder oder Gemeinden. Die übrigen 20 Prozent bekommt das ­Innenministerium, z. B. für die Anschaffung neuer Radar-Geräte. Im Vorjahr waren das mehr als 47 Millionen Euro.

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Foto: OEAMTC

Raser in NÖ

Mit mehr als ­einer Million Übertretungen war Niederösterreich 2013 Spitzenreiter bei den Temposündern. Am wenigsten Raser wurden im Burgenland und in Vorarlberg erwischt. Die ­typischen Transitländer liegen im Mittelfeld. Auch in der Bundeshauptstadt kamen im Vorjahr knapp eine halbe ­Million Geschwindigkeitsübertretungen zur Anzeige.

Kleine Toleranz

Übrigens: Wer denkt, mit der Faustregel „10 Prozent schneller als erlaubt darf ich sowieso fahren“ ist man auf der sicheren ­Seite, irrt gewaltig. Die Toleranzgrenzen sind von Bundesland zu Bundesland verschieden, in Salzburg und der Steiermark etwa betragen sie nur 5 km/h. Da kann es leicht passieren, dass man zu schnell dran ist.

Sicher unterwegs

Im ersten Halbjahr 2014 gab es auf ­Österreichs Straßen einen ­Anstieg an Verkehrstoten. Raserei ist kein Kavaliersdelikt. Meistens machen die Tempolimits Sinn – auch wenn es nicht immer auf den ersten Blick verständlich ist. Also: Besser runter vom Gas, das schont Nerven, Geldbörse und kann im Ernstfall lebensrettend sein.

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