Faszination Science Fiction: Die Macht der Utopie

In Realität fliegen wir zum Mond, in unserer Vorstellung haben wir bereits die ganze Galaxie erobert – dank Science-Fiction. Ein Erklärungsversuch, warum uns gerade dieses Genre so fesselt.

Science Fiction
Science Fiction: Der Blick in die mögliche Welt von übermorgen fasziniert Menschen weltweit Foto: sylphe_77/iStock/Thinkstock

Sternzeit 2017 – das sind die Abenteuer ­eines Genres namens Science-Fiction. Sie ist hier, um uns unendliche Weiten, spannende Action, Liebesgeschichten und vieles mehr zu präsentieren. Die Erfolgsgeschichte kennt kein Ende. So könnte man den Zustand der Science-Fiction beschreiben. Sie begleitet viele von uns seit unserer Kindheit – egal, ob Star Wars, Star Trek, Jurassic Park, Kampfstern Galactica oder Sonstiges aus diesem gigantischen Fundus verschiedenster Richtungen – wir sind davon fasziniert. Dabei ist es gar nicht einfach, Science-Fiction in ein Korsett zu zwängen. Zu viel lässt sich nämlich unter diesem Begriff subsumieren.

Die Macht ist mit ihnen

Trotzdem bleiben wir vorerst bei dem wohl erfolgreichsten Sci-Fi-Franchise aller Zeiten: Star Wars. Alle sieben bisher erschienenen Filme haben mehr als unglaubliche 7,5 Milliarden Euro an den Kinokassen erwirtschaftet. Zusammen mit den Einnahmen für Fanartikel, Comics, Bücher und DVD/Blu-ray werden die Einnahmen des Star Wars-Kosmos auf mittlerweile über 30 Milliarden Euro geschätzt. Nicht zu vergessen Conventions wie etwa die relativ junge Vienna Comic Con, zu der zahlreiche Menschen in den Verkleidungen ihrer Idole teilnehmen und den Mythos nähren. Das Besondere daran ist, dass der Sternenkrieg bereits seit 1977 viele Generationen an die Bildschirme fesselt. Ein Ende ist nicht absehbar, denn 2015 ­erschien der erste Teil einer neuen Trilogie und wurde auf Anhieb zum erfolgreichsten Star Wars-Film aller Zeiten. In wenigen Wochen werden wir wieder kollektiv im Kino sitzen und uns "Episode VIII – Die letzten Jedi" ansehen (Startdatum: 14. Dezember 2017). Wer nicht vorreserviert hat, der wird sich am Startwochenende wohl in Reihe eins das Genick verrenken müssen.

Lebe lang und in Frieden

Sci-Fi-Phänomen Nummer zwei ist Star Trek, und das, obwohl die erste Folge im Jahr 1966 richtig gefloppt ist. Fast hätte dies das Aus für die Entdeckungsreise von Kirk und Co. bedeutet – mutige Produzenten und Verantwortliche trauten sich aber die Serie auszubauen. Den großen Durchbruch schaffte die originale Serie dann dank günstiger Preise für Fernsehstationen und vieler Wiederholungen im Fernsehen. Auch hier hat sich eine treue Fanbasis aufgebaut, die mit ihren Idolen groß geworden ist und sie verehrt. 2009 wurde eine Verjüngungskur durchgeführt, die den Erfolg von Star Trek für die Zukunft sichern soll. Neuestes Produkt ist die Serie "Discovery", die bei uns auf Netflix konsumiert werden kann. Wirtschaftlich ist Star Trek jedoch bei Weitem nicht so bedeutend wie der Sternenkrieg. Alle 13 Filme haben bisher "nur" rund 2,26 Milliarden Euro erwirtschaftet – im Vergleich zu Star Wars sind das Peanuts.

Neue Sci-Fi braucht die Welt

Das Genre bietet aber so viel mehr als die großen Zwei. Mit den unzähligen Verfilmungen von Marvel-Comics feiert auch die Science-Fiction neue Höhenflüge. Viele Elemente in diesen Comics sind nämlich mittlerweile so spacig, dass sie diesem ­Genre zugeordnet werden müssen. Egal, ob die Avengers New York vor Aliens aus anderen Dimensionen retten müssen oder die Guardians of the Galaxy das Weltall beschützen. Das freudige Science-Fiction- Fest ist angerichtet und begeistert Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Aber warum sind es gerade diese Utopien, diese oft unerreichbaren Vorstellungen, die faszinieren? Die Frage ist nicht einheitlich zu beantworten, denn auch hier ist die Antwort höchst individuell. Ein Aspekt ist aber in Gesprächen mit Fans und Stars stets Thema: Die Flucht in andere, fantastische Welten, ein Ausbruch aus dem Alltag. Gerade diese Möglichkeit bedient die Science-Fiction wie wenig andere Genres.

Ausgefallene, bunte Kostüme, gigantische Weltraumschlachten, technische Errungenschaften, von denen wir heutzutage nur träumen können, Magie und vieles mehr – das ist die Mischung, die Science-Fiction so einzigartig macht. Wobei dann manchmal vergessen wird, dass ohne diese Fiktion einige Dinge, die wir real benutzen, vielleicht gar nicht existieren würden. Bereits Captain Kirk klappte seinen Kommunikator auf und wollte "raufge­beamt werden". Zwanzig Jahre später klappten wir unsere Handys auf und suchten Kontakt zu unseren Mitmenschen. Captain Picard tippte auf Tablets herum – jetzt tun wir das ebenso. Sogar Beamen ist theoretisch möglich, derzeit allerdings nur auf ­Quantenebene. Wo wären diese Errungenschaften ohne die Vorbilder aus der Science-Fiction?

Business as usual

Sehr geerdet wird die luftige ­Science-Fiction allerdings, wenn es um den schnöden Mammon geht. Sie ist vor allem auch seit Jahrzehnten ein verdammt gutes Geschäft für Filmfirmen, Fernsehstationen und Hersteller von Spielwaren und Videospielen. Der Disney- Konzern verdiente alleine mit den Marvel-Verfilmungen bisher rund 11,7 Mil­liarden Dollar an den Kinokassen. Das Geschäft mit Fanartikeln und dem sogenannten Merchandise ist nie enden wollend – also auch hier passend: unendliche Weiten.

Star Wars-Held Temuera Morrison im Interview

Sie hatten eine große Rolle in Star Wars – Sie liehen Mil­lionen von Clone-Kriegern Ihr Gesicht und spielten Kopfgeldjäger Jango Fett. Was ­bedeutet Star Wars für Sie?

Es war ein wichtiger Job, eine fantastische Erfahrung für mich. Die Dreharbeiten fanden in Sydney statt, und ich bin aus Neuseeland – also war es nicht weit für mich. Zuvor war ich eigentlich kein so großer Star Wars-Fan, aber ich genoss es in vollen Zügen, Teil dieses Projekts zu sein.

Was macht den Erfolg von Star Wars aus?

Es ist eine bunte Mischung an Dingen. Die Action, die Lichtschwerter, die Sounds, die Fans, die Magie, die Schauspieler und vieles mehr. In den 70er-Jahren war das etwas vollkommen Neues und Einzigartiges – ein Märchen im Weltall. Die Fans von damals sind mit Star Wars aufgewachsen, und ihre Kinder lieben es noch immer – eine ­unglaubliche Erfolgsgeschichte.

Wie war es am Set für Sie?

Ich war wirklich nervös, davor spielte ich in kleineren Filmen mit und dann auf einmal Star Wars! Das war gigantisch, aber Regisseur George Lucas ­beruhigte mich und machte den Film zu einer besonderen ­Erfahrung für mich.