Samsung S20 Ultra 5G im Weekend-Test: Alles Ultra? Leider nein!

Samsungs neues Über-Drüber-Flaggschiff namens S20 Ultra 5G hat viele Erwartungen geweckt, aber preislich mit einem UVP von 1.349 Euro sicher auch abgeschreckt. Ob das Gerät die hohen Erwartungen erfüllen kann, erfahrt ihr in diesem ausführlichen Test. Kurzer Teaser: Die Eierlegende Wollmilchsau ist es leider nicht geworden, obwohl es das Potential dazu gehabt hätte. Viel Spaß beim Lesen!

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Das S20 Ultra 5G bietet ein hervorragendes 6,9-Zoll-Display... Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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...und ein Vierfach-Kamera-Setup mit maximal 108 Megapixel. Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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Der "Kamerahügel" ragt über die Rückseite heraus, das Gerät liegt dadurch nicht plan. Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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Die seitlichen Anschlüsse sind eher spartanisch... Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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S20 Ultra 5g... Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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...von der Seite... Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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...und von unten (USB-C Anschluss)... Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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Hier ein Bild im normalen Modus der Kamera, der Linzer Pöstlingberg ist darauf nicht zu erkennen... Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss
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...dasselbe Bild, mit 100-fach Zoom der Kamera. Das Bild ist nicht absolut schlecht, allerdings merkt man den Digitalzoom deutlich. Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss

Freitag, der 13. März war Verkaufsstart für die neueste Flaggschiffgeneration von Samsung. Wie wir heute leidvoll wissen, nicht das allerbeste Datum, sind wir doch an jenem Tag de facto aufgefordert worden, daheim zu bleiben und die Geschäfte wurden geschlossen. Aber in Zeiten von Online-Shopping ist auch das kein Problem und zum Anschauen war das Gerät ja bereits seit Mitte Februar in diversen gut sortierten Elektronikfachmärkten zu finden. Das S20 Ultra 5G ist Samsungs ultimatives Flaggschiff für die erste Jahreshälfte 2020. Es verspricht viel - unter anderem einen 100-fach Zoom, lange Akkulaufzeit und 5G-Konnektivität. Ich habe das Gerät sehr genau unter die Lupe genommen und habe doch einige Dinge gefunden die mir nicht so zugesagt haben. Aber der Reihe nach...fangen wir mit der Technik an.

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Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss

Technik - stark, mit einem Wehrmutstropfen!

Kommen wir zuerst zum Positiven: Das 6,9-Zoll AMOLED Display ist schlicht das beste Display auf dem Markt! Es ist leuchtstark, farbenfroh und nicht mehr so stark abgerundet wie die "edgy" Vorgänger. Die Frontkamera ist, wie beim Note 10+, als kleines Loch in der oberen Mitte des Bildschirm gestaltet. Das Loch stört keineswegs, denn es fügt sich perfekt in die Benachrichtigungsleiste ein und immerhin ist es ein Loch und keine Notch. Das Kamerasetup ist mit einem 108-Megapixel Hauptsensor, einem 12-Megapixel Weitwinkelsensor, einem 48-Megapixel Periskopsensor und einer 0,3-Megapixel TOF-3D Linse am Papier ein Wahnsinn. Das Gerät bringt einen 5.000 mAh starken Akku, 12 GB RAM und 128 GB ultraschnellen UFS 3.0 Speicher. Das alles sind sehr sehr starke Argumente. Bluetooth 5.1, WiFi 6 (ax) und andere moderne Standards sorgen für perfekte Konnektivität Leider krankt es meiner Meinung nach trotzdem unter der Haube.

Um das zu verstehen ein kleiner Exkurs: Schon seit einigen Jahren stattet Samsung seine Flaggschiffgeräte am Weltmarkt mit verschiedenen Prozessoren aus. Bisher gab es in Europa und Südkorea meist den hauseigenen Exynos-Chip und im Rest der Welt einen Qualcomm Snapdragon. Heuer hat sich insofern etwas geändert, als Samsung auch im Heimmarkt Südkorea einen Qualcomm Snapdragon 865 verbaut. Für nicht so technikaffine Menschen ist das vielleicht nur eine Nebensache, jedoch stehen die hauseigenen Exynos Chips schon seit einiger Zeit unter Verdacht, einfach nicht dieselbe Leistung abrufen zu können wie ein Snapdragon. Das lässt sich durch Vergleichstests bisher sehr gut nachvollziehen. Heuer ist der Unterschied laut einigen Tests jedoch besonders gravierend. Samsungs eigener Exynos 990 Chip bietet, je nach Test, rund 20 Prozent weniger Leistung als ein Snapdragon 865. Die Geräte kosten allerdings bei uns gleich viel wie in den USA und Südkorea (bzw. sind bei uns wegen der verschiedenen Steuersätze teilweise sogar teurer). Jetzt ist es nicht so, dass der Exynos 990 per se ein schlechter Chip ist. Das Gerät ist für alle Hausaufgaben sehr sehr gut gerüstet und auch hervorragend zu bedienen. Was sich jedoch in meinem Test mit den Beobachtungen der Kollegen deckt: Das Exynos-Gerät wird, vor allem bei Spielen, rund um die Kameralinse sehr sehr heiß. Das Benchmark-Tool Antutu zeigt für die CPU teilweise Temperaturen um die 65 Grad Celsius an! Auch kam es bei Spielen während meines Tests oft zu kleinen Rucklern und Framerateeinbrüchen. Das konnten Tester des Snapdragon-Modells nicht reproduzieren (ich hab leider kein Snapdragon 865 Äquivalent zum testen). Und last but not least - die Akkulaufzeit: Die ist für ein Gerät mit 5.000 mAh Akku schlicht nicht gut! Fairerweise hat man es jedoch selbst in der Hand die zu optimieren. Das Display lässt sich im Full-HD+ Modus nämlich auf eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hertz einstellen. Damit bekommt man butterweiches Scrolling und das Gerät fühlt sich nochmal schneller an. Jedoch knabbert dieses Feature stark am Akku. Weiters lässt sich das Gerät mit einer Auflösung von 3200x1440 Pixel betreiben, dann aber nur mit 60 Hertz Wiederholrate. Jetzt frisst zwar die höhere Auflösung wieder mehr Akku, aber die 120 Hz sind aus. In allen Szenarien war die Akkulaufzeit höchstens zufriedenstellend, am schlechtesten jedoch mit FHD+ und  120 Hz. Und das ist einfach Megaschade! Denn wenn ich schon so ein geniales Feature einbaue, dann sollte es auch immer in vollem Umfang nutzbar sein! Andere Hersteller setzen vermehrt auf 90 Hz bei voller Bildschirmauflösung und da ist fast kein Unterschied zu den 120 Hz des Ultra. Volle Displayauflösung mit 90 Hz wäre meiner Meinung nach beim S20 Ultra der bessere Weg gewesen, macht sich aber nicht so gut im Marketing - extrem schade Samsung! Und noch abschließend: Die Akkulaufzeit des Snapdragon-Modells ist laut Berichten, trotz der 120 Hz, besser.

Hervorragend gefallen hat mir wiederum die 5G-Konnektivität. Da wir in Linz im vollen Ausbaugebiet eines heimischen Netzbetreibers sind und ich auch meinen Tarif schon umgestellt habe komme ich bereits in den vollen Genuss der neuen Technologie. Die Empfangsstärke ist stets gut, besser als mit 4G und der Speed ist fantastisch. Bei einem Speedtest konnte ich 500 Mbit/s Downstream und 50 Mbit/s Upstream erreichen (mehr gibt mein Tarif nicht her). Theoretisch sind bereits Geschwindigkeiten über 1 Gbit/s möglich. Allerdings kostet auch die 5G-Konnektivität etwas an Akkulaufzeit. Sowohl mit dem S20 Ultra 5G als auch mit meinem Daily Driver, einem Hauwei Mate 20 X 5G. Wer also noch nicht vor hat auf 5G umzusteigen, der sollte 5G in den Einstellungen deaktivieren und rein im 4G-Netz surfen. Zukunftssicher ist das S20 Ultra 5G jedoch auf jeden Fall!

Die Stereo-Lautsprecher sind hervorragend und laut. Die Akkuladezeit ist mit maximal 45W begrenzt (in der Schachtel liegt jedoch nur ein 25W-Ladegerät bei). Das Gerät ist nach IP-68 Wasserfest und lädt auch kabellos auf.

Kamera - extrem gut, mit einer Ausnahme!

Das hervorragende Kamerasetup macht auch sehr sehr gute Fotos. Egal ob im kombinierten Modus oder der vollen Auflösung von 108 Megapixel. Die berichteten Probleme mit dem Autofokus konnte ich in meinem Test nicht reproduzieren. Während meines Testzeitraums kam außerdem ein Update mit Verbesserungen für die Kamera. Aufnahmen sind sowohl bei gutem Licht, als auch bei schlechten Lichtverhältnissen wirklich sauber und sehr schön. Auch das Weitwinkelobjektiv erledigt seine Sache hervorragend. Auch bis Zoomstufe 10-fach werden die Bilder hervorragend. In die Welt des Marketinggag muss ich allerdings den 100-fach Spacezoom verbannen. Der ist ein lustiges Gadget, mehr aber nicht. Die Fotos werden zu stark verpixelt, als dass man sie für irgendwelche Zwecke verwenden könnte. Es gibt zwar eine äußerst praktische Sucherhilfe wenn man 50- und 100-fach Zoom verwendet, jedoch muss man das Gerät trotzdem sehr sehr ruhig halten um das Motiv einfangen zu können. Wer also im Bereich des optischen Zoom der Kamera bleibt (maximal 10-fach) schafft hervorragende Fotos, darüber ist die Auflösung schlicht nicht gut und man merkt den Digitalzoom zu stark.

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Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss

Software - schnelle Updates - teilweise kleine Ruckler!

Auf dem S20 Ultra 5G arbeitet ab Werk Android 10.0 mit dem Sicherheitspatch für März 2020. Die One UI Version ist 2.1. Samsung meistert in letzter Zeit die Verteilung der monatlichen Sicherheitspatches hervorragend gut und ist teilweise schneller als Google selbst. Die Software ist schnell, leidet manchmal jedoch noch unter kleinen Mikrorucklern, die allerdings nicht stark auffallen. Vor allem im oben beschriebenen 120 Hz Modus ist es eine Freude durch Facebook, Twitter, Chrome-Webpages usw.. zu scrollen. Es ist dort alles butterweich, weil sich das Bild viel schneller aufbaut als bei 60 Hz. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt jedoch auch das überladene System mit seinen vielen Apps, die teilweise doppelt da sind. Samsung Browser, Samsung Mail und und und.... Aber das ist für Samsung-Freunde kein Problem und war es auch für mich nicht. Es bedarf jedoch ein wenig mehr Arbeit das System den eigenen Wünschen anzupassen als z.B. bei einem Gerät mit Vanilla Android. Extrem nervig ist leider die Kombination von Power-Taste und Bixby-Button. Wenn ich das Gerät ausschalten will muss ich die Lautstärke-Runter Taste und den Power-Buttion gleichzeitig drücken. Wenn ich nur den Power-Button drücke kommt Bixby. Zu dem Sprachassistent möchte ich aber kein Wort verlieren, denn ich nutze ihn schlicht nicht. Google Assistant ist meiner Meinung nach das Gebot der Stunde und sowieso im Android-System vorhanden. 

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Foto: Weekend Magazin/Lukas Steinberger-Weiss

Fazit - ein zweischneidiges Schwert!

Das S20 Ultra 5G ist mit seinem 6,9-Zoll ein gigantisches Gerät und verspricht viel. Das hat auch seinen Preis. Die günstigere Version mit 12GB RAM und 128 GB Speicher (erweiterbar per microSD) startet bei ultrahohen 1.349.- Euro. Es gibt auch eine Version mit 16GB RAM und 512 GB Speicher, die schlägt dann aber bereits mit über 1.500 Euro zu Buche. Um das Geld bekommt man am freien Markt bereits ein Samsung Galaxy Fold 5G, welches ich hier getestet habe. Und nach dem Test des faltbaren Samsung wirkt das S20 Ultra 5G fast bieder und fad! Dazu die Geschichte mit dem etwas schwächeren Prozessor in Europa, der suboptimalen Akkulaufzeit und dem Marketinggag 100-fach Space-Zoom. Dafür erscheint mir der aufgerufene Preis einfach zu hoch! Ich habe bereits Tests des S20+ gelesen, welches mit 999 Euro (4G-Version) um einiges billiger ist und von den Testern sehr gelobt wird. Die Entscheidung welches Samsung Gerät passend ist, überlasse ich jedoch natürlich wie immer meinen Lesern. Fakt ist, man bekommt zwar beim S20 Ultra 5G viel geboten, aber eben nicht zu 100% perfekt umgesetzt. Auch die Größe des Geräts könnte einige abschrecken. Jetzt wäre es einfach zu sagen, anschauen und testen, nur leider ist das derzeit (Stand 31.03.2020) aufgrund des Corona-Lockdowns nicht so einfach möglich, da ja die meisten Geschäfte schlicht geschlossen sind. Aufgrund des hervorragenden Displays, der zukunftssicheren Konnektivität und der in den meisten Situationen hervorragenden Kamera bekommt das S20 Ultra 5G 7 von 10 Bewertungspunkten von mir. Einen Wunsch setze ich aber ans Ende dieses Tests: Bitte Samsung, baut ab sofort auch bei uns in Europa den Qualcomm Snapdragon in die Geräte ein - schon ab dem Note 20 (+ oder Ultra oder wie auch immer!). Denn um nochmal auf meinen Test des Galaxy Fold 5G zurückzukommen. Darin arbeitet der Qualcomm Snapdragon 855 aus dem Vorjahr und der Speed, die Akkulaufzeit und die Wärmeentwicklung des Geräts sind hervorragend! Ich finde einfach, dass Qualcomm derzeit die besten mobilen Prozessoren und Grafikchips baut und wenn ich so viel Geld für ein neues Flaggschiff auf höchstem Niveau ausgebe möchte ich auch den besten Chip. 

Bis zum nächsten Mal und bleibt gesund! 

Hinweis: Das Testgerät wurde mir von Samsung Austria für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Der Testbericht entsteht unabhängig und wird vor Veröffentlichung nicht zur Freigabe an Samsung  gesendet.

Weekend-Redakteur Lukas Steinberger-Weiß ist ein Technik-Freak sondergleichen. Wobei ihn die Bezeichnung „Nerd“ nicht beleidigt, sondern ehrt. Er saugt alle Neuheiten in sich auf und ist immer am neuesten Stand, liebt Computerspiele, beschäftigt sich ausführlich mit den neuesten Smartphones und den dazugehörigen Gadgets und ist ein Experte für Unterhaltungselektronik. In seinem Blog testet er Spiele, Konsolen, Smartphones, Gadgets und vieles mehr und lässt die Leser an seiner Faszination für die spannende Technik-Welt teilhaben.

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