Trübe Stimmung: Schlägt schlechtes Wetter aufs Gemüt?

Macht grauer Himmel schlechte Laune, werden wir bei Hitze aggressiver und ist Lachen im Winter ein Ding der Unmöglichkeit? Beeinflusst das Wetter wirklich unsere Stimmung oder sollten wir einfach im Regen tanzen?

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Mit der richtigen Einstellung hat man auch im Regen Spaß Foto: castenoid/iStock/Thinkstock

Ach, schon wieder dieser Föhnwind, da kann der Kopf ja nur schmerzen und die Narben ziehen. Morgen ist auch noch Vollmond … an erholsamen Schlaf ist also kaum zu denken. Da kann die Laune ja nur sinken. Leidet der Körper wirklich unter dem Wetter oder reden wir uns das nur ein?

Wetterfühlig

Manche Menschen spüren Wetterumschwünge stärker als andere. Schlägt das Wetter um, fühlen sich viele müde, leiden bei starkem Wind unter Kopfschmerzen, haben bei großer Hitze Kreislaufbeschwerden und bei regnerischem Wetter sind alte OP-Narben plötzlich wieder stark zu spüren und das Rheuma wird schlimmer. Das bilden sich die Betroffenen auch nicht ein, denn ein plötzlicher Wetterwechsel wirkt sich wirklich auf den Körper aus – die meisten merken davon nur einfach nichts. Je schneller sich das Wetter ändert, desto stärker sind auch die Beschwerden. Grund dafür ist der Luftmassenwechsel, der unseren Blutdruck durcheinanderbringt.

Nicht alle Menschen reagieren gleich empfindlich und auch Betroffene können etwas gegen die Beschwerden tun: Abhärten lautet die Lösung. Bei jedem Wetter ab ins Freie, eine erfrischende Kneippkur und regelmäßige Saunagänge bieten sich an. Aber wenn das Wetter zu Kopfschmerzen und rheumatischen Beschwerden führt, schlägt es uns dann auch auf die Stimmung?

Flirten? Lieber bei Sonnenschein

Ob das Wetter unsere Laune beeinflusst wurde in mehreren Studien untersucht. Einige Studien ergaben, dass flirtwillige Männer bei Sonnenschein eine um 22 Prozent höhere Erfolgsquote vorweisen können. Das wäre immerhin einen Versuch wert. Eine andere Studie zeigte, dass wir bei strahlendem Wetter eher bereit sind, für Dinge mehr Geld auszugeben. Macht uns der Winter also geizig?

Alles Einstellungssache

Eine eindeutige Antwort, ob das Wetter uns beeinflusst oder nicht, kann die Wissenschaft nicht liefern. Es scheint so, dass das Wetter zwar einen Einfluss hat, der aber sehr viel geringer ist als wir im Allgemeinen glauben. Es ist nämlich alles eine Typfrage: Manche Menschen brauchen nur aus dem Fenster zu sehen, eine dunkle Wolke zu erblicken und sofort verdüstert sich ihre Laune. Schuld daran ist aber nicht die Wolke, der Luftdruck, die Kälte, die Hitze oder was es sonst noch so an Wetterphänomenen gibt, sondern einzig und allein die Einstellung. Eine holländische Studie konnte vier Wettertypen ausmachen: Die Personen, die keinen Einfluss vom Wetter bemerkten, die Sommer-Liebhaber, die Regen-Hasser und, oh Schreck, es gibt auch Sommer-Hasser. Die meisten Menschen waren aber der neutralen Gruppe zuzuordnen, die von der aktuellen Wetterlage nicht beeinflusst wurden.

Angelernt

Es gibt viele Gründe, warum nicht alle Menschen gleich auf das Wetter reagieren. Einige Studien ergaben, dass besonders psychisch labile Menschen empfänglich auf Wetterumschwünge reagieren, andere ergaben wiederum das genaue Gegenteil. Psychologen sehen unsere Einstellung dem Wetter gegenüber auch in der Kindheit: Haben Mama und Papa bei einem verregneten Sonntag nur vor sich hingemurrt, anstatt einen gemütlichen Kuscheltag daraus zu machen, hat das Kind auch nie die Vorteile von einem echten Schmuddelwetter erfahren können. Kein Wunder, dass man als Erwachsener dann unbewusst schlechtes Wetter mit schlechter Laune verbindet.

Da geht einem ein Licht auf

Wieso fühlen wir uns im Frühling aber so viel beschwingt als im Herbst? Das Wetter muss ja einen Einfluss haben. Es ist weniger das Wetter, als das Licht. Wir bewegen uns mehr an der frischen Luft und tanken mehr Licht. Wer den Frühling eingeigelt im stillen Kämmerchen verbringt, wird von der positiven und belebenden Stimmung nichts mitbekommen. Denn es fehlt ihm immer noch das Licht.

Der Grund, für saisonale Herbstdepressionen ist der Lichtmangel. Weniger das aktuelle Wetter, sondern der Grad, dem man einer Lichtquelle ausgesetzt ist, beeinflusst unsere Stimmung. Denn nur mit genügend Licht können wir Serotonin und Vitamin D produzieren. Auch schraubt der Körper bei genügend Helligkeit die Produktion des Schlafhormons Melatonin herunter, sodass wir uns wacher und energiegeladener fühlen.

Lichttherapie

Das Wetter ist also keine passende Ausrede für seine schlechte Laune. Doch was hilft gegen trübe Stimmung im Herbst und Winter? Seit Jahren bewährt hat sich die Lichttherapie. Durch genügend Helligkeit schüttet unser Körper genau die Hormone aus, die wir brauchen, um mehr Energie zu haben. Es ist mit ausreichend Licht also möglich, gut gelaunt durch den Winter kommen – vielleicht brennen ja deswegen am Weihnachtsbaum so viele Kerzen?