Weiterer Prozess zum Wiener Terror-Anschlag

Noch vor dem Verfahren gegen sechs mutmaßliche Helfer des Attentäters muss sich ein radikaler Ideengeber und Anstifter verantworten.
Autor: APA Politik, 20.09.2022 um 17:06 Uhr

Am 18. Oktober beginnt am Wiener Landesgericht ein bis Februar 2023 angesetzter Prozess gegen sechs Männer, die im Vorfeld des Terror-Anschlags vom 2. November 2020 den Attentäter unterstützt und bestärkt haben sollen. Schon zuvor, nämlich bereits ab 5. Oktober muss sich ein weiterer Kontaktmann des Attentäters vor Gericht verantworten, der in der Wiener Innenstadt vier Passanten getötet und 23 Menschen zum Teil schwer verletzt hatte, ehe er von der Polizei erschossen wurde.

Jihadisten-Treff in St.Pölten

Der 23-Jährige Mann, dem die Staatsanwaltschaft die Verbrechen der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation vorwirft, war drei Wochen nach dem Attentat festgenommen worden. Allerdings standen er und eine von ihm im Sommer 2020 in St. Pölten angemietete Wohnung schon Monate vor dem Terroranschlag im Fokus der Staatsschützer. Das niederösterreichische Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) observierte die Wohnung, die offenbar als "Drehscheibe" für die Jihadisten-Szene diente. Der Attentäter Ende Oktober 2020 und damit wenige Tage vor dem Anschlag in der St. Pöltner Wohnung gesehen worden.

Urteil vor dem Hauptprozess erwartet

Eine direkte Beteiligung an den Anschlagsplänen oder eine konkrete Hilfestellung im Vorfeld war dem 23-jährigen nicht nachzuweisen. Ihm wird in seinem bevorstehenden Terror-Prozess daher vor allem das Betreiben von radikalislamistischen Chat-Kanälen, das Übersetzen von Texten und das Verbreiten von IS-Propagandamaterial angekreidet. Dass er damit auch den Attentäter in seinem radikalen Denken bestärkt haben dürfte, liegt nahe. Der Prozess gegen den 23-Jährigen, der unter strengen Sicherheitsvorkehrungen über die Bühne gehen wird, ist vorerst auf drei Tage anberaumt, wie Gerichtssprecherin Christina Salzborn auf APA-Anfrage mitteilte. Ein Urteil könnte es bereits am 11. Oktober und damit noch vor Beginn der "großen" Terror-Verhandlung gegen die sechs mutmaßlichen Helfer des Attentäters geben.