Interview mit Elfriede Ott: Was es braucht, um Schauspieler zu werden

Als Leiterin ihrer 2005 gegründeten Schauspielakademie hat Elfriede Ott schon zahlreiche Talente auf eine Karriere im Theater vorbereitet. Die nächste Aufnahmeprüfung findet am 4. und 5. Juli 2014 statt. Elfriede Ott im Interview.

Elfriede Ott
2005 gründete Elfriede Ott das „Studio der Erfahrungen“. Foto: Rene Wallentin / picturedesk.com

Die Schauspielausbildung in der Schauspielakademie Elfriede Ott richtet sich an jene Menschen, die Schauspiel ernsthaft zu ihrem Beruf machen möchten. Es handelt sich um eine dreijährige Ausbildung mit erfahrenen Lehrern. Wer die Abschlussprüfung schafft, erhält ein Zertifikat des renommierten Instituts. Aber auch zahlreiche Workshops und Seminare, zugeschnitten auf individuelle Bedürfnisse, werden im „Studio der Erfahrungen“ von Elfriede Ott angeboten.

Interview mit Elfriede Ott

Was man als junger Mensch braucht, um Schauspieler zu werden, wie sich die Schüler während der Ausbildung verändern und was die schönsten Momente sind auf den Brettern, die die Welt bedeuten – Elfriede Ott im Interview.

Sie waren 25 Jahre Schauspiel-Lehrerin am Konservatorium. 2005 haben Sie Ihre eigene Schule gegründet, das „Studio der Erfahrungen“. Wenn man Schauspieler werden will, welches Gefühl braucht man da in seinem Inneren?

Du musst es wollen. Wenn du auf der Bühne stehst, wenn das Licht auf dich leuchtet, wenn du im Studio stehst. Du muss es lieben, wenn die Kamera auf dich gerichtet ist. Solche großen Gefühle braucht man.

Wie war das damals bei Ihnen? Haben Sie irgendwann gespürt, dass Sie Schauspielerin werden wollen?

Ja, schon immer. Ich weiß noch ganz genau, dass ich als junges Mädchen, ich war fast noch ein Kind, im Volkstheater „Die Jungfern von Bischofsberg“ von Gerhart Hauptmann gesehen hab. Mit Inge Konradi und Susi Nicoletti. Und ich hab mir gedacht: Das will ich! Genau DAS will ich auch! Wenn also ein junger Mensch zu mir kommt und sagt: „Ich hab schon mein ganzes Leben lang nichts anderes wollen, als zum Theater oder zum Film zu gehen!“, dann ist das schon eine wertvolle Grundlage. Ich sage dann immer: „Ich wünsche sehr, dass es durch uns gelingt.“

Ihre Ausbildung dauert 3 Jahre und wird mit einem staatlich anerkannten Diplom abgeschlossen. Wie verändern sich Ihre Schüler in dieser Zeit?

Sie sind von ihrer Persönlichkeit ganz andere Menschen. Unsere Schule ist eine wunderbare Charakterbildung. Die jungen Leute bekommen soviel Selbstbewusstsein. Davon profitiert man auch, wenn man danach einen ganz anderen Beruf ergreift. Die Persönlichkeitsentwicklung ist so stark, ich könnte sonst diese Verantwortung gar nicht tragen.

Welche Eigenschaften braucht man noch als Schauspielschüler?

Disziplin und Verlässlichkeit. Es macht mich nervös, wenn Leute, die in einer Produktion sind, einfach nicht zu den Proben kommen. Und Wandelbarkeit ist sehr wichtig. Ich habe dafür Alma Seidler, eine Burgschauspielerin, so unendlich verehrt. An einem Abend spielte sie eine ganz zurückhaltende Rolle, am nächsten Abend war sie die große Prinzessin. Großartig, kaum wiederzuerkennen!

Elfriede Ott
Elfriede Ott unterrichtet dreimal pro Woche Foto: Rene Wallentin / picturedesk.com

In einem Interview von 2013 heißt es, dass sie dreimal pro Woche unterrichten. Immer noch?

Ja. Und ich hätte dafür gerne noch viel mehr Zeit. Ich nehme mir immer die Anfänger, den ersten Jahrgang. Weil es mir wichtig ist, ihnen die Grundlagen zu vermitteln. Ich finde auch, dass man so schnell wie möglich in die Praxis übergehen, und nicht ewig irgendwelche Übungen machen soll. Letztes Jahr hab ich zum Beispiel mit dem ersten Jahrgang ein ganzes Stück aufgeführt. Liliom, im Ateliertheater. Das war so wunderbar für mich, das können Sie sich nicht vorstellen. Man hätte nicht geglaubt, dass die jungen Leute erst im ersten Jahr sind!

Gibt es Dinge, die Sie immer wieder predigen und die Schüler verstehen es trotzdem nicht?

Ja, man muss den jungen Leuten Tipps geben, wie man einen Text richtig lernt. Das machen fast alle falsch, aber woher sollen sie es denn auch wissen? Das Geheimnis ist: Jedes Wort muss gedacht sein, nicht bloß gesprochen. Auch wenn da ein UND oder ein ABER steht, dann hat das seinen Sinn. Aber das müssen die Schüler selbst spüren. Irgendwann, früher oder später, kommt der Punkt, wo sie es einmal begreifen.

Was ist für Sie das schönste an der Schauspielerei? Und was das schlimmste?

Das schlimmste waren für mich immer die ersten Proben bei einem Stück. Und der Stress. Den kann man natürlich beim Theaterspielen gar nicht gebrauchen. In diesem Beruf hat man eigentlich dauernd Ängste (lacht). Das beginnt schon beim Vorsprechen. Es erfordert sehr viel Mut zu sagen: „Das bin ich! Ich habe Talent und ich möchte zum Theater!“. Die Höhepunkte sind, wenn es zwischen dem Publikum und den Schauspielern funktioniert. Man kann ein Stück 50 mal spielen und beim 36. Mal kommen danach die Leute und sagen: „Also heute war es fantastisch!“

Welchen Tipp geben Sie Ihren Absolventen?

Ich sage ihnen: Gehen Sie vorsprechen. So oft wie möglich.

Viele junge Leute wollen ja heute zum Film. Ist das Theater die Vorstufe zum Film?

Ich behaupte, ja. Das Handwerk lernst du am Theater. Und ein sehr guter Schauspieler am Theater wird auch ein guter Schauspieler beim Film sein.

Warum ist Ihre Schauspielschule anders? Warum haben Sie die besseren Absolventen?

Das möchte ich ja gar nicht behaupten. Aber ich persönlich kann von mir sagen: Ich habe den sogenannten Riecher. Ich spüre sehr stark, ob ein Mensch da ist oder nicht, wenn er den Raum betritt. Ob er eine Präsenz hat. Es ist die Grundlage für mich zu sehen, ob jemand mit dieser Ausstrahlung glänzt.

„Das will ich auch!“

Die nächste Aufnahmeprüfung findet am Samstag, den 4. und 5. Juli 2014 statt. Adresse: 1030 Wien, Zaunergasse 1-3. Die Ausbildungskosten betragen € 4.890 pro Jahr. Die Anmeldung läuft über die Homepage www.ottstudio.at

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