Pünktlich oder Zuspätkommer: Zeit-Gefühl

Jeder war schon einmal viel zu früh bei einem Termin oder kam abgehetzt einige Minuten zu spät. Doch was treibt notorische Zuspätkommer oder immer überpünktliche Menschen an? Ist das menschliche Zeitgefühl angeboren? Eine Spurensuche.

Bei jedem ticken die Uhren anders - Cover
Bei jedem ticken die Uhren anders Foto: thinkstockphotos.com

Wir kennen sie und haben sie alle im Freundeskreis oder im beruflichen Umfeld: Da sind einerseits die etwas pedantischen Perfektionisten, die gerne alles minutiös planen und mindestens fünf bis zehn Minuten vor dem eigentlichen Termin schon angespannt dasitzen und warten. Und dann sind da die chaotischen, planlosen notorischen Zuspätkommer, die um keine Ausrede verlegen und immer unpünktlich sind. Natürlich ist das jetzt sehr Schwarz-Weiß dargestellt, und es gibt unzählige Grau-Nuancen dazwischen, doch prinzipiell stimmt diese Einteilung. Aber wie wird man zu diesem Zeittyp und ist einem die Pünktlichkeit oder das Zuspätkommen schon in die Wiege gelegt?

Prägung

Die Diplom-Psycholgin und Autorin Beatris Uhlig erklärt: "Es ist sehr prägend, in welchem Umfeld man geboren wird. Ob Kinder  später pünktlich oder Zuspätkommer sind, sieht man erst im Schulalter. Wir bringen zwar eine Veranlagung mit, können aber im Laufe unseres Lebens auch zwischen den beiden Zeitwelten wechseln."

Bei jedem ticken die Uhren anders
Bei jedem ticken die Uhren anders Foto: thinkstockphotos.com

Offenheit

Können also ein Pünktlichkeitsfanatiker und ein notorischer Zuspätkommer ein glückliches Paar werden? "Ja", sagt die Psycholgin, "weil wir oft ganz bewusst das Gegenteil von uns selbst suchen". Wenn man sich bewusst ist, welcher Typ man selbst ist und wie der Partner tickt, ist schon der erste Schritt zum Glück getan. "Alleine durch die Kenntnis darüber, verändern sich die Muster", meint Uhlig. "Es gibt kein Richtig oder Falsch, sondern nur zwei Welten, in die es sich lohnt hinüberzublicken."

Umpolen

Wen die Unpünktlichkeit von Freunden oder dem Partner nervt, sollte dies ansprechen, aber die Person nicht abwerten oder versuchen zu erziehen. Am besten gelingt dies laut Psychologin mit dem Trick, sich in die gegensätzliche Zeitwelt zu versetzen. Als überpünktlicher Planer einmal das unkontrollierte Dasein im Py­jama üben und Routinen durchbrechen. Zuspätkommer sollten ein Spiel mit sich selbst beginnen: Wie lange brauche ich wofür? Meist stimmt das eigene Zeitgefühl nämlich ganz und gar nicht. Und: An Orten, wo man gerne trödelt – wie im Bad oder in der Küche – einfach Uhren platzieren!

Was man im alten Jahr noch ändern sollte

Alle Themen finden Sie in der neuen Ausgabe

Weekend Magazin Cover Nr. 23/2014
Foto: PAUL HARIZAN/GETTY IMAGES

Mehr zum Thema: