Exklusiv Interview mit Parov Stelar: "Es waren magische Momente"

Heuer war die stillste Zeit im Jahr wohl nicht Weihnachten, sondern während des Lockdowns. Dass eine solche Zeit auch kreativ beflügeln kann, beweist Marcus Füreder aka Parov Stelar. Er nutzte die drei Monate ohne Touren und Terminen für sein neues Album Voodoo Sonic Part 3/3, das er „im Flowzustand“ schrieb.

weekend: Hatten Sie als Komponist bei Voodoo Sonic Part 1/3 bereits Part 3/3 im Kopf?

Füreder: Ich arbeite von Track zu Track. Man kann es mit der Arbeit an einem Buch vergleichen, wenn man keine Kapitel hat, reiht sich nur eine Kurzgeschichte an die nächste. Das erste Album klingt ganz anders als das dritte. Die Arbeit an Voodoo Sonic The Trilogy Part 3/3 passierte mitten im Lockdown. Ich hatte drei Monate durchgehend daran gearbeitet. Ich wollte nicht ins Bett gehen und konnte es kaum erwarten, wieder aufzustehen. Für den Prozess war der Lockdown super. Ich hatte drei Monate keine Termine und keine ­Reisen. Es war ein einziger Flowzustand.

weekend: Apropos Lockdown: Wann könnte es wieder Parov-Stelar-Konzerte geben?

Füreder: Keine Ahnung, wann es wirklich wieder losgeht. Wir haben unsere Europatour vorerst mit März 2021 terminisiert. Da ist natürlich einiges zu organisieren, alleine unser Tross umfasst 25 Personen. Aber wir haben zum Glück saugute Leute. Sie zählen zu den Besten weltweit. Wir müssen also nicht lange proben.

weekend: Livekonzerte sind ein großer Umsatzbringer für Musiker. Kann man sich mit Streaming über Wasser halten bzw. wie stehen Sie generell dazu?

Füreder: Auch durch Streaming kommt einiges zusammen. Da macht es die Menge aus. Dazu kommt das Verlagswesen. Unsere Musik wird für Filme oder Werbungen verwendet. Die große Gefahr beim Streaming sehe ich eher darin, dass es nur ein paar wenige Big Player gibt. Die brauchen nur die Nutzungsbestimmungen zu verändern und du bist denen ausgeliefert, auch kreativ: Was ist, wenn sich jetzt TikTok durchsetzt? Dauert ein Song dann nur noch 15 Sekunden? Die Kultur des Hörens hat sich verändert. Früher suchten die Leute noch nach bestimmter Musik, heute suchen sie nach Playlisten.

weekend: Sie sind mit dem Electroswing ein Genrebegründer. Wie kam es eigentlich zu diesem so typischen Signature Sound?

Füreder: Mir hat die alte Aufnahmetechnik gefallen. Als ich das erste Mal Swing sampelte, merkte ich, das hat noch viel Potenzial. Sampeln ist großartig. Man zerstückelt einen Song und es passiert damit etwas völlig Neues. Als dann die erste Platte rauskam, meinten viele: „Beim nächsten Mal musst du dir einen anderen Schmäh einfallen lassen.“ Aber ich dachte: Warum? Ich habe gerade ein Genre erfunden. Es ist geil, ein Genrebegründer zu sein. Übrigens: Die erste Platte wollte anfangs keiner, doch ich blieb lästig, und so veröffentlichte sie eine Wiener Vertriebsfirma. Sie wurde deren erfolgreichste Platte in dem Jahr.

Das ist der Mensch hinter dem Künstler

Marcus Füreder aka Parov Stelar, 45, studierte Ange­wandtes Design an der Linzer Kunstuni. Danach ging er nach Berlin und entdeckte die Clubszene. Mit seinem ersten Album begründete er das Genre „Electroswing“. Füreder kann auf zwei iTunes-Electro-Chart-Nummer-eins-Hits in den USA verweisen und spielte bei Festivals in aller Welt.

Neues Album und Doku

Am 4. September erschien „Voodoo Sonic The Trilogy Part 3/3“. Es glänzt mit typischem Parov-Stelar- Sound. Die „Farbenfrohheit“ der Titel zeugt von Füreders Hintergrund als Grafiker und Maler. Dazu erschien fast zeitgleich eine TV-Dokumentation über den Ausnahme­musiker.

Autor: Jürgen Philipp , 17.09.2020