Veganer Fleischersatz: Gesund oder gefährlicher Krankmacher?

Oft ist es der Gedanke an die eigene Gesundheit, der hinter einer veganen Lebensweise steht. Keine tierischen Produkte mehr und alles wird gut? Das ist leider zu kurz gegriffen, denn eine gesunde vegane Ernährung will gelernt sein.

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Fleisch, Fleischersatz – oder nichts von beidem? Foto: mikeorlov/iStock/Thinkstock

Keine tierischen Produkte mehr und der Traumkörper, ein ebenmäßiges Hautbild und mehr Energie und Vitalität sind zum Greifen nah – so stellen sich viele Neuveganer ihr zukünftiges Leben jedenfalls vor. Ganz so einfach ist es aber leider nicht, da vegan nicht automatisch gleich gesund ist. Es gibt nämlich einige Fallen, in die zwar kein Tier, durchaus aber ein Neuling der veganen Ernährung fallen kann.  

Bewusster Verzicht? Von wegen!

War vegan früher kaum jemandem ein Begriff, so ist dieser Lebensstil mittlerweile längst im Mainstream angekommen, was durchaus Vorteile mit sich bringt – schließlich freut sich jeder, wenn er im Restaurant nicht mehr nur behelfsmäßig aus den Beilagen wählen muss, sondern spannende und durchdachte vegane Hauptgerichte angeboten werden. Auch an der Lebensmittelindustrie ging der neue Trend natürlich nicht unbemerkt vorüber und da die – zugegebenermaßen noch recht kleine, aber finanzfreudige Zielgruppe der Veganer – ein lukrativer Geschäftszweig zu sein schien, hielten in den letzten Jahren vermehrt Fleischersatzprodukte Einzug in die heimischen Supermärkte. Vegan zu leben erscheint so einfach wie noch nie: Das geliebte Schnitzel, Burger und Co. können einfach mit dem passenden veganen Produkt ausgetauscht werden und schon sind Genuss und gesunde Ernährung vereint. Doch dies ist ein gefährlicher Irrglaube.

Kein Fleisch – dafür Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren

Wer nicht auf seinen geliebten Leberkäse verzichten mag, der findet ihn auch in rein pflanzlicher Form vor – nur leider vollgepumpt mit Aromen und Zusatzstoffen, die man im Rahmen einer gesunden Ernährung eigentlich vermeiden sollte. Die Palette der veganen Ersatzprodukte reicht vom Thunfisch bis zur Sprühsahne - es gibt nichts, was es nicht gibt. Dabei kostet der pflanzliche Käse im Supermarkt schon mal doppelt so viel wie sein tierisches Vorbild. Gekauft werden die teureren Produkte dennoch, schließlich lässt man sich seine eigene Gesundheit ja gerne was kosten. An die Zusätze und Geschmacksverstärker, die benötigt werden, um den Produkten auf Soja- oder Seitanbasis den gewünschten Geschmack und die ideale Textur zu verleihen, denken plötzlich nur noch wenige – schließlich kann man so im Sommer einen deftigen Grillabend mit seinen Freunden verbringen, ohne dabei auf etwas verzichten zu müssen. Dabei enthalten die teueren Ersatzprodukte teilweise jedoch mehr Fett, Zucker und Transfette als herkömmliche Wurst- und Milchprodukte. Das Projekt Bikinifigur kann so trotz einer rein pflanzlichen Ernährung schon mal auf Grund laufen, während der Cholesterinspiegel weiter munter in die Höhe schnellt. 

Zu viel des Guten

Veganer Fleischersatz muss schmecken, um sich gegen konventionelle Produkte behaupten zu können. Denn nur, weil jemand den veganen Lebensstil gewählt hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er den Geschmack von Fleisch ablehnt. Um diesen aber so gut wie möglich imitieren zu können, verwenden viele Hersteller Unmengen an Würzmittel. Hefeextrakt ist eine beliebte Zutat und dient als Geschmacksverstärker. Dabei ist es von der Wirkung her gleichzusetzen mit dem mittlerweile verpönten Glutamat, klingt dabei aber viel natürlicher und muss nicht als Geschmacksverstärker ausgezeichnet werden. Wer häufig industriell verarbeitete Fleischersatzprodukte verzehrt, läuft überdies Gefahr, konstant eine zu hohe Menge an Salz zu verzehren. 

Tofu und Seitan als gesunde Bereicherung

Im asiatischen Raum gilt Tofu, der aus Sojabohnen hergestellt wird, schon lange als gesundes und wertvolles Nahrungsmittel. Ebenso hat Seitan, ein Produkt auf Basis von Weizengluten, eine lange Tradition und wird hoch geschätzt. Es ist durchaus sinnvoll, diese beiden Produkte in eine vegane Ernährung zu integrieren: Sie sind reich an Eiweiß, fettarm, und man kann wunderbare neue vegane Gerichte damit kreieren und sein kulinarisches Repertoire erweitern. Diese beiden Produkte stellen in naturbelassenem und industriell nicht verarbeiteten Zustand eine hochwertige Alternative zu tierischen Produkten dar und können im Rahmen einer gesunden Ernährung bedenkenlos verzehrt werden. Tofu und Seitan punkten auch beim Wasserverbrauch: Benötigt die Herstellung von einem Kilo Schweinefleisch 6.000 Liter Wasser, sind es bei Soja und Weizen nur an die knapp 1.800 Liter. Und noch eine gute Nachricht, wenn einen als Veganer die Sehnsucht nach alten Zeiten packt: Gegen einen selbstgemachten Seitanburger ist absolut nichts einzuwenden. 

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