Beziehungscheck: Wie viel Distanz ist gesund?

Am Anfang einer Beziehung kann man gar nicht genug vom anderen bekommen, doch im Laufe der Zeit wird das Bedürfnis nach Distanz stärker. Dies ist völlig normal, doch wie viel Distanz tut der Liebe gut und ab wann könnte es zuviel werden?

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Die richtige Balance von Nähe und Distanz finden Foto: GeorgeRudy/iStock/Thinkstock

Die erste Zeit einer Beziehung verläuft meist intensiv: Man trifft sich so oft wie möglich, verbringt jede freie Minute gemeinsam und lernt den Partner so immer besser kennen. Diese Phase der Liebe ist nicht nur aufregend und prickelnd, sondern auch wichtig, um abschätzen zu können, ob der neue Schwarm auch langfristig zu einem passt. Stellt man nach dieser anfänglichen Zeit des Verliebtseins fest, dass es tatsächlich Liebe ist, verändert sich die Struktur der Beziehung. Das vielleicht seit längerem vernachlässigte Hobby wird wieder interessant, eine ausgedehnte Shoppingtour mit der besten Freundin verspricht jede Menge Spaß und auch ein Männerabend mit den Kumpels muss mal wieder drin sein. Anstatt jede Sekunde mit seinem Herzblatt zu verbringen, benötigt nun auch jeder wieder seinen eigenen Freiraum.

Was ist schon normal?

Wie viel Nähe oder Distanz jeder für sich persönlich in einer Beziehung benötigt, liegt zu einem großen Teil an unseren frühkindlichen Erfahrungen und der Beziehung zu den Eltern. Es ist also völlig normal, dass ein Partner ein größeres Freiheitsbedürfnis hat als der andere und bedeutet noch lange nicht das Ende der Beziehung! Wichtig ist hierbei nur eine Sache: Das Verhältnis von Nähe und Distanz muss so sein, dass sich beide Partner damit wohlfühlen. Was das genau bedeutet, kann nur vom Paar gemeinsam definiert werden, und zwar durch eine offene und ehrliche Kommunikation. Wie viel Freiräume schließlich ein jeder hat und wie die gemeinsam verbrachte Zeit gestaltet wird, muss jedes Paar individuell für sich herausfinden – ein richtig oder falsch gibt es nicht.

Das Gummibandprinzip

Falsch wäre es allerdings, den Partner mit dem größeren Freiheitsbedürfnis festhalten zu wollen und zu klammern. Dies hätte einzig den Effekt, dass sich der andere eingeengt fühlt und sich noch weiter von einem entfernt. Besser ist es, nach dem sogenannten Gummibandprinzip vorzugehen: Lasse ich dem anderen seinen Freiraum, kehrt dieser immer wieder von selbst zu mir zurück. Eine Beziehung besteht immer aus zwei selbstständigen Menschen, die ihre eigenen Interessen haben und denen auch nachgehen sollen. Denn nur so bleibt die Liebe lebendig. Dies muss man erkennen, um in der Distanz eine Chance und nicht eine Bedrohung zu sehen.

Living apart thogehter

Ein Paar, zwei Wohnungen – dieses Konzept wird in der Sozialpsychologie als LAT-Beziehung bezeichnet. Manche Paare werden zu dieser Art der Beziehung geradezu gezwungen – man denke nur an eine Fernbeziehung – andere entscheiden sich aber auch ganz bewusst dafür, getrennt zu wohnen. In Österreich lebt jeder Fünfte in einer solchen Beziehung und die Tendenz steigt, wie eine Studie des österreichischen Instituts für Familienforschung der Universität Wien ergab. Die Vorteile? Alltägliche Zankereien, wie die Frage wer denn nun bitte den Müll rausbringt, entfallen. Besonders Frauen fühlen sich in einer Beziehung mit zwei getrennten Wohnungen wohl, da sie üblicherweise immer noch mehr Arbeiten im Haushalt verrichten als Männer. Doch nicht nur Streit kann so vermieden werden, auch die Sehnsucht nach dem anderen steigt. Sieht man sich dann endlich wieder, nutzt man diese Zeit intensiv und bewusst – Qualität vor Quantität also. Doch es besteht das Risiko, dass sich die Partner durch die räumliche Trennung zunehmend voneinander entfremden und auseinanderleben. Auch trennen sich Paare, die getrennt wohnen, häufiger, schließlich sind die organisatorischen Hürden hier viel geringer, als wenn man sich eine gemeinsame Wohnung teilt. Aus diesem Grund sind Rituale besonders wichtig: Gemeinsames Kochen, regelmäßige Telefonate und vebindende Erlebnisse helfen, die Bezeihung lebendig zu halten. 

Die eigene Mitte finden

Viele möchten mit ihrem Schatz zusammenleben, dennoch aber ihren Freiraum haben. Eine gute Idee wären dabei getrennte Schlafzimmer. Besonders Frauen sind dem nicht abgeneigt, zeigen aktuelle Umfragen. Dies kann durchaus einfach daran liegen, dass Männer Nachts doch hin und wieder mal zu schnarchen anfangen und so einer entspannten Nachtruhe im Wege stehen. Aber auch wer sich gerne mit seinem Partner Wohnung und Bett teilt, sollte seine Individualität in einer Beziehung nicht vergessen. Ein Mädelsabend die Woche oder ein Hobby, dem man nur für sich alleine nachgeht, können schon neuen Schwung und Zufriedenheit schenken. Individuelle Erlebnisse und Erfahrungen sind wichtig – anschließend kann man dann ja gerne seinem Partner davon berichten.