Herbst & Hirscher: Alles für die Fisch

Gerüchten zufolge zahlte ein Sammler und Liebhaber 1,5 Millionen Euro für den teuersten „Nishikigoi“ der Geschichte. Eine Summe die deutlich zeigt: Koi-Karpfen sind keine gewöhnlichen Teichbewohner. Vor allem in Japan genießen die Tiere absoluten Kultstatus und werden seit Jahrhunderten als Zierfische gehalten. Woher wir das alles wissen? Reinfried Herbst hat uns in die Koi-Welt eintauchen lassen. Seit einigen Jahren hält und verkauft der frühere Slalom Vize-Olympiasieger bei sich daheim in Wals die farbenprächtigen Karpfen. Was einst in Kindertagen mit einem selbst gebauten Teich am Bauernhof der Eltern begann, ist heute für den Salzburger weit mehr als ein Hobby. „Der Koi-Virus hat mich voll erwischt“, grinst Herbst, der 2016 die Skier an den Nagel hing und sich seither seiner zweiten großen Leidenschaft widmet.

Reinfried Herbst mit einem Koi | Credit: Reinfried Herbst/Koi-Alm Salzburg

Ich liebe es, Koi-Papi zu spielen!

Schon während seiner sportlichen Laufbahn beschäftigte sich Reini Herbst mit der Haltung und Aufzucht der Tiere, war seither auch mehrfach in Japan auf Koi-Farmen zu Gast. Beim Hausbau legte er selbst einen großen Teich an – später kamen unter anderem vier Indoorbecken dazu. „Ich bin ein Tüftler und ständig bemüht, die Qualität in jeder Hinsicht zu verbessern“, so der Salzburger, der viel Geld und Zeit in die Karpfen-Aufzucht investiert. Seine Fürsorge und sein Qualitätsanspruch machen sich längst bezahlt: Selbst japanische Züchter lässt die Entwicklung und das Wachstum seiner Tiere bewundernd aufhorchen. Wie einst beim Skifahren hat sich Herbst in der Koi-Szene über die österreichischen Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Vor Kurzem eröffnete er zudem den Koi-Alm-Shop in seiner Heimatgemeinde Wals-Siezenheim.

Stammkunde Marcel Hirscher

Zu den Kunden der Koi-Alm zählen zahlreiche Prominente – so ließ sich unter anderem Skilegende Marcel Hirscher einen Teich von seinem früheren Kollegen anlegen. „Ich habe mir am Anfang gedacht: Was will der mit seinen Fischen? Als ich zum ersten Mal bei ihm am Teich gesessen bin, hat mich das Fieber aber sofort gepackt“, erzählte Hirscher den Salzburger Nachrichten. Er genieße die Ruhe als Ausgleich zu seinen actionreichen Hobbys Freeriden und Motocrossfahren. Reinfried Herbst weiß: „Viele Menschen suchen den Rückzug und investieren ihr Geld mittlerweile lieber in einen Teich, an dem sie abends sitzen können, anstatt in teure Luxusartikel wie Autos.“

Marcel Hirscher | Credit: GEPA pictures/ Jasmin Walter

Schon ab 30 Euro kann man sich bei Reinfried Herbst einen Koi kaufen – nach oben hin sind hingegen bei den Auktionen keine Grenzen gesetzt. Wie heißt es in Japan und China so schön: Je teurer ein Koi, umso mehr Glück bringt er. Für Herbst und Hirscher sind die Tiere aber weit mehr als Statussymbole. „Die Fische sind nicht nur wunderschön und ein Blickfang im Garten, sondern auch zutraulich und suchen im Gegensatz zu anderen Fischen die Nähe zum Menschen“, erklärt der 42-jährige Herbst, dem seine prächtigen Karpfen im wahrsten Sinne des Wortes aus der Hand fressen. Dabei strahlt Herbst über das ganze Gesicht und meint: „Ich liebe es, Koi-Papi zu spielen. Für mich ist das keine Arbeit, sondern Leidenschaft“.

Autor: Sandra Eder, 01.06.2021