Die neue Pflanzerei: Spießig war gestern!

In Zeiten von Lebensmittelskandalen und Preissteigerungen bei Nahrungsmittel wird es für viele Menschen immer attraktiver, selbst Obst und Gemüse anzubauen. Dass es dafür nicht immer einen großen Garten braucht, beweisen "Urban Gardeners".

Garten Beet Blumen
Klein, aber fein: Der Garten als Inbegriff des kleinen Glücks Foto: AlexRaths/iStock/Thinkstock

Die wichtigsten Accessoires im Frühling? Schauferl, Gießkanne und Gartenharke! Was vor wenigen Jahren noch als schrullig abgetan, gilt heute als trendig: Die Arbeit im Garten hat ein neues Wellness- und Genießer-Image bekommen. Ein Drittel aller Österreicher hat den grünen Daumen (wieder) entdeckt und praktiziert den boomenden Volkssport bereits. 

Grün statt grau 

Ob in Metropolen wie Berlin, London, Paris oder New York - Urban Gardening ist "in". Gegartelt wird auf Brachflächen, Balkons, Dächern oder Schrebergärten. Lagerhallen, Gewerbegebäude und Hochhäuser werden mit Dachgewächshäusern bestückt. In allen Städten Österreichs hat der Trend Einzug gehalten. Die vielen Möglichkeiten der Stadtbegrünung reichen von Topfpflanzen am Balkon bis zu neuen Gemeinschaftsgärten zwischen Wohnhäusern. 

Garten-Freunde 

Hier schließen sich Menschen zusammen, um ihre grünen Visionen umzusetzen. Grünflächen oder sogar Parkplätze werden dann zu neuen Stadtgärten umfunktioniert. Dabei spielen auch soziale und pädagogische Aspekte mit: Das produktive Grün zwischen den Häusern schafft neues, urbanes Leben. Ein Ort, wo Freunde, Nachbarn und Interessierte gemeinsam arbeiten, lernen und entspannen. 

Selbstversorger 

Die Flächen können je nach Bedürfnis gestaltet werden. Entweder als Grünflächen mit Zierpflanzen oder als Nutzgärten - mit dem Ziel der Selbstversorgung. Den Unterschied schmeckt man. Selbst angebaute Kartoffeln und Salate munden doppelt so gut und schonen natürlich das Haushaltsbudget. Die Betätigung an der frischen Luft sowie die Freude am Anbau, Wachsen, Blühen und Ernten von Blumen, Kräuter und Früchten wirken sich positiv auf die Gesundheit aus. 

Wirtschaftsfaktor Garten 

Dass der neue Gartenboom weit mehr ist als eine kurzfristige Modeerscheinung, sondern vielmehr mit einem langfristigen Umdenken der Bevölkerung zu tun hat, zeigen Zahlen aus Wirtschaft und Tourismus. So steigt die Auftragslage von Gartengestaltern kontinuierlich an - und auch der heimische Handel setzt verstärkt auf das Thema Garten. Allein im Vorjahr verzeichneten Baumärkte einen 20-prozentigen Anstieg an Gartenmöbel. Auch die Garten-Accessoire-Palette wird immer umfangreicher, neue Gartencenter schießen wie Pilze aus dem Boden - und über die einschlägige Hobby- und Fachliteratur hat man längst den Überblick verloren. 

Jamie Oliver in Grün 

Auch im Fernsehen läuft Garten. Roland Düringer zeigte in "Der wilde Gärtner", wie man eigene Erdbeeren züchtet, ein Vogelhaus baut oder Marmelade einkocht und bricht mit dem Klischee vom strohutbedeckten, grünbeschürzten, bürgerlichen Gärtner. Die Show soll aber nicht nur nützliche Tipps geben, sondern auch zeigen, was wirklich wichtig ist: "Wir sind nicht allein auf diesem Planeten, und es ist an der Zeit unser Bewusstsein zu erweitern und endlich die Schändung von Mutter Erde zu beenden. Wir müssen unseren Bezug zur Natur wiederfinden", meint der Kabarettist mit dem grünen Daumen philosophisch. Wie lautet ein altes chinesisches Sprichwort? "Das Leben beginnt mit dem Tag, an dem man einen Garten anlegt." 

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