Pflegefamilie: Wenn Eltern nicht beschützen können

Vernachlässigung, körperliche oder sexuelle Gewalt: Rund 11.000 Kinder können in Österreich nicht bei ihren leiblichen Eltern leben. Sie werden bei Pflegefamilien untergebracht. Weekend Magazin beantwortet die häufigsten Fragen zum Thema.

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Wenn die Eltern überfordert sind, springt die Pflegefamilie ein Foto: Colourbox.com

Eine „Strafdusche“ zur Beruhigung, hin und wieder eine „G’sunde Watschn“ oder Eltern, die schlichtweg überfordert sind. 11.000 Kinder und Jugendliche leben derzeit nicht bei ihren leiblichen Eltern. In Wien sind rund 1.450 Kinder in 900 Pflegefamilien untergebracht. Jedes Jahr werden für 100 Kinder Pflegemamas und -papas gesucht. Antworten auf die häufigsten Fragen.

Wie wird man Pflegemama oder -papa?

Im Gegensatz zur Adoption gibt es bei Pflegeeltern keine gesetzlich vorgeschriebene Altersbeschränkung. Der ­Altersunterschied zwischen Pflegekind und Pflegeeltern sollte aber 40 Jahre nicht übersteigen. Man muss auch nicht verheiratet sein, auch Singles oder gleichgeschlechtliche Paare können Pflegeeltern werden. „Natürlich ist ein soziales Netz von Vorteil. Man sollte schon ­jemanden haben, der einem hilft, wenn man krank ist“, weiß Herta Staffa vom Jugendamt, der Mag Elf. Wer sich für die Tätigkeit interessiert, wird zuerst vom Jugendamt überprüft (Vor­strafen, Wohn- und Einkommensverhältnisse, Belastbarkeit etc). Dann muss ein Vorbereitunsseminar besucht werden. Danach geht es in ein dreitägiges vertiefendes Seminar, das von einem ­Sozialarbeiter oder einem bereits ausgebildeten Pflegeelternteil geleitet wird.

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Foto: APA/dpa/Patrick Pleul

Welche Fähigkeiten muss ich haben?

Pflege­mamas und Pflegepapas sind natürlich besonders gefordert. Die Kinder, die sie bei sich aufnehmen, sind meistens traumatisiert, verstört oder verängstigt. Einfühlungsvermögen, Toleranz und Konfliktlösungskompetenz sind Grundvoraus­setzungen. Sozialarbeiterin Christa Strasser: „Es ist ein mutiger Schritt, Pflegekinder bei sich aufzunehmen und auch eine große Herausforderung. Man muss den Spagat zwischen zwei Welten – der leiblichen Familien und dem neuen Heim schaffen.“ Das heißt: Das Pflegekind soll Kontakt zu seinen leiblichen Eltern haben. Diese haben auch das Recht, die Rückgabe des Kindes zu beantragen. In der Regel bleiben aber die meisten Pflegekinder dauerhaft in der Pflegefamilie.

Bekomme ich ­finanzielle Unterstützung?

Ja, neben der Familienbei­hilfe erhält die Pflegefamilie je nach Alter des Kindes ­zwischen 480 und 555 Euro monatlich. Kriseneltern, die sich bereit erklären Kinder in Akutsituationen sechs bis acht Wochen bei sich auf­zunehmen, bekommen rund 1.000 Euro Unterstützung im Monat. In Wien gibt es auch die Möglichkeit, sich als Pflegemutter oder -vater anstellen zu lassen. Damit verbunden sind Fortbildung, Beratung, soziale Absicherung (Pen­sions-, Kranken-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung) sowie ein Gehalt knapp über der Geringfügigkeitsgrenze.

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Foto: Colourbox.com

Wie lange bleiben die Kinder im Schnitt?

Die meisten Pflegekinder bleiben dauerhaft in der neuen Familie, wünschen aber den Kontakt zu den leiblichen ­Eltern. In ganz wenigen Fällen gehen die Kinder wieder zurück in die Ursprungsfamilie. Sozialarbeiterin Strasser hat in ihrer Tätigkeit aber auch schon erlebt, dass das Pflegekind von der Pflegefamilie adoptiert wurde.

Wer sind die typischen Plegeeltern?

Christa Strasser: „Die Palette ist sehr breit. Es sind sowohl Familien mit eigenen Kindern, die Erfahrung haben und belastbar sind, aber auch Menschen, die das Bedürfnis haben zu helfen und auch Paare, die selbst keine eigenen Kinder bekommen können.“

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Weekend Magazin Nr. 22/2014
Foto: Istockphoto/Thinkstock; Montage: Weekend Magazin

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