Koks & Cash: Mafia-Boss vor Gericht

Am Wiener Landesgericht hat ein streng gesicherter Prozess wegen schweren Raubes stattgefunden. Der Angeklagte soll ein führendes Mafia-Mitglied sein.
Autor: APA Chronik, 03.11.2022 um 13:57 Uhr

Spezialkräfte der Justizwache, der Verfassungsschutz, weiträumige Absperrungen, Fotografier- und Filmverbot – unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurde heute am Wiener Landesgericht einem hochrangigen Mafia-Boss der Prozess gemacht. Beim Angeklagten soll es sich um ein führendes Mitglied einer serbisch-montenegrinischen Mafia-Bande handeln, die in Österreich in großem Stil mit Suchtgift handelt.

Koks- & Cash-Raub

Laut Anklage hat der 34-Jährige 2019 mit sechs Bandenkollegen einer anderen Täter-Gruppe in Wien gewaltsam 13 Kilogramm Kokain und 106.000 Euro abgenommen. "Das Ganze war ein perfekt inszeniertes Szenario", schilderte ein Ermittler dem Schöffensenat. Die Band habe zum Schein vorgegeben, in einer extra angemieteten Lagerhalle Kokain ankaufen zu wollen. Der Angeklagte und seine Mittäter lauerten hinter aufgestellten Matratzen auf die Boten und gingen mit brutaler Gewalt auf sie los. Einem der beiden wurde ein Messer in den Rücken gestochen, der Mann wurde schwer verletzt.

Film- und Fotografierverbot | Credit: STEFAN SOMWEBER / APA / picturedesk.com

Mafia-Boss: „Ich bin nicht schuldig“

"Ich war nicht Teil dessen, was in der Anklage steht", meinte der angebliche Mafia-Boss, dessen Gruppierung laut Bundeskriminalamt in ganz Europa, womöglich sogar weltweit bekannt und neben Suchtgifthandel für brutale Delikte berüchtigt sein soll. Er bekenne sich "nicht schuldig", sagte der 34-Jährige. Verteidiger Werner Tomanek kündigte an, sein Mandant werde von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen und keine Fragen beantworten. Der mutmaßliche Mafia-Boss sitzt bereits seit als eineinhalb Jahren in Wien in U-Haft – er wurde im Juni 2021 festgenommen. Den Erkenntnissen des Bundeskriminalamts zur Folge umfasste die kriminelle Organisation allein in Wien 200 Personen. Für mehrere 100 Kilogramm Suchtgift soll sie in der Bundeshauptstadt Abnehmer gefunden haben. Im Februar 2020 rückte der 34-Jährige an die Spitze des Wiener Ablegers vor. 

Wegen Mordes in Gefängnis

Fest steht allerdings, dass der 34-Jährige in Serbien bereits wegen Mordes eine elfjährige Freiheitsstrafe verbüßt hat. Dazu merkte der 34-Jährige knapp an: "Es ist unerhört, warum ich damals im Gefängnis sein musste." Danach gab es von seiner Seite keine weiteren Wortmeldungen mehr. 

Krypto-Messenger wurde zum Verhängnis

Wie die Staatsanwältin ausführte, war man dem Angeklagten und seiner Gruppierung auf die Spur gekommen, weil diese über den vermeintlich abhörsicheren Krypto-Messenger „Sky ECC“ kommuniziert hatten. Die Polizei konnte den Messenger knacken und die Chats entschlüsseln. Laut Bundeskriminalamt in Wien soll die Bande in einer bisher nicht da gewesenen Dimension Drogen-Geschäfte abgewickelt haben.