Red Cool! So rockt Salzburg die Champions League

Mit reifem Offensiv-Fußball bezwang Österreichs Serienmeister den VfL Wolfsburg am Mittwoch klar mit 3:1. Nach dem zweiten Treffer von Doppelpacker Noah Okafor ging die Welle der Begeisterung durch das ausverkaufte Salzburger Stadion, minutenlang feierten die 28.520 Zuschauer nach Abpfiff ihre Helden. "Es ist einfach eine geile Geschichte aktuell", sagte Matthias Jaissle nach dem zweiten CL-Sieg hintereinander und ritt die Euphorie-Welle dann doch nicht mit.

Jaissle ist kein guter Rechner

Vielmehr trat der stets zurückhaltende Deutsche recht heftig auf die Bremse. Er erwarte weitere drei Spiele "auf Messers Schneide", da könne "in den nächsten drei Spieltagen noch alles passieren", sagte der 33-Jährige, und erzählte aus seiner Schulzeit: "Mathe war echt ein schlechtes Fach bei mir in der Schule." Denn an Wahrscheinlichkeitsrechnungen wollte sich Jaissle angesichts der exzellenten Momentaufnahme in der Gruppe G nicht versuchen. "Wir gehen das tatsächlich nach wie vor in aller Bescheidenheit an und wollen auch im nächsten Spiel in Wolfsburg wieder mutig und frech sein. An Rechenspielchen beteilige ich mich nicht." Dass die Gruppengegner Lille und Sevilla (0:0) später auch noch die Punkte teilen würden, wusste er da noch nicht.

Salzburg auf Rekordjagd

Nur sechs Clubs hatten in der Vorsaison zur Halbzeit in der Gruppe sieben Punkte oder mehr – und alle sechs schafften danach auch den Sprung in die K.o.-Runde. Gelingt dies auch Salzburg, würde Sturm Graz seine nationale Sonderstellung verlieren. Bisher gelang nur den Steirern das Kunststück, die Gruppenphase in der Eliteliga zu überstehen und auch noch im Frühjahr vertreten zu sein. Ivica Vastic und Co. wurden im Herbst 2000 Gruppensieger. Die Bullen haben dafür nun drei Matchbälle. Dies würde mit zusätzlichen 9,6 Millionen Euro vergütet, bereits jetzt haben die Salzburger in der Gruppe 6,53 Millionen an Punkteprämien eingespielt. Das nächste Spiel steigt schon am Dienstag in zwei Wochen erneut gegen Wolfsburg, diesmal auswärts in der Autostadt. Und passiert bis dahin kein Wunder, wird der VW-Werkclub auch in der Fremde in Reichweite sein.

Top statt Flop

Der bereits als Transferflop titulierte Okafor spielte einen Teil seiner elf Millionen Euro schweren Ablöse mit seinen ersten beiden Champions-League-Treffern und einer insgesamt starken Leistung wieder ein. "Ich bin mit sehr viel Selbstdruck hierhergekommen, hatte dann mit Verletzungen auch Pech. Aber ich habe immer an mich geglaubt und hart gearbeitet. Ich will mich täglich pushen", sagte der Schweizer, der auch Lob von der deutschen Presse erhielt. "Okafor macht's Wolfsburg vor", titelte die "Bild"-Zeitung. Die Wissbegierde sei die größte Tugend seines Teams, betonte Jaissle. "Wir haben uns vorgenommen, dass wir aus jeder Halbzeit in der Champions League lernen. Das machen wir extrem schnell und extrem effektiv." So effektiv, dass nach zwei Lehrjahren der erstmalige Einzug in die K.o.-Runde zum Greifen nahe ist. "Wenn wir so weiterspielen in den restlichen drei Spielen, dann haben wir gute Chancen", sagte Okafor.

Autor: APA Sport, 21.10.2021