Frauen im Job: Chefinnen auf dem Prüfstand

Wenn Karrierefrauen als egoistisch wahrgenommen werden und sich Kerle mit dümmlichen Ladys schmücken, dann sind wir mittendrin: in der Welt der Klischees.
Und staunen nicht schlecht, wie viel Wahrheit tatsächlich in ihnen steckt.

Frau Baustelle
Frauen an der Spitze: mehr gefürchtet als geliebt Foto: NataliaDeriabina/iStock/Thinkstock

"Der Ansatz, die Führungsstile von Männern und Frauen zu vergleichen und somit in Konkurrenz zu stellen, ist ein wenig überholt“, sagt Stephanie Bondi (35). Sie ist Stv. ­Obfrau von Sorority, einem unabhängigen Netzwerk für Frauen. Stimmt, werden auch Sie vielleicht denken. Will man es dennoch schwarz auf weiß haben, zeigt die Studie von Forschern der Universität Mainz und des amerikanischen College of Charleston: Frauen und Männer führen im Großen und Ganzen ähnlich. Und zwar, weil Führen ohne Durchsetzungsstärke, Risikobereitschaft und Entschiedenheit gar nicht geht.

Die Sache mit dem Ehrgeiz

Logisch, okay. In den Köpfen unserer Gesellschaft angekommen, ja. Bis in das ­Bewusstsein der Menschen durchgedrungen, eher nicht. Denn während karrierefixierte Männer als sexy, erfolgreich und begehrenswert beschrieben werden, hängen machtbewussten Frauen noch immer negative Attribute wie karrieregeil, egoistisch oder kalt an.

Lieber Howard statt Heidi

Das zeigte bereits ein Experiment an der Harvard Business School, bei dem Schülern der Lebenslauf einer real existierenden Unternehmerin namens Heidi Roizen vorgelegt wurde. Eine andere Gruppe bekam denselben Lebenslauf, lediglich mit dem Unterschied, dass aus Heidi Howard ­wurde. Und siehe da: Howard wirkte auf die Studenten sympathisch, Heidi hingegen fanden sie egoistisch. Sie sei niemand, "den man einstellen oder mit dem man zusammenarbeiten will".

Feiner Unterschied

Diese Tatsache macht es Karrierefrauen oft im sozialen Umfeld nicht leicht. Da sie prinzipiell mit allen gut auskommen möchten, befinden sie sich schnell im Zwiespalt. "Frauen haben in den meisten Fällen an zwei Fronten zu kämpfen: einerseits mit sich selbst, indem sie sich oft nicht trauen, schwierige Sachen wie das Gehalt von sich aus anzusprechen", weiß auch Bondi. "Ich habe viele Frauen mit dem Impostor-(Hochstapler) Syndrom kennengelernt, die höchst qualifiziert sind, aber glauben, sie seien nicht gut genug. Andererseits müssen sie mit Sexismus und veralteten, patriarchalen Strukturen kämpfen." 

Ihr Tipp für alle, die dennoch ganz oben auf die Karriereleiter möchten: "Gutes tun und darüber sprechen, so wie die männlichen Kollegen auch. Um es mit Sheryl Sandbergs Worten zu sagen: 'Sit at the table', nimm dir den Platz, der dir zusteht, anstatt dich mit falscher Zurück­haltung zu schmücken."

Das sagt die Wissenschaft

  • In den Köpfen ist die Emanzipation bereits angekommen, im Bewusstsein noch nicht
  • Frauen unterschätzen ihre beruflichen Kompetenzen, Männer neigen hingegen zur Selbstüberschätzung
  • Machtbewusste Frauen werden als unsympathisch wahrgenommen, karrierefixierte Männer als sympathisch
  • Intelligente Frauen werden von Männern als ­unattraktiver eingestuft
  • Österreich liegt beim ­Anteil der weiblichen Führungskräfte in der EU an viertletzter Stelle